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De Proverbio - Electronic Journal of International Proverb Studies. Proverbs, Quotations, Sayings, Wellerisms.

PETER GRZYBEK

Paremiologicheskie Issledovaniya. Sbornik statei. Sostavlenie i redaktsiya G. L. Permyakova. Predislovie T. V. Civ-yan. Moskva: Nauka (Glavnaya redaktsiya vostochnoy literatury), 1984.

[ = Parömiologische Untersuchungen. Sammelband. Zusammenstellung und Redaktion G. L. Permyakov. Vorwort von T. V. Civ-yan.] Pp. 320.

Die "Parömiologischen Untersuchungen" stellen einen Folgeband zu dem 1978 erschienenen "Parömiologischen Sammelband" (Paremiologischeskii Sbornik) dar, und ebenso wie dieser ist auch die vorliegende Anthologie auf Initiative und unter Leitung von G. L. PERMYAKOV entstanden, der deren Erscheinen leider nicht mehr erleben durfte.

 Abgesehen von diesem, äußeren Faktum der Redaktion durch G. L. PERMYAKOV gibt es jedoch eine Reihe weiterer Parallelen: So sind beide Bände in der Reihe 'Untersuchungen zur Folklore und Mythologie des Orients' erschienen. Diese Reihe, 1969 mit der Wiederherausgabe von V.Ya. PROPP's "Morphologie des Märchens" begründet und fortgesetzt mit so wichtigen Erscheinungen wie z.B. PERMYAKOV's "Von Sprichwort zum Mächen" (1970/79) oder den "Typologischen Untersuchungen zur Folklore" (1975), hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Publikationsorte strukturalistischer Folkloristik in der UdSSR entwickelt. Und um es gleich vorwegzunehmen: Die zu besprechende Aufsatzsammlung setzt diese Tradition in äußerst gelungener Form fort.

Auch in ihrem Aufbau hat sich die Grundstruktur des 78er Bandes im wesentlichen erhalten: Originalbeiträge, Wiederabdrucke (sowohl sowjetischer als auch ausländischer, d.h. östlicher und westlicher Provenienz), Referate und Kurzmitteilungen sind miteinander vereinigt. Damit ist die oben genannte Reihe auch zu einem wichtigen Organ des wissenschaftlichen Austausches in der UdSSR geworden - eine äußerst begrüßenswerte Entwicklung, die offenbar mit den für 1985 angekündigten "Ausländischen Untersuchungen zur Semiotik der Folklore" fortgesetzt werden soll.

Auch von ihrem inneren Aufbau her entsprechen die "Parömiologischen Untersuchungen" weitgehend dem Vorgängerband, insofern Studien zu Sprichwort und Rästel den überaus größten Raum einnehmen. Dennoch - was 1978 als Programm angekündigt wurde, ist hier realisiert: Das Spektrum hat sich erweitert, so daß sich nun auch Aufsätze zum Wellerismus, zur Fabel, zu Omensprüchen finden und dem Band eine Bibliographie parömiologischer Neuerscheinungen angehängt ist.

Doch wenden wir uns dem Inhalt der einzelnen Beiträge zu. T. Ya. ELIZARENKOVA und V. N. TOPOROV behandeln in ihrem gemeinsamen Aufsatz das vedische Rätsel vom Typ brahmodya, einem Rätseltyp in der vedischen Kultur Altindiens (ca. 2000-1500 v. u. Z.). Dieser Rätseltyp spiegelt keineswegs die gesamte Vielfalt der altindischen (oder auch nur der vedischen Rätseltradition) wider, verkörpert allerdings den Autoren zufolge deren Kern, dessen Bedeutung "für die Lösung allgemeiner Fragen der Struktur des Rätsels, seiner Typologie, seines Funktionierens und seiner Herkunft" kaum zu überschätzen sei (14). Innerhalb der vedischen Kultur stellen die brahmodyas den verbalen Teil eines der ältesten vedischen Rituale, des Roßopfers (asmavedha) dar, während dessen der links vom Opferer stehende Priester Hotar und der rechts vom Opferer stehende Brahman - die ihreseits den Feuergott Agni bzw. den Gewittergott Brhaspati repräsentieren - wechselweise Fragen und Antworten kosmologischen bzw. kosmogonischen Inhalts austauschen. In diesem ritualisierten Austausch sehen die Autoren Hinweise auf eines der archaischsten Rituale, nämlich des sozialen Tausches allgemein (z. B. von Sachen, Frauen u.a.m.). Zudem weisen sie Parallelen zur binären Grundstruktur archaischer Rituale, zur binären Sozialorganisation entsprechender Gesellschaften sowie zu mythologischen Vorstellungen vom Weltenbraum auf.- Das Rätsel in seinen heutigen Erscheinungsformen hingegen stelle evolutionierte Formen dar, die nur nach einer schrittweisen Desakralisierung und Profanisierung möglich geworden seien.




