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'REGELN-KRIEG, SPRÜCHWÖRTER-KRIEG': ZU DEN SPRICHWÖRTLICHEN APHORISMEN VON GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG

WOLFGANG MIEDER

"REGELN-KRIEG, SPRÜCHWÖRTER-KRIEG"
ZU DEN SPRICHWÖRTLICHEN APHORISMEN VON GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG

Seit Jahrzehnten haben Parömiologen viel zu schnell und pauschal die Meinung vertreten, daß Sprichwörter im Zeitalter der Aufklärung als tradierte Volksweisheiten mehr oder weniger in Vergessenheit gerieten. Zu einer Zeit, wo Vernunft und Bildung herrschten, konnte man angeblich nichts mit den volkssprachlichen Sprichwörtern anfangen. Das ist jedoch ein erheblicher Trugschluß, denn schaut man sich heute die größeren Sprichwortbibliographien an,[1] so zeigt sich auf überzeugende Weise, wie interessiert man auch im 18. Jahrhundert an der Sprichwörterweisheit war. Es darf nicht vergessen werden, daß die philosophische Seite der Aufklärung auch eine populärwissenschaftliche, moralische und didaktische Kehrseite einschloß, die Ethik und Tugend lehren wollte. Dazu waren Sprichwörter nach wie vor in leicht eingängigen Sätzen ausgedrückte Weisheitslehren, die im mündlichen sowie im schriftlichen Gebrauch wiederholte Verwendung fanden. Das zeigen einmal die vielen "vernünftig" kommentierten Sprichwörtersammlungen dieses Zeitalters, aber die Vorliebe für altüberlieferte Volksweisheit läßt sich auch an den vielen auf Sprichwörtern aufgebauten Predigten und der regelrechten Mode von Sprichwortscharaden ablesen.[2]

Die historische Sprichwörterforschung hat sich bisher viel zu sehr mit der sprichwörtlichen Sprache früherer Jahrhunderte beschäftigt. Die großen Sammlungen von Johannes Agricola, Sebastian Franck, Friedrich Peters und Christoph Lehmann, um nur einige wenige zu nennen, verdienen diese Beachtung und sind mit Recht bereits nachgedruckt worden.[3] Doch es gibt auch äußerst wichtige Sprichwörtersammlungen der Aufklärungszeit, die allerdings bisher zu wenig berücksichtigt worden sind, so z.B. J.C. Siebenkees, Teutsche Sprichwörter mit Erläuterungen (Nürnberg: Bauer und Mann, 1790), Johann Jacob Bücking, Versuch einer medicinischen und physikalischen Erklärung deutscher Sprichwörter und sprichwörtlicher Redensarten (Stendal: Franzen und Grosse, 1797) und Andreas Schellhorn, Teutsche Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten und Denksprüche (Nürnberg: Stein, 1797). Die wichtigste Sammlung jedoch ist Joachim Christian Blums Deutsches Sprichwörterbuch, 2 Bde. (Leipzig: Weygand, 1780 und 1782), worin 766 Sprichwörter mit ausführlichen Erläuterungen verzeichnet sind, die wertvolle Aufschlüsse über didaktische, pädagogische und populärwissenschafliche Ansichten dieses "aufgeklärten" Jahrhunderts geben.[4] Aber es wurde nicht nur gesammelt und vernünftigt kommentiert, sondern selbst Johann Christoph Gottsched verfaßte einen "Versuch einer Erklärung vieler eigentlichen deutschen Redensarten" (1741). In seinem gewichtigen Buch Grundlegung einer deutschen Sprachkunst (1. Aufl. 1748) handelt er dann im XII. Hauptstück "Von den Kern- und Gleichnißreden, imgleichen den Sprüchwörtern der deutschen Sprache" und fügt seinen allgemeinen Betrachtungen eine Liste von 346 Redensarten und 625 Sprichwörtern bei.[5] Wer will da noch behaupten, daß Sprichwörter den Aufklärern nichts galten!

Literaturwissenschaftler und Sprichwortforscher haben auch bezüglich der schöngeistigen Literatur des 18. Jahrhunderts wiederholt behauptet, daß die Aufklärung und Klassik dem Sprichwort gegenüber negativ eingestellt waren. Und doch haben zwei umfangreiche Dissertationen sowie kleinere Einzelstudien zum Sprichwortgebrauch bei Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller längst nachgewiesen, daß diese volkssprachliche Fertigware selbst bei diesen Klassikern eine erhebliche stilistische und gehaltliche Rolle spielt.[6] Goethes Götz von Berlichingen (1773) und selbst sein Faust (1808/32) enthalten eine beachtliche Anzahl von Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten. Dasselbe gilt für Schillers Wallenstein (1798/99), dessen Sentenzen oft auf Sprichwörtern fußen oder inzwischen zu Sprichwörtern geworden sind. Eine detaillierte Analyse der volkssprachlichen Elemente der Dramen der Strum und Drang Zeit würde gleichfalls aufzeigen, daß Sprichwörter in der Literatur des 18. Jahrhunderts nicht unterschlagen wurden. Selbstverständlich war auch der volkskundlich sehr interessierte Johann Gottfried Herder dem Sprichwort durchaus positiv gesinnt, doch wäre das Gesamtwerk Herders erst noch auf seine Verwendung von Sprichwörtern hin zu untersuchen. Hier sei wenigstens auf seinen großartigen Aufsatz "Vitae, non scholae discendum" (1800) hingewiesen,[7] worin die Sprichwortweisheit "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" überzeugend als wahr ausgelegt wird.


Auch über Gotthold Ephraim Lessings Verwendung von Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten liegt leider noch keine größere Untersuchung vor. Und doch enthalten seine Lustspiele wie Der junge Gelehrte (1747), Der Misogyn (1748) und Minna von Barnhelm (1763) sowie selbst sein großes Drama Nathan der Weise (1779) viele Sprichwörter, die teils humorvoll aber auch didaktisch verarbeitet werden. Lessing war sogar von Sprichwörtern so fasziniert, daß er seinen "Collectanea" fast zwanzig Seiten aus den Sprichwörtersammlungen Sprichwörter / Schöne / Weise / Herrliche Clugreden / vnnd Hoffsprüch (1541) von Sebastian Franck und Florilegium Politicum (1630ff.) von Christoph Lehmann einverleibt hat.[8] Lessing plante eine Neuauflage des großen Lehmannschen Werkes (22922 Sprichwörter enthält diese massive Barocksammlung!), übersetzte englische Sprichwörter ins Deutsche und beschäftigte sich eingehend mit zahlreichen Sprichwörtern und Redensarten in seinen "Vorarbeiten für ein deutsches Wörterbuch".[9]

Selbst François-Marie Voltaire als der bedeutendste europäische Vertreter der Aufklärung hat sich in einer Untersuchung über Sprichwörter und Redensarten in seiner umfangreichen Korrespondenz als geradezu sprichwortreich erwiesen.[10] Ein ähnliches Resultat würde auch eine Studie über die sprichwörtliche Sprache der Aphorismen von Johann Jakob Wilhelm Heinse ergeben, der zuweilen Sprichwörter und Redensarten seitenweise aneinanderreiht,[11] so daß in seinen Werken eine noch unbekannte Sprichwörtersammlung verborgen liegt. Sicherlich aber sprach der Aufklärer Karl Julius Weber für sein ganzes Zeitalter, als er seine kurze Betrachtung über "Sprichwörter" folgendermaßen einleitete:

Sprichwörter sind für das Volk die Axiome der gesunden Vernunft und geprüfter Erfahrung, ihre Kürze und Kraft und Wahrheit empfehlen sie noch heute. In jeder Gegend und in jedem Dorfe fast könnten wir Sprüche von Männern finden, die sich durch Klugheit einen Namen machten - die Zeit verlöscht ihre Namen, aber ihre Sprüche bleiben und verwandeln sich in Sprichwörter.

Sprichwörter repräsentieren den gesunden Menschenverstand mehr als tausend Bücher, und ihre Anwendung auf die Gegenstände des Lebens und die Vorfälle des Tages macht den Witz des gemeinen Mannes, der den Nagel auf den Kopf trifft, während hundert Folianten und Quartanten nichts treffen als ein pedantisches System.[12]

Hier zeigt sich doch ganz deutlich, daß selbst die großen Aufklärer nicht vom volkssprachlichen Sprichwort loskommen konnten. Wieviel mehr aber werden Sprichwörter im mündlichen Sprachverkehr kursiert haben! Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten gehören nun einmal zum normalen Sprachgebrauch, gleichgültig aus welchem Stand oder von welchem Bildungsniveau Sprachteilnehmer sein mögen. Die eigentliche Frequenz, die Funktionen und Kontexte der Verwendung sprichwörtlicher Sprache sind unterschiedlich, aber dieses volkstümliche Sprachgut gehört wie einzelne Wörter zur menschlichen Kommunikation. Niemand scheint ihnen entfliehen zu können, und warum auch, da diese vorgeprägten Sprachformeln und Metaphern nun einmal den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf treffen!

