FRANK DETJE
ÜBER DIE KUNST, METAPHERN ZU MISCHEN
Teil III: Einige Vorschläge für weitere
Untersuchungen
1. Einleitung
Ich werde mich in den folgenden Ausführungen
hauptsächlich auf das famose Werk von Dundes &
Stibbe "The Art of Mixing Metaphors" aus dem Jahre 1981 beziehen, darauf soll bereits der Titel hinweisen. Dundes
& Stibbe besprechen in ihrer Arbeit 115
Szenen aus dem Gemälde von Pieter Bruegel dem
Älteren ("Die holländischen Sprichwörter",
1559), nennen aber wesentlich mehr Sprichwörter und
sprichwörtliche Redensarten. Sie reanalysieren
frühere Arbeiten, die Deutungsversuche und
Interpretationsvorschläge für die von Bruegel
bildlich dargestellten Redewendungen enthalten, und sie
fügen neue Identifikationen ein, zu bisher nicht
erklärten Ausschnitten des Gemäldes. Die 115
Szenen werden durch eine Redewendung oder ein Sprichwort
gedeutet, fortlaufend numeriert und jeder Szene (Deutung)
ist ein Kurzaufsatz gewidmet, der Ursprung, Bedeutung,
Verwendung und alternative Vorschläge der gefundenen
Redewendungen erläutert. Auch auf Unklarheiten und
Querbezüge der Deutungen gehen sie ein. Sie nennen
ebenfalls noch nicht interpretierte Aspekte des Bildes, die
einer Deutung harrten oder noch immer harren.
Im nächsten Abschnitt werde ich die Probleme der
Identifikationen, die in der Literatur genannt werden, noch
einmal zusammenfassen und gegebenenfalls die
Lösungsvorschläge nennen, die bisher bekannt sind.
Außer für Dundes & Stibbe (1981)
stehen sie ansonsten bei den Interpretationen in Teil
2 dieses Aufsatzes. An dieser Stelle werden nicht alle
Unstimmigkeiten der verschiedenen Interpretationen
verschiedener Autoren genannt (diese ersieht man zum Teil
bereits in der Darstellung der bei Dundes & Stibbe
genannten Deutungen, vollständig aber in der Liste
aller genannten Sprichwörter und Redensarten in Appendix Teil
3), sondern ich werde nur auf die explizit formulierten
Probleme eingehen. Die Numerierung der Szenen folgt dabei,
wenn nicht anders angegeben, denen von Dundes & Stibbe,
da ich mich hauptsächlich auf ihre Arbeit beziehe.
Anschließend werde ich dann versuchen, Aspekte des
Gemäldes zu besprechen, die in der Literatur bisher
noch keine ausreichende oder gar keine Erwähnung
fanden. Hierzu gehören mögliche weitere
Indikatoren und Bildausschnitte, die - wenn man annimmt,
daß Bruegel nichts zufällig in sein Bild hinein
gemalt hat, wovon wir ausgehen dürfen - auf
Sprichwörter oder sprichwörtliche Redewendungen
verweisen können. Es werden im letzten Abschnitt
explizit auch Sprichwörter und sprichwörtliche
Redewendungen genannt, von denen ich meine, daß
Bruegel sie bildhaft dargestellt haben könnte, die aber
noch an keiner Stelle aufgeführt wurden.
2. Zusammenfassung der Probleme,
die in der Literatur angesprochen wurden
Zu
Nr.1 "Dort sind die Dächer mit Torten (Fladen)
bedeckt": Dundes & Stibbe fragen sich, ob es im Wald in
der oberen linken Bildecke eine Eule gibt, wie sie in
einigen Kopien durch den jüngeren Pieter Brueghel
auftreten. Dies ist definitiv nicht der Fall.