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The full text of this article is published in De Proverbio - Issue 11:2000 & Issue 12:2000, an electronic book, available from amazon.com and other leading Internet booksellers.

Aufbauend auf der DeSAUSSUREschen Trennung des sprachlichen Zeichens in signifiant und signifié stellt der Aufsatz von OGLOBLIN einen Beitrag "Zur Frage der Wechselbeziehung von Form und Bedeutung" des Rätsels dar. Dabei legt der Autor seinen Ausführungen folgendes Basisschema des Zusammenhangs von Form (F) und Semantik (S) bei einem Rätsel (R) und seiner Lösung (L) zugrunde: F/S (R) F/S (L). Von diesem Schema ausgehend, beschreibt OGLOBLIN verschiedene Rätseltypen, so z.B. das wohl verbreiteteste (und jeweils auch in andere Sprachen übersetzbare) semantische Rätsel ("Ein klarer Brunnen mit Umzäunung." - Das Auge.") bei dem es auf das Finden einer bestimmten Bedeutung ankommt: F/S (R) F/S (L), oder auch das (in der Regel unübersetzbare) lautliche Rätsel, welches vor allem mit der Ausdrucksebene des sprachlichen Zeichens operiert ("Welcher Ring wird gegessen?" - "Der Hering."): F/S (R) F/S (L). OGLOBLIN zeigt dann aber auch kompliziertere Typen, die auf Homonymien, metasprachlichen Operationen, graphischen bzw. phonetischen Realisationen, phraseologischen Bedeutungen u.a.m. aufbauen.

Anders als die bisher referierten Arbeiten beschränkt sich BARABANOVA in ihrer Studie weder auf einen bestimmten Rätseltyp noch auf eine bestimmte Kultur, sondern tritt mit einem universalen Anspruch an, dessen erste vorläufige Ergebnisse sie darstellt. Sie versucht, logisch-strukturelle Rätseltypen (Invarianten) zu beschreiben in der Art, wie sie PERMYAKOV in seiner "Grammatik der Sprichwörterweisheit" (1979/84) beschrieben hat. PERMYAKOV spricht in seinem der Arbeit von BARABANOVA vorangestellten Geleitwort davon, daß es etwa 40 solcher invarianten Rätseltypengeben solle: Rätsel verkörpern seiner Ansicht nach bestimmte logische Verfahren; sie lehren den Menschen denken und statten ihn mit dem Wissen über diese logischen Verfahren aus. BARABANOVA beschreibt auf der Grundlage des russischen Volksrätsels - insgesamt sieben solcher Invarianten, so z.B. P/Q = x1/y1 + x2/y2 + x3/y3 = 1, wobei P und x1...xn Rätselobjekt und ihm eigene Qualitäten sind, Q und y1...yn Lösungsobjekt und ihm eigene Qualitäten ("Es ist klein, bauchig und behütet das Haus." - "Ein Schloß.") Einen anderen Typ sieht BARABANOVA in metaphorischen Rätseln in der Art von "Es sitzt ein Mädchen im dunklen Keller, den Zopf im Freien." - "Eine Rübe" verkörpert, welches sich vom ersten Typ dadurch unterscheide, daß das Verhältnis von P zu Q = 1 sei: P/Q = x1/y1 + x2/y2 +x3/y3.

In Kombination mit einem Referat von SCOTT's (1969) Aufsatz "On Defining the Riddle" und einer russischen bersetzung von E. KONGAS-MARANDA's (1971) "Theory and Practice of Riddle Analysis" stellt das Kapitel 'Rätsel' nicht nur einen guten berblick über das breite Spektrum gegenwärtiger (zumal linguistisch-semiotisch ausgerichteter) Rätselforschung dar; es bietet zudem eine Reihe anregender, vielversprechender Neuansätze der Rätselanalyse.