Ähnliche Gedanken lassen sich auch in den Sudelbüchern Georg Christoph Lichtenbergs finden, der sich in seinen Aphorismen wiederholt mit dem Wert von Sprichwörtern und Redensarten auseinandergesetzt hat. Es ist bekannt, daß Lichtenberg großes Interesse an der Sprache schlechthin aber auch ganz besonders an der Volkssprache hatte.[13] In einem seiner kürzesten Aphorismen heißt es ganz einfach "Die Wörter-Welt" (J357, S. 706),[14] und es lassen sich zahlreiche Kurztexte finden, worin Lichtenberg sich als engagierter Etymologe, Philologe, Dialektologe und Lexikograph entpuppt. Er ging zwecks geplanter aber nicht ausgeführter Wörterbücher sogar so weit, informationsreiche Wörterlisten zusammenzustellen, wie es Lessing ebenfalls tat. Gerade eine Liste von "Schimpfwörter[n] und dergleichen" (D667, S. 338-339) läßt erkennen, wie sehr Lichtenberg die Volkssprache schätzte. Hier findet man Wörter wie "Schandbalg, Flegel, Galgenvogel, Hundsvott, Drecksau, Schlampe" usw., aber es sind auch drastische Redensarten und Flüche wie "daß dich tausend Teufel zerreißen", "Blitz, Hagel, und alle Wetter" und "Himmel Sakrament" darunter. Auf diese Zusammenstellung folgt sogar noch eine dreiseitige Liste von "Wörter[n] und Redens-Arten" (D668, S. 340-342), die Redensarten wie "einen am Affenseil herumführen", "in Bausch und Bogen" und "nicht ein Bohnenflöckgen" enthält. Solche Ausdrücke finden sich auch in ein- bis zweizeiligen Texten Lichtenbergs wieder, die mit der Gattung des Aphorismus zuweilen weniger zu tun haben, die aber sein großes Interesse an der bilderreichen und derben Volkssprache verdeutlichen und zeigen, daß Lichtenberg nicht nur Sprachforscher sondern auch recht modern "Sprachspieler" ist. Als Beispiele seien kurz folgende Texte zitiert, die alle eine gängige Redensart (zuweilen auch zwei Redensarten verbindend) enthalten:

Er war was man in allen Ländern zwischen dem Rhein und der Donau eine gute Haut nennt. (B32, S. 56)

Ich habe auch Federn auf dieser Leimrute sitzen lassen. (C241, S. 204)

Das heißt Eulen nach Athen oder Compendia nach Göttingen tragen. (D70, S. 241)

Ich muß ihn irgendwo einmal ans Kümmel-Eckgen gestoßen haben. (D94, S. 245)

So närrisch als es dem Krebse vorkommen muß wenn er den Menschen vorwärts gehen sieht. (D125, S. 249)

Das ist eine Arbeit wobei sich glaube ich die Gedult selbst die Haare ausrisse. (D245, S. 270)

Er hat den Kelch des Stolzes getrunken. (D394, S. 290)

Seit wann ist dann schlecht und recht und recht schlecht einerlei? (E125, S. 368)

Was man nicht gleich sieht ist keine drei Groschen wert, artifizielles Gewäsch. (E149, S. 373)

Sie verkaufen alles bis aufs Hemd und noch weiter. (E201, S. 390)

Viel Federkauens wollen wir gewiß nicht machen. (E363, S. 424)

Er fiel sich selbst ins Wort. (E519, S. 451)

Er sieht aus als wenn er keine drei zählen könnte, als wenn ihm die Hühner das Brod gefressen hätten. (F240, S. 496)

Alles Unglück von A bis Z. O meine liegen alle zwischen A und G (Frau, Ehe). (F287, S. 501)

Ich denke wenn man etwas in die Luft bauen will, so sind es immer besser Schlösser als Kartenhäuser. (F357, S. 510)

Das ist toll genug einen Narren klug zu machen, bei meiner Ehre. (F567, S. 537)

Damals hätte er beinah seinen kostbaren Hals gebrochen. (F580, S. 539)

Das Trojanische Pferd mit dem Heidelberger Faß verglichen. (F615, S. 544)

Jena und Gomorrha. (F870, S. 584)

Man muß keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen die Hand auf das Herz legt. (G74, S. 146)

Das Faustrecht ist heutzutage verschwunden bis auf die Freiheit, jedem eine Faust in der Tasche zu machen. (G178, S. 166)

Er verschluckte viel Weisheit, es war aber, als wenn ihm alles in die unrechte Kehle gekommen sei. (H91, S. 190)

Das heißt die Hand auf den Mund legen und hernach ein wenig durch die Finger plaudern. (J119, S. 670)

Der Mann machte sehr viel Wind. B. O nein! wenn es noch Wind gewesen wäre, es war aber mehr ein wehendes Vakuum. (J181, S. 679)

Bei dem ist Hopfen und Malz verloren. B. Das setzt voraus, daß es mit ihm auf Bier angelegt gewesen wäre. Das ist es aber nicht. Es war alles Wassersuppe. (J182, S. 679)

Hierüber wollen wir das Gras hinwachsen lassen. (J632, S. 745)

Es ist viel anonymisches Blut vergossen worden. (J1103, S. 808)

Es wäre wohl gut wenn ihm jemand einmal sein goldnes Wolfs-Vlies über die Ohren zöge. Einem das Vlies über die Ohren ziehen, ist besser als Fell. (J1253, S. 831)[15]

Diese Texte reichen von autobiographischen Aussagen bis hin zu bitter satirischen Angriffen auf nicht genannte Zeitgenossen. Die metaphorischen Redensarten helfen dabei durch ihre Bildlichkeit, die ernsten und auch spielerischen Texte volkssprachlich zu verstärken. Indem Lichtenberg die Metaphern variert (z.B. "Federkauens" statt "Federlesens" oder "Jena" statt "Sodom") oder durch Ergänzungen witzig auf diese Fertigware reagiert, bewahrheitet er eine eigene sprachphilosophische Feststellung: "Schimpft nicht auf unsere Metaphern, es ist der einzige Weg, wenn starke Züge in einer Sprache zu verbleichen anfangen, sie wieder aufzufrischen und dem Ganzen Leben und Wärme zu geben [...]" (E274, S. 411).[16]

Zuweilen spielt Lichtenberg lediglich auf eine Redensart an, wie z.B. in dem erotischen Text "Es ist der Ordnung der Natur sehr gemäß, daß zahnlose Tiere Hörner haben, was Wunder wenn es alten Männern und Weibern öfters so geht?" (E45, S. 352). Hier ist selbstverständlich von "einem Hörner aufsetzen" die Rede, einem sprichwörtlichen Ausdruck, der den sexuell betrogenen Partner als Hahnrei charakterisiert.[17] Obwohl diese Redensart heute weniger gebräuchlich ist, war sie im 18. Jahrhundert gang und gäbe, so daß Lichtenbergs Lesern die Anspielung nicht entgangen wäre. Was Sexualität oder Obszönität betrifft. so machte sicherlich der Umstand, daß Lichtenberg absolut keine Intentionen hatte seine Sudelbücher zu veröffentlichen (vgl. "Die letzte Hand an sein Werk legen, das heißt verbrennen" [F173, S. 486]), das Aufschreiben der folgenden Texte möglich: "Die eine Schwester ergriff den Schleier und die andere den Hosenschlitz" (C5, S. 157), "Es ist eine schöne Ehre die die Frauenzimmer haben, die einen halben Zoll vom Arsch abliegt!" (J100, S. 667), "Ein Brauthemd am Morgen nach der Hochzeit vulva pinxit, penis sculpsit" (J149, S. 675), "Ich habe mit ihm 2 Jahre in einerlei Nachtgeschirr gepisset und kann also schon wissen was an ihm ist" (B273, S. 118), "Depurtierte pissen gegen eine Kutsche, die Kutsche geht weg, und sie pissen gegen einander" (D623, S. 328), "Der Dung-Karrn und die Staats-Karosse" (D663, S. 336) und "Arschwische mit Motto's" (E11, S. 345). Hier zeigt sich Lichtenberg als "vulgärer" volkssprachlicher Aufklärer, doch muß betont werden, daß die vielen Studien zu Lichtenbergs Aphorismen solche Belege bisher unterschlagen haben. Dabei zeigen sie erst, wie universal der Inhalt dieser Sudelbücher ist, die laut Lichtenberg "Das Starke, das Große, das Erhabene, das Matte, das Gemeine, das Alberne, das Hundsföttische" (D155, S. 253) - kurz das gesamte zeitgenössiche Leben enthalten.