Zu
Nr. 2 "Dort schaut der Besen raus": Dundes & Stibbe
meinen, diese und ähnliche Redewendungen (z.B. "Unterm
Besen getraut"), erklären die Anwesenheit des
küssenden Paares nicht vollständig. Es könne
also sein, daß Bruegel hier zwei Sprichwörter
oder Redewendungen dargestellt habe. Die zweite Anspielung
(vielleicht "Freien unter einem Dach ist eine Schande, doch
gemach", z.B. Grosshans 2(b)) gehe auf das Paar ein,
dafür dann aber nicht auf den Besen.
Zu
Nr. 4 "Der Narr bekommt die Karte": Fraenger (1923)
macht darauf aufmerksam, daß sich in der Nähe
seines Sprichwortes Nr. 6 ("Der Narr bekommt die Karte")
zwei Holzpantoffeln befinden. Das Paar Holzschuhe am
Fenstersims ist auch für Seidel & Marijnissen
(1969)
bei Sprichwort 47 ("Er sieht durch die Finger")
ungeklärt. Es handelt sich um die bildliche
Darstellung von "Auf Holzschuhen stehen", das bedeutet,
vergeblich warten. Dundes & Stibbe sind sich allerdings
nicht sicher, ob dies die richtige Identifikation sei.
Desweiteren bemerkt Fraenger (1923)
ein auffällig angebrachtes Messer. Auch Seidel &
Marijnissen (1969)
fragen zur selben Szene: Was bedeutet der herabhängende
Dolch? Es handelt sich um die bildliche Darstellung von "Da
hängt das Messer" als altes Zeichen für eine
Herausforderung.
Zu
Nr. 5. "Einen Pfeil nach dem anderen verschießen":
Dundes & Stibbe meinen, daß noch unklar ist,
warum die Pfeile auf oder über das Dach geschossen
werden.
Zu
Nr. 6 "Die Schweine laufen frei im Weizen (Feld)": Es
fällt Dundes & Stibbe auf, daß es bisher
keinen Deutungsversuch gibt, der näher erklärt,
warum ein Mann die Schweine ins Korn jagt. Vielleicht treibt
er sie auch gar nicht, sondern läuft nur in dieselbe
Richtung.
Zu
Nr. 7 "Er rennt als ob sein Arsch (Hosen oder Rückseite
oder Körper) in Feuer stünde": Dundes &
Stibbe merken an, daß noch keiner bisher das im
Hintergrund befindliche Haus erklärt hat. Lediglich in
Bildern des Jüngeren Pieter Brueghel gibt es
Identifikationen. Diese beziehen sich aber auf
Änderungen, die er gegenüber dem Original
vorgenommen hat. Dort sah man einen Spielmann auf dem Dach
sitzen und einen angebrachten hölzernen Löffel.
Beide Szenen konnten gedeutet werden (s. Dundes & Stibbe
7c, 7d). Zudem kann man verschiedene Objekte zu beiden
Seiten des oberen Fensters desselben Hauses ausmachen.
Zu
Nr. 8 "Er spielt auf dem Pranger": Bolte (1915)
fragte, ob das Türmchen zu seinem Sprichwort Nr. 50
("De speelman is op het dak", "Der Spielmann ist auf dem
Dach") ein Narrenhäuschen sein kann. Fraenger
(1923,
Nr.62) macht schon deutlich, daß das Türmchen als
Pranger oder als sogenannter Stock interpretiert werden
muß.
Zu
Nr. 11 "Sie guckt dem Storch nach": Fraenger (1923)
findet den Vorschlag Boltes für das Sprichwort 73
("Glücklich, wem der Storch zufliegt") nicht
befriedigend, der Sinn der Szene ist damit noch nicht
geklärt, denn der Vogel fliegt davon (vgl. auch
Bruegel Buch, 1937,
Nr. 73). Auch die Erklärung zu der Harlemer Kopie, in
der es heißt "De vogel ist geflogen", ist Fraenger zu
"farblos". De Tolnay meint, es müsse heißen "Sie
guckt dem Storch nach". Da es sowohl einen Vogel als auch
eine Frau gibt, meint Glück (Nr. 73a), es könnten
zwei Sprichwörter oder Redensarten dargestellt sein
(zusätzlich "An den Federn erkennt man den Vogel"),
doch Grauls (Nr. 75.1) bezweifelt die Richtigkeit des
zweiten Vorschlags.