Mit dem Ziel, "bei begrenztem Umfang ein Maximum an Information zu geben" (CIV-YAN, S.9), finden sich - in ähnlicher Weise wie auch im "Parömiologischen Sammelband" - in dem Kapitel 'Sprichwort' auch die - smal verschiedene Referate, Mitteilungen oder Auszüge aus längeren Arbeiten (BARULIN, CHERKASSKII, KANYO, PERMYAKOV, PUTILOV, REVZIN, STANCIU, TILANOV). Doch natürlich sind auch mehrere längere Studien enthalten, die durch den Aufsatz "Der proverbiale Raum" (deutsch in: GRZYBEK, 1984a) von Yu.I. LEVIN eröffnet werden.

LEVIN geht auf einige Besonderheiten des semiotischen Status von Sprichwörtern ein, zu denen er vor allem deren besondere Struktur der Bedeutung zählt. Demnach werden beim Gebrauch eines Sprichworts mehrare semantische Schichten gleichzeitig realisiert, nämlich (a) die direkte (wörtliche) Bedeutung des Textes und (b) die Grundbedeutung, welche LEVIN als metasprachliche Beschreibung des Sprichwortinhalts versteht, und die nicht unbedingt als äquivalent zu seinem Sinn angesehen werden dürfe, den ein Sprichwort jeweils nur im und durch den Kontext seiner Verwendung erhalte. Zur Lösung dieses Problems führt LEVIN den Begriff der 'Heterosituativität' ein, um den Umstand zu charakterisieren, daß eine Sprichwortbedeutung in Abhängigkeit von verschiedenen Kontexten unterschiedliche Sinnfüllungen bzw. interpretationen erhalten kann. Die beiden übrigen bei der Verwendung eines Sprichworts aktualisierten semantischen Schichten wären demnach (c) die Bedeutung, die mit den Schema bestimmter Situationen korreliert sowie (d) der jeweilige konkrete Sinn, der im Gegensatz zu den drei anderen Schichten nicht der Ebene der langue, sondern der parole zuzuordnen sei. - Auf diesen berlegungen fußend schlägt LEVIN vor, den Sprichwortfonds einer bestimmten Kultur als mehrdimensionalen (d.h. von mehreren 'Dimensionen' im Sinne von Parametern abhängigen) Raum zu beschreiben, in welchem sich die Sprichwörter jeweils mehr oder weniger nah zueinander befinden und sich entsprechend mit den proverbialen Räumen anderer Kulturen vergleichen lassen. 

A. KRIKMANN, der sich ausführlich mit der ebenfalls (in bersetzung) abgedruckten Arbeit "A Structural Aproach to the Proverb and Maxim" von N. BARLEY (1972) auseinandersetzt, unternimmt in seinem Aufsatz einen "Versuch der Erklärung einiger semantischer Mechanismen des Sprichworts." Dieser baut auf seinen Arbeiten zur semantischen Unbestimmtheit des Sprichworts auf und beschäftigt sich insbesondere mit der Frage des bergangs von der gewöhnlichen, nicht-poetischen - KRIKMANN nennt sie in Anlehnung an den ebenfalls aus Tartu stammenden Semiotiker LOTMAN 'L-Sprache' - zur sekundären, poetischen bzw. parömischen 'P-Sprache'. Dabei geht KRIKMANN, ähnlich wie auch ARORA (1984), von einem Zwei-Stufen-Modell des Verstehens aus, demzufolge der Hörer aufgrund der Unzufriedenheit mit der konstruierten Primärbedeutung sowie aufgrund bestimmter Signale zur Generierung der Sekundärbedeutung veranlaßt wird (zu einer ausführlichen Auseinandersetzung mit solchen Zwei-Stufen-Modellen sowie zu psychologischen Prozessen des Sprichwortverstehens vgl. GRZYBEK, 1984b). Diese Signale sind nach KRIKMANN zweierlei Art: (1) phonetische und/oder syntaktische berstrukturiertheit und (2) verallgemeinernde Tendenz der Aussage. In diesem Zusammenhang charakterisiert KRIKMANN Sprichwörter als pragmatische, nicht aber gnoseologische Einheiten, bei denen sich das Prinzip der Anthropozentriertheitlas zentrales poetisches Verfahren der Tropenbildung erweise, und der Kern des Sinnerfassens eines Sprichworts im Herstellen des jeweiligen referentiellen Bezuges zu sehen sei.- Leider konnte dieser Aufsatz, von Krikmann bereits Mitte der 70er Jahre abgenschlossen (woraufhin jeglicher Hinweis fehlt), nur mit solch erheblicher Verspätung erscheinen.