Da Lichtenberg seine Kurzprosa, die bekanntlich außer Aphorismen im eigentlichen Sinne aus Tagebucheintragungen, Lesefrüchten, Zitaten, Glossen, Witzworten, Redensarten, Sprichwörtern, Epigrammen, Augenblickseinfällen, Notizen, Beobachtungen, Hypothesen, Vermutungen, Plänen, Skizzen, Wortsammlungen, Buchtiteln, Wortspielen ad infinitum bestehen,[18] in der Tat nur für sich selbst verfaßt hat, ist es nicht verwunderlich, daß diese "ganze Milchstraße von Einfällen" (J344, S. 704) gelegentlich Texte enthält, deren Andeutungen etwas unverständlich sind. Das geschieht selbst dann, wenn Lichtenberg mit Redensarten spielt. So heißt es z.B. "Die Nase eher rümpfen lernen als putzen" (F574, S. 539), und man fragt sich natürlich, von wem wraum und worüber hier die Nase gerümpft wird. Ein etwas früherer Text gibt in etwa den Schlüssel zu dem Rätsel: "Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?" (E316, S. 416). Beeinflußt von dem englischen Philosophen David Hume und dessen Aufsatz "Of National Characters" (1741), hat sich Lichtenberg auch mit dieser umstrittenen Vorstellung beschäftigt: "Hume sagt in seiner Abhandlung von National-Charakteren, die Engländer hätten unter allen Nationen am wenigsten einen National-Charakter" (D231, S. 268). Was nun die Deutschen angeht, so ist Lichtenbergs stereotypisches Urteil über seine Zeitgenossen nicht gerade positiv, die anscheinend das Verachten früher lernen als das Naseputzen. Fast schon sprichwörtlich zeigt sich das negative Bild des deutschen Michels auch in der folgenden Aufzählung, wovon es in Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfelds Sammlung Internationale Titulaturen (1863) zahlreiche weitere Belege[19] gibt: "Er spricht mit dem Munde wie der Franzose, mit Handlungen wie der Engländer, mit den Achseln wie der Italiäner oder mit allen dreien, wie der Deutsche" (C276, S. 210). Scharf kanzelt Lichtenberg die deutsche Bevölkerung auch mit der negativen Variation der Redensart "wissen, wo einem der Schuh drückt" ab, indem er ihre ständige anscheinend sinnlose Unzufriedenheit und Meckerei bloßstellt: "Germanien, weiß nicht wo sie der Kothurn drückt. Sie wissen nicht wo sie der Soccus oder Kothurn" (Materialheft II, Nr. 38, S. 592; vgl. auch "Er weiß am besten, wo ihn der Soccus und der Kothurn drückt" [C200, S. 197]). Indem der Autor behauptet, daß das deutsche Land weder mit einem Kothurn (=Bühnenschuh mit hoher Sohle) noch Soccus (-schuh mit flacher Sohle) zufrieden ist, hält er seinen Mitmenschen einen satirischen Spiegel ihres Nationalcharakters vor Augen.

Mehr oder weniger direkt tut das auch sein Patriotischer Beytrag zur Methyologie der Deutschen nebst einer Vorrede über das Methyologische Studium überhaupt (1773). Die einen Oktavbogen (16 Seiten) umfassende anonym veröffentlichte Schrift enthält eine Sammlung von 101 hochdeutschen und 43 niederdeutschen Redensarten über die Trunkenheit, wobei das Fremdwort "Methyologie" eine Wortschöpfung Lichtenbergs aus griechisch "methy" (berauschendes Getränk, bes. Wein) ist. Humorvoll ist die erhebliche Sammlung "Allen Roten Nasen" gewidmet, und natürlich erwähnt Lichtenberg in seiner Vorrede auch die stereotypische Trunkenheit der Deutschen, die was "die Kunst zu trinken [... und] was das Praktische hierin betrifft, nun einmal bei Auswärtigen zum Sprüchwort geworden sind". Er übertrumpft damit eine ihm bekannte englischsprachige Liste von 85 Redensarten zur Trunkenheit, die ein gewisser Norworth unter dem Titel Observations on Drunkenness (1770) in The Gentleman's Magazine veröffentlicht hatte. Man sieht, eine Art Nationalstolz - und sei es auch auf die sprachliche Fertigware über die Intoxikation - vermag sich auch bei Lichtenberg einzustellen. Freilich gelingt ihm in seinem Vorwort in etwa eine Satire auf eben dieses Alkoholproblem, und gleichzeitig macht sich im lexikographischen Teil seine ausgeprägte Wißbegierde an der sprichwörtlichen Volkssprache erneut bemerkbar. Von den insgesamt 144 hoch- und plattdeutschen "Redens-Arten, womit die Deutschen die Trunkenheit einer Person andeuten", seien hier wenigstens folgende Texte kurz zitiert. Sie zeigen deutlich, daß Lichtenberg, wie sein Zeitgenosse Lessing, auch parömiographisches Interesse hatte:

Er hat einen Schuß.

Er ist benebelt.

Er hat einen heiligen Schein.

Er hat zu tief ins Glas geguckt.

Er kann die Zunge nicht mehr heben.

Er sieht den Himmel für eine Baßgeige an.

Er ist im Oberstübchen nicht richtig.

Er ist so voll, daß er es mit den Fingern im Halse fühlen kann.

Er ist unter dem Tische.

Er sieht eine Turm-Spitze für einen Zahnstocher an.

Er ist blindhagelvoll.

Er sieht aus wie eine Ente wenns wetterleuchtet.

----

He het veel unter de Nase gegossen.

He hefft to veele püchelt.

He is to lange unter den Wachholder-Baume wesen.

He hat wat in de Krone.

He heft de Jacke voll.

He is so dicke as en Swin.

He is so stramm as en Trummel.[20]

Von weltfremder Gelehrtheit des Göttinger Professors Lichtenberg kann hier nicht die Rede sein. Vielmehr spürt man seine "Lust" am Sammeln, seinen "Spaß" an dieser satirischen Anhäufung von deutschen Redensarten und vor allem sein kulturgeschichtliches Interesse an der sprichwörtlichen Volkssprache.

Natürlich hat Lichtenberg auch dem eigentlichen Sprichwort seine Aufmerksamkeit geschenkt, was betreffs des Interesses der Lichtenberg-Forscher an seinen sprichwörtlichen Aphorismen nicht behauptet werden kann. Immerhin hat wenigstens Walter Arthur Berendsohn in seinem frühen Buch zu Stil und Form der Aphorismen Lichtenbergs (1912) auf etwa 25 Texte aufmerksam gemacht, die auf gängigen Redensarten und Sprichwörtern beruhen.[21] Für die hier vorliegende Arbeit wurden jedoch 258 redensartliche und 70 sprichwörtliche Aphorismen in den 8161 von Wolfgang Promies herausgegebenen Prosatexten der Sudelbücher aufgefunden, so daß es sich immerhin bei 4% aller Texte um parömische Aphorismen handelt. In seinem kurzen Vergleich von Aphorismus und Sprichwort unterscheidet Berendsohn zwar scharf zwischen dem Aphorismus als Buchliteratur und dem Sprichwort als ungeschriebene Volksliteratur, doch weist er wenigstens an Hand von sieben Beispielen darauf hin, daß "natürlich eine sekundäre Einwirkung des Sprichworts auf den Aph. nicht ausgeschlossen [ist]".[22] Da fragt man sich allerdings, wie Rudolf Wildbolz in seinem sonst so aufschlußreichen Aufsatz "Über Lichtenbergs Kurzformen" (1969) das Sprichwort auslassen konnte, wo er doch die anderen Gattungen wie Sentenz, Maxime, Witz, Aphorismus, Fragment und Essay mit Bezug auf Lichtenbergs Sudelbücher analysiert.[23] Es ist doch längst bekannt, wie nahe sich gerade ein- oder zweizeilige Aphorismen und Sprichwörter stehen können, denn Aphoristiker von mindestens Lichtenberg an über Goethe, Marie von Ebner-Eschenbach, Friedrich Hebbel, Gerhard Hauptmann, Friedrich Nietzsche, Karl Kraus, Stanislaw Jerzy Lec, Gabriel Laub, Gerhard Uhlenbruck, Werner Mitsch und André Brie bis hin zu Elias Canetti (um nur einige Namen zu nennen) haben immer wieder entweder ihre Aphorismen auf Sprichwortstrukturen aufgebaut oder aber gängige Sprichwörter durch minimale Variationen in prägnante Aphorismen oder besser "Antisprichwörter" verwandelt.[24] Offensichtlich sind sich Aphoristiker der Verwandtschaft von Sprichwort und Aphorismus bewußt. Besonders die sehr kurzen Aphorismen zeichnen sich oft durch stilistische und strukturelle Merkmale wie Parallelismus, Antithese, Paradoxon, Wortspiel, Reim, Metapher, Analogie, Prägnanz usw. aus. Mit Recht stellte bereits Friedrich Schlegel betreffs solcher lakonischen Aphorismen folgende Definition auf: "Witzige Einfälle sind die Sprüchwörter der gebildeten Menschen",[25] und Piroska Kocsány nannte einige Kürzesttexte von Lichtenberg durchaus passend "literarische Sprichwörter".[26] Beide Definitionsversuche deuten darauf hin, daß Aphorismen zwar sprichwörtliche Stilelemente und Strukturen aufweisen können, daß sie aber doch von bekannten Autoren stammen und nicht anonym im Volksmund geläufig sind. Man könnte auch von erfundenen Sprichwörtern sprechen, die noch nicht volksläufig geworden sind. Hier folgen immerhin zwölf Texte aus Lichtenbergs Sudelbüchern, die in der Tat "das Zeug" hätten, durch allgemeine Gebräuchlichkeit zum Volkssprichwort zu werden:

Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten. (C186, S. 193)

Es mag stürmen wie es will, so schwimmen verzwickte Bälge immer oben. (C340, S. 220)

Sich in einen Ochsen verwandeln ist noch kein Selbst-Mord. (D169, S. 255)

Die Bauernmädchen gehen barfuß, und die Vornehmen barbrust. (D303, S. 279)