Zu
Nr. 14 "Den Block schleppen": Bolte (1915)
läßt das Sprichwort 64 ungedeutet und beschreibt
die Szene wie folgt: "Ein Mann schleppt an einem Seil einen
Schemel nach". Auch Fraenger (1923)
verweist darauf, daß der Nachbar zum Sprichwort 88
("Roßäpfel sind keine Feigen."), der einen
Hackklotz am Seil hinter sich herzieht, noch ungeklärt
ist. Auf der Harlemer Kopie ist es ein Baumklotz, der
gezogen wird. Jan Grauls (1934/35, 1935/36a, 1957) gibt
den entscheidenden Hinweis, den auch de Tolnay (1935)
heranzieht: es handelt sich hierbei um den
"bloksleeper".
Zu
Nr. 15 "Angst und Schrecken machen die Alten laufen": Die
Richtigkeit des Vorschlags Boltes für das Sprichwort 89
("Siehst du den Wolf, so such nicht mehr nach seinen
Fußstapfen") bezweifelt Wilhelm Fraenger (1923).
Aber auch Dundes & Stibbe bemängeln, und sie
beziehen die Kritik auch auf ihren eigenen Vorschlag "Angst
und Schrecken machen die Alten laufen", daß keine
bisherige Deutung erklärt, warum gerade drei Hunde die
Frau jagen. Dem Vorschlag "Die Alte mit den drei Hunden"
(Roh Nr. 89, Mieder Nr. 89) fehlt eine Erklärung der
Bedeutung. Dundes & Stibbe betonen, daß diese
Szene ein noch zu lösendes Puzzle darstellt.
Zu
Nr. 16 "Wenn der Blinde den Blinden führt, fallen sie
beide in die Grube": Dundes & Stibbe meinen, daß
vielleicht nur der erste Teil des Sprichwortes dargestellt
ist, denn es fehlt ein Brunnen oder eine Grube.
Außerdem werden drei statt zwei Menschen dargestellt.
Pastor meint hier auch das Sprichwort "Hinterm Berge wohnen
auch noch Leute" (Nr. 87b), doch es fehlt hier m.E. an
Indizien, vor allem an Bergen.
Zu
Nr. 20 "Er sieht die Bären tanzen": Seidel &
Marijnissen (1969)
geben zu dem Sprichwort 79 keine Interpretation, sondern sie
beschreiben nur die Szene (Der Mann und die Bären). Die
Redensart oder das Sprichwort, das in dieser
Bären-Szene dargestellt ist, konnte von ihnen
nicht eindeutig identifiziert werden. Zu dieser
Bären-Szene erläutern sie: "Manche meinen, die
Bären (?) erinnerten an einen Nichtstuer, der mit
Schulden überhäuft ist; andere sind der Ansicht,
die Tiere sollten ein musterhaftes Verhalten zwischen
Männchen und Weibchen im Tierreich darstellen - ein
Verhalten, das sich Eheleute im Alltagsleben zum Vorbild
nehmen könnten. Eine einleuchtende Beziehung zwischen
diesen Bären und dem Hirten (?) auf der anderen Seite
der Hecke ist noch nicht hergestellt". Auch für Rainald
Grosshans (1973) ist
die Intepretation der Bären-Szene noch unklar. Die
Sprichwörter 104a ("Er sieht die Bären tanzen")
und 104b ("Wilde Bären sind gern beieinander") sind
folglich nur als Vorschläge zu betrachten. Wolfgang
Mieder (1979)
fügt dem Sprichwort 81 ("Wilde Bärn sind
beieinander so gern") ein Fragezeichen hinzu. Auch Grauls
(1957),
der das Sprichwort 61. "Wilde beeren, Die zijn by den ander
gheeren" entdeckt hat (Grauls, 1957b),
meint, daß man bisher das passende Sprichwort, das
diesem Bild zugrunde liegt, noch nicht gefunden habe und
bietet als Alternativen an: 61(a). "De beer leiden" und
61(b) "De beer is los". Er meint allerdings, daß
folgendes nicht stimmen mag (vgl. Grauls, 1957,
Nr. 61(c)): Glück-Borms "Er sieht die Bären tanzen
(Hijn ziet de beren dansen)" (Nr. 81). Abgesehen davon,
daß man für die Darstellung der meisten
Vorschläge nur einen Bären bräuchte, aber
zwei Bären dargestellt sind.