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T.V. CIV-YAN schreibt gegen Ende ihrer Einleitung: "Die strukturelle Parömiologie hat einen beständigen und bedeutenden Platz im Kreis semiotischer Disziplinen (...) eingenommen. Wichtig ist nicht nur dies allein - wichtig ist, daß dies gerade erst begonnen hat. Die Parömiologie ist eine Wissenschaft mit Zukunft, und es ist besonders wesentlich, daß die bis heute erreichten Resultate diese Zukunft vorhersagen (...)." Dem läßt sich eigentlich nur noch zweierlei hinzufügen: Zum einen, daß die "Parömiologischen Untersuchungen" - ähnlich wie auch bereits der "Parömiologische Sammelband" - in ganz wesentlichem Maße sowohl zu diesen bisherigen Resultaten beitragen bzw. beigetragen haben als auch mögliche Weiterentwicklungen aufzeigen; zum anderen die Hoffnung, daß die Genannten Bände auch nach dem Tode von G. L. PERMYAKOV eine Fortsetzung erleben werden.

LITERATUR

 ARORA, S.L. (1984): The Perception of Proverbiality. In: Proverbium. Yearbook of International Proverb Scholarship. Vol. 1. 1984 (1-38).

BARLEY, N. (1972): A Structural Approach to the Proverb and Maxim. Proverbium, (20) 1972; 737-750.

GRZYBEK, P. (1984a): [Ed.:] Semiotische Studien zum Sprichwort. Simple Forms Reconsidered I. [Special Issue of: Kodikas Code - Ars Semeiotica. An International Journal of Semiotics, 3/4 (1984)]

GRZYBEK, P. (1984b)" Zur Psychosemiotick des Sprichworts. In: GRZYBEK, 1984a

GRZYBEK, P. (1985): Wellerism, In: KOCH, W. A. (Ed.): Simple Forms. An Encyclopaedia of Simple Text-Types in Lore and Literature. (In print)

KÖNGÄS-MARANDA, E. (1971): Theory and Practice of Riddle Analysis. Journal of American Folklore, (81) 1971; 51-61.

KRIKMANN, A. (1984): 1001 Fragen aus Anlaß der logischen Struktur des Sprichworts. In: GRZYBEK, 1984a.

MIEDER, W. (1975): Das Sprichwort in userer Zeit. Frauenfeld: Huber, 1975.

MIEDER, W. (1982): International Proverb Scholarship. An annotated Bibliography. New York: Garland, 1982.

Paremiologicheskii Sbornik. Poslovitsa - Zagadka (Struktura - smysltekst). Moskva, 1975. [=Parömiologischer Sammelband]

PERMYAKOV, G. L. (1970): Ot pogovorki do skazki. Moskva, 1970. [Engl.: From Proverb To Folk-Tale. Moscow, 1979.]

PERMYAKOV, G. L. (1975): K voprosu o strukture paremiologicheskogo fonda. In: Tipologicheskie Issledovaniya. Moskva, 1975 (247-274). [Engl. In: PERMYAKOV, 1979]

PERMYAKOV, G. L. (1979): Grammatika poslovichnoy mudrosti. In: Dsb., Poslovitsy i pogovorki narodov vostoka. Moskva, 1979 (7-57). [Deutsch in: GRZYBEK, 1984a]

PROPP, V. Ya. (1968): Morfologiya skazki. Moskva, 21968.

SCOTT, Ch. T. (1969): On Defining the Riddle: The Problem of a Structural Unit. Genre, (2) 1969; 129-142.

Tipologicheskie Issledovaniya po fol'kloru: Sbornik statei pamyati V. Ya. Proppa. Moskva, 1975. [=Typologische Untersuchungen zur Folklore]

NOTES

Previously published in Proverbium 2 (1985), pp. 339-351.
Permission to publish this article granted by Proverbium (Editor: Prof. Wolfgang Mieder, University of Vermont, USA). 

Peter Grzybek
Institut für Slawistik
Karl-Franzens-Universität
Graz
Austria

 


 
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The banner illustration is a fragment of Pieter Bruegel's painting "The Netherlandish Proverbs", 1559