Wer nichts in seinem Kopf verloren hat kann nichts finden. (D640, S. 331)

Die große Regel: Wenn dein Bißgen an sich nichts Sonderbares ist, so sage es wenigstens ein bißgen sonderbar. (E243, S. 399)

Bombast? Was ist Bombast? Ein hoher Absatz ist noch keine Stelze. (F515, S. 531)

Wenn eine Betschwester einen Bet-Bruder heiratet, so gibt das nicht allemal ein betendes Ehepaar. (F1133, S. 622)

Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst. (J415, S. 715)[27]

Wer eine Scheibe an seine Garten-Tür malt, dem wird gewiß hineingeschossen. (J614, S. 742)[28]

Schmucklos ist ja noch nicht geschmacklos. (J778, S. 762)

Der eine hat geladen, der andere lädt noch. (L250, S. 887)

Außer den sprichwörtlichen Stilmitteln und deutlichen Sprichwortstrukturen zeichnen sich diese Texte durch ihre Kürze und die ausgedrückte Weisheit aus. Sie könnten also tatsächlich als "Sprichwörter" angesehen werden, wenn sie eine allgemeine Volksläufigkeit erreicht hätten. Das war jedoch gar nicht möglich, da Lichtenberg seine Texte zu Lebzeiten nicht veröffentlicht hat. Die späteren Ausgaben seiner Sudelbücher sind nie zur "Massenliteratur" geworden, so daß diese "fast" Sprichwörter nicht unter die Leute kommen konnten. Vielleicht schafft das einmal einer dieser Texte, falls ein Journalist oder ein Werbetexter ihn zur Schlagzeile oder Werbespruch erhebt.[29] Dann könnte die moderne Macht der Massenmedien so einen sprichwörtlichen Aphorismus noch fast zweihundert Jahre nach Lichtenbergs Tod zum Sprichwort werden lassen, das mit hoher Frequenz in aller Munde geführt wird.

Ein Lichtenberg-Aphorismus scheint es allerdings zum Sprichwortstatus gebracht zu haben, wenigstens ist er als Beleg für den fast identischen Sprichworttext "Vom Wahrsagen kann man wol leben, aber nicht vom Wahrheit sagen" in Karl Friedrich Wilhelm Wanders fünfbändigem Deutschem Sprichwörter-Lexikon (1867-1880) mit Hinweis auf den Verfaser verzeichnet worden. Allerdimgs zitiert Wander nicht aus den Sudelbüchern sondern aus Lichtenbergs Ausführlicher Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche (1794ff.) folgende Variante: "Vom Wahrsagen kann man wol noch hier und da in Deutschland leben, aber nicht vom Wahrheit sagen".[30] Doch mit dieser satirischen Aussage über den Zustand der Wahrheit in Deutschland erweiterte Lichtenberg seinen bereits etwa 1791 niedergeschriebenen Aphorismus "Vom Wahrsagen läßt sichs wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen. (J787, S. 763), der fast identisch ist mit dem von Wander zitierten Sprichwort. Wander bietet keine früheren Belege als diesen von Lichtenberg, und bis sich ein Text vor Lichtenbergs Variante finden läßt, könnte dieser als möglicher "Erfinder" des Sprichworts gelten. Diese Möglichkeit bleibt auch bestehen, wenn man annimmt, daß der Parömiograph Wander die in der Hogarth-Schrift aufgefundene Aussage um den Satzteil "auch hier und da in Deutschland" verkürzt hat und durch die Aufnahme in sein parömiograhisches Standardwerk zum Sprichwort erklärt hat. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist umso größer, da Wander zuweilen auf diese unwissenschaftliche Weise vorgegangen ist,[31] und da bisher von Sprichwörterforschern kein weiterer Beleg des Sprichwortes registriert worden ist. Zu einem allgemein bekannten Volkssprichwort ist dieser Lichtenberg-Aphorismus nach diesen Ausführungen wenigstens nicht geworden, und vielleicht wäre es doch besser, diesen Text als dreizehnten Beleg den oben genannten Aphorismen Lichtenbergs hinzuzufügen, die wegen ihres Sprichwortcharakters und wegen der fehlenden Volksläufigkeit vielleicht "Pseudosprichwörter"[32] genannt werden könnten.

Es besteht allerdings kein Zweifel daran, daß Lichtenberg, wie die vielen Aphoristiker nach ihm, sich recht intensive Gedanken gemacht hat über Sprichwörter und deren Weisheit oder "common sense",[33] wie es der Anglophil zuweilen nennt: "bon sens, Menschen-Verstand, common sense wird zu oft für einen vollkommenen Sinn gehalten, in der Tat ist [er] aber weiter nichts, als eine immer wachsam anschauende Erkenntnis von der Wahrheit nützlicher allgemeiner Sätze" (F56, S. 469). Hier ist zwar noch nicht direkt von Sprichwörtern die Rede, doch handelt es sich bei ihnen um "nützliche allgemeine Sätze". Zu beachten ist bei dieser Aussage allerdings, daß Lichtenberg diesen Sätzen und ihrem common sense keinen "vollkommenen Sinn" zuspricht. Von Nutzen sind Weisheitssätze schon, aber eben nicht perfekt in ihrer menschlichen Begrenztheit. Diese negative oder wenigstens ambivalente Einstellung gegenüber phraseologischen Weisheiten lassen auch die folgenden Aphorismen erkennen: "Flick-Sentenzen" (C21, S. 159), "Der oft unüberlegten Hochachtung gegen alte Gesetze, alte Gebräuche und alte Religion hat man alles Übel der Welt zu verdanken" (D369, S. 286) und "Was man feine Menschenkenntnis nennt, ist meistens nichts als Reflexion, Zurückstrahlung eigener Schwachheiten von anderen" (G17, S. 136). Von Interesse ist aber auch Lichtenbergs Begriff der "Pfennigs-Wahrheiten",[34] womit er vor allem seine kürzeren Aphorismen charakterisierte: "Schmierbuch-Methode bestens zu empfehlen. Keine Wendung, keinen Ausdruck unaufgeschrieben zu lassen. Reichtum erwirbt man sich durch Ersparung der Pfennigs-Wahrheiten" (F1219, S. 639). Zu diesen "kleinen" Wahrheiten sind auch Sprichwörter zu rechnen, aber ihre Aufnahme in die Sudelbücher ist nicht gleichzusetzen mit einer pauschalen Akzpetierung, da sie auch stereotypsiche und andere veraltete Regeln tradieren: "Die kleinen Pfennings-Vorurteile, (Tugenden) (Wahrheiten)" (B116, S. 77).

Diese ambivalente Einstellung zeigt sich ganz deutlich in den fünf Aphorismen, wo sich Lichtenberg ganz direkt über den Wert von Sprichwörtern ausläßt. Da heißt es einmal zustimmend "Wenn man viel selbst denkt, so findet man viele Weisheit in die Sprache eingetragen. Es ist wohl nicht wahrscheinlich, daß man alles selbst hineinträgt, sondern es liegt würklich viel Weisheit darin, so wie in den Sprüchwörtern" (J443, S. 718). Dagegen wendet sich jedoch die sehr negative Aussage "Mit den einfältigen Sprüchwörtern unserer Vorfahren, was helfen mich [sic] die Nester ausgeflogner Wahrheiten? (Da kommen die Kerle und weisen mir die Nester)" (F487, S. 526).[35] Hier scheint die Wahrheit allzu evidenter Sprichwörterweisheit überholt zu sein, oder die Sprichwörter haben ihren Sinn bereits völlig verloren. Auf jeden Fall hat Lichtenberg auch erkannt, daß Sprichwörter keine Universalwahrheiten sind, denn bekanntlich gibt es für die meisten Sprichwörter auch Gegensprichwörter, die die entgegengesetzte Wahrheit ausdrücken, wie etwa "Ehestand, Ehrenstand" vs. "Ehestand, Wehestand" oder "Recht geht vor Gewalt" und "Gewalt geht vor Recht". Es kommt bei Sprichwörtern immer darauf an, in welchem Sinnzusammenhang sie zitiert werden. Erst im sprachlichen Kontext erweist sich, ob ein Sprichwort in diesem Falle stimmt oder nicht. Sprichwörter sind also bestenfalls Teilwahrheiten,[36] auf die ein geistreicher Denker wie Lichtenberg positiv und negativ reagieren kann oder muß. Zwei Aphorismen deuten auf diese Dialektik der Sprichwörterweisheit hin, wobei gleichzeitig satirisch auf unterschiedliche Rezensionen und physiognomische Deutungsprobleme hingewiesen wird: "Daher kommts daß in allen ihren Rezensionen etwas Wahres ist, und [sie] doch immer gegen einander laufen wie ein paar Sprichwörter" (D456, S. 300) und "Die Sprüchwörter-Weisheit hat viel Ähnliches mit der physiognomischen, da lauft immer die Beobachtung des einen gegen die Beobachtung des andern" (F852, S. 581).[37] Metaphorischer ausgedrückt, und nun ganz spezifisch nur mit Bezug auf die in Sprichwörtern enthaltenen Lebensregeln, hat Lichtenberg dieses Problem mit dem treffenden Aphorismus "In den Regeln-Krieg, Sprüchwörter-Krieg" (E352, S. 422). Diese Erkenntnis schien Lichtenberg offensichtlich bedeutungsvoll genug, daß er den Text in der verkürzten Form von "Regeln-Krieg, Sprüchwörter-Krieg" (Materialheft I,Nr. 155, S. 582) wiederholte. Dieses Mißtrauen gegenüber der Sprichwörterweisheit verbindet Lichtenberg mit fast allen Aphoristikern, die wie er die Einseitigkeit und den Verabsolutierungsanspruch der altüberlieferten Sprichwörter kritisch unter die Lupe nehmen und satirisch in Frage stellen.