Zu
Nr. 21 "Er ist hier, um Gänse zu hüten": Fraenger
(1923)
findet den Vorschlag von Bolte für das Sprichwort
87 ("Bin ich zum Gänsehüten nicht berufen, so
laß ich Gänse Gänse sein") "freilich nicht
so überzeugend". Auch Grauls (1957)
meint zur Szene 60 "Wie weet waer omme de ganzen bervoets
gaen", daß sie einige Möglichkeiten biete und
nennt z.B. 60(a) "Hierom ende daerom gaen de ghanssen
baervoets" und 60(b) "Ben ick niet geroepen om ganzen te
hoeden, laet het ganzekens wezen".
Zu
Nr. 24 "Die Krähen müssen auf's Aas warten":
Dundes & Stibbe weisen darauf hin, daß noch zwei
weitere schwarze Vögel auf dem Galgen auszumachen sind,
wenn auch nur schwer. Die Deutung bezieht sich deshalb wohl
auf die Gruppe Vögel neben dem Galgen. Zusätzlich
möchte ich anmerken, daß die Vögel fast
immer als Krähen angesehen werden. Es stellt sich aber
die Frage, ob Bruegel hier tatsächlich Krähen
malte. Die Vögel sind zwar nur schwer zu erkennen, aber
von anderen Gemälden wissen wir, daß Bruegel
gerne Elstern mit dem Galgen zusammen malte (siehe "Der
lustige Weg zum Galgen", 1568). Damit ergeben sich neue
Interpretationsspielräume. Van Mander hat z.B. die
Elster auf dem Galgen als Symbol für Klatschbasen
beschrieben, was Glück (1963,
S.90) aber zu "verkünstelt" ist.
Zu
Nr. 28 "Der Narr bekommt die Karte": Fraenger (1923)
bemerkt, daß der Narr, der die Karte bekommt
(Sprichwort 6), ein Ei auf der Spitze der Kappe hat. Diese
Bemerkung wurde später noch einmal von Kass &
Lukáscy (1985)
aufgegriffen. Sie wissen es zwar nicht als Sprichwort oder
Redensart zu deuten, geben aber den Hinweis, daß das
Ei ein Symbol der göttlichen Vollkommenheit gewesen sei
(Sprichwort 61). Dieses Detail blieb ansonsten unbeachtet.
Es scheint aber auch bereits schwer zu sein, dem Ei,
verstanden als Symbol, eine eindeutige Bedeutung zuzuweisen.
So finden wir bei Stridbeck (1956)
alleine drei verschiedene Erklärungen. 1) bei der
Beschreibung der Ira aus den Todsünden: "Ein
anderer Zweig wird von einem Vogelbauer bekrönt, in
welchem ein Ei liegt, ein Gegenstand, der in symbolischen
Zusammenhängen immer einen herabsetzenden Sinngehalt
hat" (S.105); 2) bei der Luxuria:
"Durch seinen Gebrauch als Aphrodisiakum war das Ei ein
Symbol für Unkeuschheit und Leidenschaft" (S.110f); 3)
bei der Gula:
"Der eine Sünder balanziert ein Ei auf dem Kopf, das
als eine besondere Leckerei betrachtet wurde und daher das
Zeichen der Feinschmecker war" (S.115).
Zu Nr. 28 "Der Narr bekommt die Karte": Seidel &
Marijnissen (1969)
fragen sich, welche Bedeutung der umgehängten
Jagdtasche bei Sprichwort 43 ("Die Narren kriegen die
(besten) Karten") zukommt. Die Frage konnte bis heute nicht
beantwortet werden.