Solche genaue Prüfung von Sprichwörtern beginnt bereits mit etymologischen Fragen betreffs des seit dem frühen 17. Jahrhundert überlieferten Sprichwortes "Im Dunkeln ist gut munkeln". Zu Recht fragt sich der Sprachforscher Lichtenberg, was es mit dem Verb "munkeln" auf sich haben könnte und versucht folgende Etymologie: "Munken oder munkeln heißt eigentlich gerade oder ungerade spielen, daher das Sprich-Wort: im Dunkeln ist gut munkeln. Micare bei den Römern, daher sie auch von einem redlichen Manne sagten dignus quocum in tenebris micetur" (L656, S. 941). Das lateinische Verb bezieht sich in der Tat auf ein antikes Fingerspiel, wo der Gegner die plötzlich vorgezeigte gerade oder ungerade Fingerzahl erraten mußte. Nun kann man zwar dieses (un)gerade Spiel auf das im deutschen Sprichwort gemeinte "insgeheime Sprechen" beziehen, doch ist diese Erklärung zu forciert. Auch weist Rudolf Jung darauf hin, daß Lichtenberg "das Idioticon Osnabrugense bei seiner Vermutung nicht zu Rate gezogen zu haben [scheint], denn dort wird `munkeln' mit `insgeheim sprechen' und das Sprichwort mit `Im Finstern kann man machen, was man will' wiedergegeben".[38] Man sieht an diesem Beispiel wieder einmal, mit welchem sprachgeschichtlichen und semantischen Interesse sich Lichtenberg mit der sprichwörtlichen Volkssprache auseinandersetzte.

Ähnlich ging er auch als Naturwissenschaftler vor, wenn es sich darum handelt, den Wert eines Wettersprichworts zu ergründen. Im folgenden etwas längeren Aphorismus wird das Sprichwort zwar nicht präzise genannt, aber solche bekannten Wettersprichwörter bzw. -prognosen wie "Woher das erste Gewitter kommt, da kommen die anderen nach" und "Wenn es blitzt von Westen her, deutet's auf Gewitter schwer; kommt von Norden her der Blitz, deutet es auf große Hitz"[39] dürften den Hintergrund für Lichtenbergs Überlegungen bilden:

In wie weit ist die Erfahrung gegründet, die in mehreren Gegenden Deutschlands fast sprüchwörtlich angeführt wird, daß die Gewitter, die aus Osten kommen, gewöhnlich schwerer sind, als andere? In Göttingen habe ich nie eines erlebt, das gerade aus Osten gekommen wäre, aber einige aus Südosten, und die waren alle sehr schwer. In Darmstadt erinnere ich mich zweier die ebenfalls schwer waren, diese kamen gerade aus Osten. Bestätigt sich dieses ferner, was mag die Ursache sein? (K404, S. 475)

Hier spürt man Lichtenbergs meteorologisches Interesse, der auch die Schriften Benjamin Franklins zum Blitzableiter kannte. Als Naturwissenschaftler akzeptiert er die auf Erfahrung basierende Wetterweisheit des Sprichwortes, doch fragt er als Empiriker selbstverständlich, was die physikalische Ursache für die schweren aus dem Osten aufziehenden Gewitter sein könnte. Ein gewisser Zweifel an der Allgemeingültigkeit solcher Wetterprognosen scheint sich wenigstens anzudeuten.

Und doch lassen sich auch mehr oder weniger autobiographische Texte finden, wo Sprichwörter als absolut zutreffend angewendet werden, da sie dem gegebenen Rationalisierungsprozeß bestens unterstützen und den zuweilen unter Hypochondrie sowie Paranoia leidenden Lichtenberg über seine "schachen" Stunden bringen:

Lieber Conrad, sagte ich zu mir selbst, hättest du das wohl gedacht, indem ich eine Zähre abtrocknete, die von Selbstmitleid ausgepreßt über eignes Elend sich zu ergießen meine Wange herabrollte. Undank ist der Welt Lohn, hierbei merkte ich, daß die Wunde schon jückte. (C258, S. 208)

Ich verlange keine Schonung, werde auch jedem, der mich mit Unrecht angreift, ohne Schonung begegnen, er sei wer er wolle. Freiheit zu denken und für die Wahrheit zu schreiben und ungestraft, das ist ein Vorzug des Orts den Georg beherrscht und auf dem Münchhausens Segen ruht. Ein Tor ist ein Tor, darf man hier laut sagen, er liege an Ketten oder werde angebetet. (F716, S. 559)

Werden hier die Sprichwörter "Undank ist der Welt Lohn" und "Ein Tor ist ein Tor" unverändert auf die eigene Person bezogen, so akzeptiert Lichtenberg in einem dritten autobiographischen Aohorismus das bekannte Sprichwort "Schaden macht klug" in seiner negativen Umkehrung: "Benvenuto Cellini macht die vortreffliche Bemerkung: Schaden mache nicht klug, weil der neue sich immer unter einer verschiedenen Form ankündige. Dieses kenne ich recht aus eigner Erfahrung" (L103, S. 866).[40] In einem weiteren Text heißt es dann allerdings mit Bezug auf das sehr ähnliche Sprichwort "Durch Schaden wird man klug" verallgemeinernd: "Jedermann ist sehr bereitwillig, durch Schaden klug zu werden, wenn nur der erste Schade der dieses lehrt wieder ersetzt wäre" (J676, S. 751). Positive und negative Sprichwörterauslegung stehen sich gegenüber, und man sieht, wie auch ein scharfer Denker wie Lichtenberg sich im Netz der Sprichwörterweisheit verfängt, da diesen Erfahrungssätzen und Lebensregeln kein philosophisch-logisches System zugrundeliegt.

Interesant ist diesbezüglich auch, daß Lichtenberg fünfmal ganz einfach nur einen Sprichworttext ohne Kommentar zitiert, wohl weil ihm die darin ausgedrückte Weisheit zu eben diesem Zeitpunkt der Niederschrift besonders einleuchtete. Die Texte beziehen sich dabei selbstverständlich auf einen mitgedachten Kontext, der aber hier nicht wiedergegeben wird. Das zeigt vor allem auch der erste Beleg dieser fünf Sprichwörter, der mit der Erklärung "Das älteste Sprüchwort ist wohl" beginnt. Tatsächlich geht das Sprichwort bis in die klassische Antike zurück, und wahrscheinlich bezieht Lichtenberg seine Weisheit auf besonders oft beobachtete Übertreibungen verschiedenster Art:

Das älteste Sprüchwort ist wohl: allzu viel ist ungesund. (B248, S. 109)

Die Mutter sagts, der Vater glaubts und ein Narr leugnets. (C123, S. 178)[41]

In den Worten Vox populi vox Dei steckt mehr Weisheit, als man heut zu Tage in vier Worte zu stecken pflegt. (D10, S. 229)[42]

Ein Louisd'or in der Tasche ist besser als 10 auf dem Bücherschrank. (D509, S. 307)[43]

"Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen" (J499, S. 727)

Interessanter sind freilich die sechs folgenden Texte, worin Lichtenberg gängige Sprichwörter als bare Münze akzeptiert, weil sie so "gut" auf seine Mitmenschen passen, die dieser Gelehrte mit offensichtlicher Herablassung wenn nicht gar Verachtung betrachtet.

[...] Der Mensch als ein Tier betrachtet, dessen Triebe und Handlungen alle gegen einen Punkt gravitieren, der im abstraktesten Verstand perfice te heißt, aber angewandt bald durch die Sätze ausgedrückt wird: Tue dir etwas zugute, Was heute nicht kommt, kommt morgen, suche deine Bequemlichkeit usw. dieser Mensch verfällt in [der] Wissenschaft leicht auf das Tändelnde, Spielende, Süße, hauptsächlich in der Dichtkunst und rechnet sich diese Neigung die sonst Trägheit heißen würde für feines Gefühl des Naiven, des Zärtlichen und der namenlosen Grazie an. Haß gegen alle Wissenschaften die ernsthafter sind als Mädgen oder schwerer als die Frauenzimmer-Predigten sind ihm Greuel. O ihr verwöhnte Kinder [...]. (B185, S. 96-97)

[...] Wer den Ausdruck der Muskeln an dem Farnesischen Herkules bewundert, dem muß der Physiolog nicht verächtlich zurufen, im Albinus und Cowper steht das alles weit gnauer [sic]. Jedes nach seiner Art ist eine Regel die den Kritiker überall leiten soll. (F460, S. 523)

Die buntesten Vögel singen am schlechtesten, gilt auch von Menschen, und wo Prachtstil [ist] wie bei Zimmermann, da muß [man] nie tiefe Gedanken suchen. (F1225, S. 640)[44]

Irren ist auch in so fern menschlich, als die Tiere wenig oder gar nicht irren, wenigstens nur die klügsten unter ihnen. (G85, S. 149)

Die gemeinen Leute unter den Katholiken beten lieber einen Heiligen an, oder richten ihr Gebet an ihn, als an den lieben Gott, so wie sich die Bauern immer lieber an die Bedienten halten. Gleich und gleich gesellt sich gern. (J260, S. 691)

Mag Lichtenberg in diesen Texten auch dem zitierten Sprichwort im Prinzip zuzusprechen, so genügt ihm eigentlich in anderen Aphorismen das angegebene Sprichwort nicht, oder er bringt es nur, um es dann durch zusätzliche Gedanken zu erweitern. Oft handelt es sich dabei um eine Infragestellung der begrenzten Sprichwortweisheit, die auch gleichzeitig die Elemente der "Überraschung" und der "paradoxen Antithese" im Stil sowie das "Ausnahmedenken" bzw. das "Möglichkeitsdenken" Lichtenbergs zu erkennen geben.[45] Die Sprichwörter (wo nötig nach dem Aphorismus in Klammern zitiert) werden mehr oder weniger wortgetreu zitiert, doch erhalten sie durch diese ausgeklügelten Erweiterungen zum Teil neue Bedeutungen oder wenigstens erhebliche semantische Modifikationen:

Die großen Herrn mit ihren langen Armen, und ihre Kammerdiener mit ihren kurzen. Die großen Herrn mit ihren langen Armen haben ihm nicht so viel geschadet, als die Kammerdiener mit ihren kleinen. (E349, S. 422)

(Große Herren haben lange Arme.)

Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel heraus gucken. (F112, S. 477)

(Wenn ein Affe in den Spiegel sieht, kann kein Apostel herauskommen.)

Eine jede Sache hat ihre Werktags- und Sonntagsseite. (F677, S. 553)

(Jede Sache hat zwei Seiten.)

Es sind im glücklichen Arabien nur wenige Ströme die ins Meer fließen. (F699, S. 556)

(Alle Flüsse laufen [fließen] ins Meer.)

Auch Gelegenheit macht nicht Diebe allein, sie macht auch beliebte Leute, Menschenfreunde, Helden, von dem Einfall, den ein Witziger hat, gehört mehr als die Hälfte dem Dummkopf zu, den er traf. (F728, S. 560)

(Gelegenheit macht Diebe.)

Wir sind so eingerichtet, daß wir wohl selten gültige Richter dessen sein werden, was uns nützlich ist. In diesem Leben ist dieses der Fall, wer will uns gut dafür sein, daß es in Rücksicht auf künftiges Leben nicht eben so ist? Wen Gott lieb hat, den züchtigt er. Wie wenn es nun hieße, wen Gott lieb hat, den vernichtet er? (J725, S. 756)

Die Kinder und die Narren reden die Wahrheit, sagt man; ich wünsche, daß jeder gute Kopf, der Neigung zur Satyre bei sich verspürt, bedenken möchte, daß der beste Satyriker immer etwas von beiden enthält. (J746, S. 759)

A. Von der Luft kann man nicht leben.

B. ja, aber ohne Luft auch nicht, es ist gut wenn es [sic] einem einmal ein bißchen knapp wird. (J845, S. 770)

Wenn der Schlaf ein Stiefbruder des Todes ist, so ist der Tod ein Stiefbruder des Teufels. (J1093, S. 806)

(Der Schlaf ist ein Bruder des Todes.)

Wenn die Not die Mutter des Fleißes oder der Erfindung ist, so ist es eine Frage, wer der Vater ist, oder die Großmutter oder die Mutter der Not ist. (L500, S. 921)

(Not ist der Erfindung Mutter)

Diese letzte logische tour de force muß Lichtenberg beschäftigt haben, denn 24 Aphorismen später kommt er noch einmal auf dieses Sprichwort zurück,[46] wobei ihm eine großartige Formulierung betreffs der Bweisführung durch Sprichwörter gelingt: "Wenn die Not die Mutter der Erfindung ist so wäre wohl der Krieg der die Not erzeugt der Großvater der Erfindung. Ein Beweis durch Sprüchwörter könnte man presque geometrique nennen" (L524, S. 924). Tatsächlich lassen sich gewöhnlich viele Sprichwörter für eine Situation oder Idee finden, so daß man von einer geometrischen Progression sprechen könnte. Solche Kettenbeweisführungen durch Sprichwörter finden heute z.B. noch in afrikanischen Gerichtsverhandlungen statt, wo Kläger und Verteidiger sich ad infinitum mit Sprichwörtern bekämpfen.[47]

Bei diesen Sprichworterweiterungen geht es nicht immer nur ernst oder satirisch zu. Schon in einigen dieser Texte war etwas Ironie zu spüren, und das zeigt auch die folgende witzige und humorvolle Bearbeitung des bekannten aber apokryphen Lutherspruches:

Luther sagt bekanntlich:

Wer nicht liebt Wein, und Weiber und Gesang,

Der bleibt ein Narr sein Leben lang.

Doch muß man hierbei nicht vergessen hinzu[zu]setzen:

Doch ist, daß er ein Freund von Weibern, Sang und Krug ist,

Noch kein Beweis, daß er deswegen klug ist. (L556, S. 927)

Das so beliebte deutsche Sprichwort "Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang" erschien in seiner Verschriftlichung zum ersten Mal erst in einem anonymen Spruch (möglicherweise von dem jungen Johann Heinrich Voß) am 12. Mai 1775 in dem von Matthias Claudius herausgegebenen Wandsbecker Bothen. Und rund 23 Jahre später bringt Lichtenberg um 1798 bereits diese erste Parodie des bis zum heutigen Tage immer wieder abgewandelten Sprichwortes, das er wohl aus dem Bothen oder bereits aus dem Volksmund kannte. Wenigstens beginnt mit Lichtenberg eine regelrechte parodistische Präokkupation mit diesem Spruch, die sich von zahlreichen Gedichten über Aphorismen, Graffiti, Werbeslogans und Schlagzeilen bis hin zu T-shirt Sprüchen verfolgen läßt.[48] An diesem kurzen "Sprichwortgedicht" mit seiner Erweiterung eines epikureischen Sprichworts zeigt sich der Humorist Lichtenberg, über dessen Sinn für Humor (auch den erotisch-obszönen) noch manches zu erforschen wäre.

Von Interesse ist diesbezüglich auch, daß Lichtenberg offensichtlich die Gattung der sogenannten Sagwörter oder Wellerismen kannte. Ein Sagwort besteht gewöhnlich aus drei Teilen, und zwar aus (1) einem sprichwortartigen Ausspruch, (2) dem Mittelteil, in dem der Sprecher dieser Aussage genannt wird, und (3) dem Schlußteil, der die Situation des ersten Teils umschreibt. Bekannte volkstümliche Beispiele sind "`Aller Anfang ist schwer', sagte der Dieb, da stahl er einen Amboß" und "`Der Klügere gibt nach', sagte der Ochse, da zog er den Wagen an".[49] Solche Sagwörter beweisen, daß das Volk Sprichwörter keineswegs für sakrosankt hält, und daß es eine volkstümliche Tradition der Sprichwortparodie gibt, die sich durch gesunden Humor bis hin zum Galgenhumor oder schwarzen Humor auszeichnet. Lichtenberg hat solche Sagwörter, die besonders im norddeutschen Gebiet verbreitet sind, offensichtlich aufgegriffen, denn er zitiert eines der bekanntesten Sagwörter in zwei Varianten ohne Kommentar: "Wie gehts, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme" ((E385, S. 429) und "Wie geht es, fragte ein Blinder einen Lahmen; Wie Sie sehen, war die Antwort" (L29, S. 855).[50] Offenbar müssen Lichtenberg das paradoxe Sprachbild sowie der groteske Humor der Volksüberlieferung angesprochen haben. Er hat aber auch selbst ein Sagwort zusammengezimmert, dessen erster Teil aus einer verblüffenden Umkehrung des Sprichwortes "Viele Hunde sind des Hasen Tod" besteht: "Viel Hasen sind der Hunde Tod, sagt der Oberförster, dem man seinen Hund aus Versehen tod geschossen hatte weil der Schützen zu viele waren" (J1122, S. 810). Noch zweimal hat sich Lichtenberg an dieser Untergattung des Sprichwortes versucht, doch fehlt diesen Texten der volkssprachliche Humor: "Bayern, sagte der König, ist ein Paradies von Tieren (Bestien hätte er sagen sollen) bewohnt" (J65, S. 662) und "Ach was wollten wir anfangen, sagte das Mädchen, wenn der liebe Gott nicht wäre" (L254, S. 888). Hier werden keine Sprichwörter oder Redensarten mehr parodiert, sondern es handelt sich um satirische Gesellschaftskritik, einmal über politische Zustände in Bayern und zum anderen über die sexuellen Moralzustände der Zeit.[51]

Satirisch geht es auch in Lichtenbergs minimaler Ergänzung der zum Sprichwort gewordenen Mönchsregel des Mittelalters "Ora et labora' zu "Ora & non labora" (J919, S. 781) zu. Fragt man sich hier noch, auf wen oder was sich diese Arbeitsscheu wohl beziehen mag, so bietet ein triadisch aufgebauter Aphorismus zu diesem Sprichwort einige Jahre später eine deutliche Aufschlüsselung:

Man könnte die menschliche Gesellschaft in drei Klassen teilen, in die:

1. neque ora neque labora,

2. ora et non labora, und

3. ora et labora. (K256, S. 442-443)

In einer seiner Hogarth-Erklärungen hat Lichtenberg diese Dreigliederung seiner Mitmenschen erneut aufgegriffen. Hier spricht er von den "drei Ständen", nämlich "dem Ora et labora-Stande [...,] dem Ora et non labora und dem Neque ora neque labora".[52] Dieses "kleine" Sprachspiel mit einem lateinischen Sprichwort entpuppt sich somit als gar nicht so harmlose Satire auf die Gesellschaft schlechthin.

Als letztes Beispiel solcher Sprichworterweiterungen sei nun noch auf zwei Aphorismen hingewiesen, die sich um das beliebte Sprichwort "Kleider machen Leute" drehen. Einmal notiert sich Lichtenberg "Ich weiß zwar Worte machen Bücher, so wie Kleider Leute, aber dieses hindert nicht daß nicht ein guter Wuchs im Fries-Rock gefallen sollte" (C209, S. 199), und dann heißt es spät in seinem Leben 1798 noch einmal recht ähnlich aber in der Negation des Sprichwortes bedeutend deutlicher "Man sage was man wolle, wenn Kleider auch nicht Leute machen, so machen sie doch Sitten. Bände machen die Bücher nicht, aber man findet sich behaglich" (Miszellen-Heft, Nr. 3, S. 543). Auf der einen Seite wird das Sprichwort in Frage gestellt, und auf der anderen Seite wird gleichzeitig behauptet, daß lange oder gar mehrbändige Schriften nicht unbedingt geistige oder schriftstellerische Qualität bedeuten. Von Vielschreibern hält der Kurzprosaautor Lichtenberg offensichtlich nicht viel, was er in einem weiteren sprichwörtlichen Aphorismus mit der lateinischen Version des deutschen Sprichwortes "Aus nichts wird nichts" noch deutlicher und satirischer ausdrückt: "Es ist keine Kunst etwas kurz zu sagen, wenn man etwas zu sagen hat, wie Tacitus, allein wenn man nichts zu sagen hat und schreibt dennoch ein Buch und macht die Wahrheit mit ihrem ex nihilo nihil fit zur Lügnerin, das heiß ich Verdienst" (E222, S. 395). Zweifelsohne hätte Lichtenberg hier auch das Sprichwort "In der Kürze liegt die Würze" verwenden können, daß auf viele seiner Kurztexte genau paßt - interessanterweise hat er das jedoch nirgends in den Sudelbüchern getan.

Hier und da hat sich in diesen sprichwörtlichen Aphorismen bereits die Vorliebe Lichtenbergs für das Wort- und Sprachspiel gezeigt, was ihn wiederum mit den modern Aphoristikern verbindet. So stammt z.B. von dem Kölner Aphoristiker und Mediziner Gerhard Uhlenbruck die charakteristische Feststellung "Ein Aphoristiker dreht oft das Sprichwort im Munde herum",[53] und genau solche Sprichwortverdrehungen erlauben es Lichtenberg, effektive Gesellschaftssatire als aufklärerischer Moralist zu betreiben. Indem er die sprichwörtliche Fertigware entstellt (vgl. diesbezüglich auch die hier so passendende aphoristische Frage "Wie kann dieses 1000mal Gesagte wieder neu gesagt werden?" [Miszellen-Heft, Nr. 43, S. 546]), soll auch über altbewährte Sprichwörter und Redensarten, diese "Kleider vom Trödelmarkt" (J555, S. 735), kritisch nachgedacht werden:

Der herrschende Charakter in seinem Gesicht war: lieber gebrochen als gebogen, dieses zeigte sich auf mancherlei Art, die breite Stirn, welcher man ohne sie zu berühren die Härte ansah, etwas überhängende Augenbraunen [sic], welche die zärteren Ausdrücke in jener Gegend nicht durchließen, und überhaupt alle kleinen Veränderungen verdeckten [...]. (B158, S. 88-89)

(Lieber biegen als brechen.)

Non vitae sed scholae discimus ein herrlicher Spruch des Seneca, der auf unsere Zeiten paßt. (F671, S. 552)

(Non scholae, sed vitae discimus.)

Ein Partridge oder schlechter Minister: Hoffen und Harren macht manchen zum Pfarren. (F1096, S. 616)

(Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.)

Wovon das Herz nicht voll ist, davon geht der Mund über, habe ich öfters wahr gefunden, als den entgegengesetzten Satz. (G51, S. 143)

(Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.)[54]

Die Steckenpferde sind schlechte Kutschpferde. Steckenpferde dienen nicht zum Pflügen. (J309, S. 700)

(Steckenpferde sind theurer als Reitpferde.)

Neue Bäder heilen gut. (J751, S. 760)

(Neue Besen kehren gut.)

Oft genügen nur die Hinzufügung oder der Austausch eines Wortes, die Verdrehung zweier Satzteile oder die Negierung eines bekannten Sprichwortes, um dieses in ein völlig anderes Licht zu stellen. Solche bewußten und satirischen Sprachspiele könnte man vielleicht als moralische Aufklärungsarbeit amsehen, in etwa wie es Lichtenberg selbst in einem aufschlußreichen Aphorismus ausgedrückt hat: "Man spricht viel von Aufklärung, und wünscht mehr Licht. Mein Gott was hilft aber alles Licht, wenn die Leute entweder keine Augen haben, oder die, die sie haben, vorsätzlich verschließen?" (L472, S. 918). Hier sollen Zeitgenossen aufgeweckt werden, indem allzu leicht akzeptierte Sprichwörter verfremdet werden. Was Reinhard Trachsler ganz allgemein für Lichtenbergs Aphorismen festgestellt hat, das gilt speziell auch für diese Infragestellung tradierter Sprichwortweisheit: "Es ist ein faszinierendes Spiel mit Möglichkeiten, ein Experimentieren mit Zusammenhängen, ein Aufhellen gerade noch sichtbarer Strukturen, kurz - ein geistiges Vergnügen ohnegleichen".[55]

Bei den nun folgenden Beispielen von sprichwörtlichen Aphorismen handelt es sich tatsächlich nur um "gerade noch sichtbare Strukturen", denn hier hat Lichtenberg als Schriftsteller das vorgeprägte Sprichwort und dessen Struktur durchbrochen und spielt nur noch versteckt auf die formelhafte Volksweisheit an. Mit Recht hat Gertrud Fischer davon gesprochen, daß auf der Lichtenbergischen "Probebühne des Geistes Gedankenspiele von zum Teil seltsam-verrückter Art inszeniert [werden],[56] und das macht sich auch bei den auf Sprichwortanspielungen aufgebauten Aphorismen bemerkbar. So dürfte das Bibelsprichwort "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach" (Matth. 26,41) bei den beiden folgenden Aphorismen Pate gestanden haben: "Der Pöbel ruiniert sich durch das Fleisch das wider den Geist, und der Gelehrte durch den Geist dem zu sehr wider den Leib gelüstet" (B21, S. 53), und "Die Mädchen hören euch vielleicht gerne zu, wenn ihr auf euren Lauten eure Phantasien vorklimpert, wenn es ihnen aber zu tun ist zwischen Geist und Fleisch Friede zu stiften, so werdet ihr nie zum Kongreß gelassen" (C51, S. 163). Von Interesse ist aber auch ein weiterer Eintrag in die Sudelbücher, der den präzisen Beleg eines Sprichwortes in der Bibel mit einem kurzen Kommentar enthält, ohne das Sprichwort selbst zu nennen: "Nachzusehen Sprüchwörter Salomonis VI.v.6-8. Es ist eine demokratische Stelle" (J1032, S. 798). Schaut man dann in der Bibel nach, so enthält der sechste Vers des sechsten Kapitels Sprüche die Sprichwörterweisheit "Gehe hin zur Ameise, du Fauler; siehe ihre Weise an und lerne!" Erst die Verse 7-8 enthalten die demokratische Aussage, worauf Lichtenberg hinweist: "Ob sie [die Ameise] wohl keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat, bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte". Diese Art von Anspielung auf ein Sprichwort hat natürlich nur Sinn, wenn man damit rechnen kann, daß Leser mehr oder weniger bibelfest sind.

Es wird Lesern aber auch die folgende Anspielung auf ein lateinisches Sprichwort entgehen, wenn sie nicht "klassikerfest" sind: "Das umgekehrte parturiunt montes gefällt den Menschen sehr und der Schriftsteller muß es zu beobachten suchen" (F186, S. 488). Das klassische Sprichwort lautet "Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus", das in deutscher Lehnübersetzung als "Die Berge kreißen, um ein Mäuslein zu gebären" geläufig geworden ist.[57] Es sind laut Lichtenberg also die kreißenden "Mäuslein" oder eben "die größten Kleinigkeiten" (K308, S. 454), wofür die Menschen sich interessieren, und solche Alltagsprobleme sollten auch von den Schriftstellern beachtet werden. Mit der Schriftstellerei hat auch der folgende kurze Aphorismus zu tun: "Die Frauen sind in Persien von der Poesie ausgeschlossen. Sie sagen, wenn die Henne krähen will, so muß man ihr die Kehle abschneiden" (F379, S. 513). Dabei überrascht nur, daß er von persischen und nicht deutschen Frauen spricht, die ja auch nicht gerade als Schriftstellerinnen gefragt waren. Auch ist das verkürzte Sprichwort gar nicht unbedingt persisch, denn es kursiert bis heute in deutscher Sprache in Varianten wie "Wenn die Henne kräht, ist sie des Schlachtens wert" oder "Mädchen die pfeifen und Hühnern die Krähen, den soll man beiden die Hälse verdrehen (den Hals umdrehen)".[58] Lichtenberg zitiert hier eines der frauenfeindlichsten Sprichwörter überhaupt und kann eine gewisse Misogynie wohl kaum dahinter verstecken, daß er das Sprichwort auf Persien bezieht, wo er doch um die deutschen Zustände der Dichterinnen nur zu gut Bescheid wissen sollte. Bezüglich dieses Textes wird man wohl kaum mit Paul Requadt übereinstimmen können, für den Lichtenberg ein "empfindsamer Moralist des Alltags"[59] ist. Doch sei am Rande bemerkt, daß der immer widersprüchliche Lichtenberg sich in anderen Aphorismen wie ein moderner emanzipierter Mann liest: so wird aus dem "Vater unser" kurzerhand ein dreimal wiederholtes "Mutter unser die du bist im Himmel" (J12, S. 652; vgl. auch J51, S. 660 und L220, S. 884).

Zwei weitere sprichwörtliche Aphorismen lassen eine Anspielung auf das Sprichwort "Der Hoffart sitzt der Bettel auf der Schleppe" vermuten, wobei es sich um zwei Versuche über dieselbe Idee handelt, die nur durch einen Text unterbrochen sind: "Stolz, halb zurückgebogen wie die Eitelkeit, wenn sie sieht ob ihr die Schleppe nachkommt" (D545, S. 313) und "Stolz, mit hoher Brust und halb umgedrehtem Haupt, schritte [sic] sie daher, wie die Eitelkeit, wenn sie sieht ob ihr die Schleppe nachkommt" (D547, S. 313).[60] Und schließlich sei auch noch der kurze Aphorismus "Er verstund alle die Ausdrücke der Deklination und Inklination des Hutes" (B294, S. 123) erwähnt, der eine humorvolle oder besser ironische Anspielung auf das Sprichwort "Mit dem Hute in der Hand kommt man durchs ganze Land" enthält. Wunderbar wie hier das Senken und Heben des Hutes durch wissenschaftliche Wörter dargestellt wird, die die Unterwürfigkeit des Hutschwenkers bestens versinnbildlichen. All dies erinnert ungemein an die letzten Zeilen des modernen Gedichts Lob den Tag vor dem Abend! (1976), worin Josef Reding eine ganze Reihe von beliebten Sprichwörtern in Frage stellt:

Mit dem Hute in der Hand

hast du nichts auf dem

Kopf. Mit dem

Sprichwort im Kopf

kommst du

nicht weit![61]

Doch Lichtenberg ist bekanntlich recht weit herumgekommen, und seine Reisen nach England sowie sein großes Interesse an der englischen Sprache haben sich in zahlreichen Aphorismen niedergeschlagen. Bei einigen davon handelt es sich um phraseologische Beobachtungen, die deutlich machen, daß Lichtenberg komparatistische Studien zu Sprichwörtern und Redensarten anstellte. Das überzeugendste redensartliche Beispiel dafür ist der folgende kurz Paragraph:

Der Teufel ist wohl heutzutage, in unseren aufgeklärten Zeiten, ein recht armer Teufel. Woher mag überhaupt die Redensart: armer Teufel kommen? Sie findet sich auch in anderen Sprachen: poor devil, pauvre diable. (H60, S. 186)[62]

Hier wird deutlich, wie Lichtenberg selbst einer Frage nach der Herkunft einer Redensart eine gewisse Ironie abgewinnen kann, indem er sie auf sein angeblich aufgeklärtes Zeitalter bezieht. Doch drei weitere Kurztexte zu englischen Redensarten sind dagegen eher im lexikographischen Stil verfaßt, gewisse Vorarbeiten vielleicht zu einem zweisprachigen phraseologischen Wörterbuch:

Wise ist ein Schimpfwort im Englischen, he is a wise one heißt so viel als er ist ein einfältiger Pinsel. (E183, S. 386)

To send a man to Coventry sagen die Engländer von einem Menschen mit welchem sich eine Gesellschaft zur Strafe nicht zu sprechen vereint hat. (F39, S. 466)

Wo wir sagen: Er hat das Pulver nicht erfunden, sagen die Engländer the longitude. (L307, S. 897)

Auch auf zwei englische Sprichwörter hat Lichtenberg auf ähnliche Weise hingewiesen, doch muß es eigentlich überraschen, daß er nicht mehr davon in seinen Sudelbüchern registriert hat. Es wäre allerdings denkbar, daß es in seinen Reisetagebüchern, Briefen und Hogarth-Schriften reichliches Sprichwortmaterial gibt. Hier liegt noch ein weites Feld offen für Lichtenberg- und Sprichwortforscher. Als Beispiel sei hier wenigstens folgender Text aus den Reise-Anmerkungen des Jahres 1775 zitiert: "Die Engländer haben das Sprüchwort drought (wird fast wie draugth ausgesprochen) never brings death" (Text Nr. 25, S. 651). Freilich ist dem Sprachforscher (oder den verschiedenen Herausgebern) hier ein winziger und doch erheblicher Fehler unterlaufen. Es fehlt in dem Wort "death" nämlich ein "r", denn das Sprichwort heißt richtig "Drought never brought (brings, bred) dearth (of corn, grain) in England",[63] d.h. es handelt sich hier um ein seit 1533 belegtes Wetter- und Landwirtschaftssprichwort, das mit einem gewissen Nationalstolz behauptet, daß eine Trockenheitsperiode in England nie zum (Getreide)Mangel führen wird.

Ein Problem bereitet allerdings auch die leider nur deutsche Übersetzung eines englischen Sprichworts in den Sudelbüchern: "Es gibt ein Sprüchwort im Englischen, das heißt: er ist zu dumm um ein Narr zu werden. Es steckt sehr viel feine Bemerkung hierin" (KA231, S. 77). Bisher konnte das englische Sprichwort in keiner der vielen Sammlungen aufgefunden werden. Wichtig aber ist, daß Lichtenberg hier erneut der Sprichwortweisheit zustimmt, und das ist auch der Fall in diesem letzten Beispiel, wo der Anglophil Lichtenberg eine Anekdote zum Teil auf Englisch wiedergibt, die sich um das sehr bekannte Sprichwort "Charity begins at home" (d.h., Das Hemd ist mir näher als der Rock) dreht:

Vom Herzog von Bedford sagt Junius. T.I.196. His charity has improved upon the proverb (charity begins at home) and ended where it began. Sir William Draper wollte nämlich gegen Junius den Herzog von einem Vorwurf des Geizes retten und sagte der Herzog habe seinem Sohn, dem Marquis von Tavistock 8000 Pfund des Jahrs ausgesetzt, und nach dessen Tode der liebenswürdigen Witwe noch mehr. Und hierauf antwortete Junius das oben Angeführte. (D669, S. 342)

Was mag der Grund zur Aufnahme dieses Textes gewesen sein? Einmal sicherlich der satirische Ton und die Bloßstellung eines Geizhammels, sicherlich aber auch die Faszination mit dem englischen Sprichwort, dessen Metaphorik so völlig anders ist von seinem deutschen Äquivalent. Der Weisheit des Sprichwortes in diesem Kontext zuzustimmen, war natürlich ein Leichtes für den Liebhaber der englischen Sprache und den Moralisten des Alltags. Bei der Verwendung englischer Redensarten und Sprichwörter will Lichtenberg vor allem Sprach- und Kulturvermittler sein, und so werden die Texte meistens kaum kontextualisiert sondern nur als interessante Metaphern zitiert. Das allerdings ist bei deutschen Ausdrücken oft eine ganz andere Sache, denn hier handelt es sich um vorgeprägtes Sprachgut, daß unter die scharfe Lupe genommen wird. Das Resultat der geistreichen, satirischen, witzigen und zuweilen auch humorvollen Prüfung ist ein ambivalentes Verhältnis zur Sprichwörterweisheit, das ganz dem widersprüchlichen Geiste Lichtenbergs und der gegensätzlichen Sprichwörter entspricht. Selbst in seiner Streitschrift Über Physiognomik (1778) steht erneut der fast schon leitmotivische Satz "Die Sprüchwörter leben in ewigem Krieg, wie alle Regeln, die nicht der Untersuchungsgeist, sondern die Laune gibt".[64] In dieser Dialektik und Antithetik treffen sich Georg Christoph Lichtenberg und die Erfahrungswelt der Sprichwörter und ergeben zusammen einige der geistreichsten sprichwörtlichen Aphorismen der deutschen Sprache.

Wolfgang Mieder
Department of German and Russian
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