Zu
Nr. 28 "Der Narr bekommt die Karte": Dundes & Stibbe
meinen außerdem zu dieser Szene, daß den
speziellen Karten eventuell auch eine Bedeutung zukommt,
worauf aber noch niemand hingewiesen habe.
Zu
Nr. 30 "Die Würfel sind gefallen": Glück
(1932ff)
fügt bei seiner Nummer 6b für die
holländische Übersetzung noch ein "?" hinzu. Heute
scheint man sich aber über diese Deutung einig zu
sein.
Zu
Nr. 32 "Knip oog": Bei der Interpretation des Auges in der
Schere als "Aug um Aug" bzw. Auge um Auge" fügen
folgende Autoren ein Fragezeichen hinzu: Das Bruegel Buch
(1941,
Sprichwort 8), Roh (1960, Sprichwort 8), Mieder (1979,
Sprichwort 8).
Zu
Nr. 35 "Sein Dach hat ein Loch": Kass & Lukáscy
(1985)
wissen die Szene mit dem lecken Dach nicht zu interpretieren
(Sprichwort 48), geben aber den Hinweis auf einen Vers: "Ein
leckes Dach und ein qualmender Kamin ist Unglück im
Haus, ja Qual und Verdruß". Dies ist
einigermaßen verwunderlich, wird diese Szene doch
schon lange z.B. entweder als "Sein Dach hat ein Loch"
(Glück, 1932ff,
Sprichwort 11a; Bruegel Buch, 1941,
Sprichwort 11a; Roh, 1960, Sprichwort 11a; Grosshans, 1973,
Sprichwort 17; Mieder, 1979,
Sprichwort 11a.) oder als "Ein altes Dach bedarf viel
Ausbesserns" (Glück, 1932ff,
Sprichwort 11b; Bruegel Buch, 1941,
Sprichwort 11b; Grosshans, 1973,
Sprichwort 18) gedeutet.
Zu
Nr. 38 "Er pißt gegen den Mond": Seidel &
Marijnissen (1969)
bemerken, daß der Mann von ihrem Sprichwort 51B ("Er
hat gegen den Mond gepißt") um Wangen und Ohren eine
Binde geschlungen hat, als habe er Zahnschmerzen. Sie
meinen, es könnte vielleicht bedeuten: Er lacht
gequält. Grosshans (1973)
interpretiert es als "Ein Mann mit einer Zahnbinde"
(Sprichwort 15) und fügt hinzu, daß es vielleicht
auch "Er hat's faustdick hinter den Ohren" bedeuten
könne.
Zu
Nr. 40 "Ungleiche Schüsseln machen schielende Augen":
Es muß hinzugefügt werden, daß es unklar
ist, ob der Barbier tatsächlich schielt. "It is not
clear at all whether the eyes of the barber beneath the
saucers or platters are crossed. It does appear, however, as
though he is not looking directly at the fool he is shaving"
(Dundes & Stibbe, 1981,
S.33). Man vergleiche die Darstellung dieser Szene mit einer
aus der Superbia (Hoffahrt) der Todsünden. Auch dort hat Bruegel einen
Barbier bei geöffneter Tür in voller
Beschäftigung gemalt; er seift gerade einen Kunden ein.
Diese Szene ist als Illustration menschlicher Eitelkeit
interpretiert worden (Stridbeck, 1956,
S.82).
Zu
Nr. 43 "Es wächst zum Fenster heraus": Seidel &
Marijnissen (1969)
fragen sich zu ihrem Sprichwort 52B ("Zwei Narren im Haus,
das ist zuviel") noch: Was bedeutet der aus dem Dachfenster
herausragende Zweig? Es wird gedeutet als "Es wächst
zum Fenster heraus" in der Bedeutung, daß etwas nicht
geheim bleiben kann.
Zu
Nr. 48 "Jemandem die Tür weisen": Dundes &
Stibbe meinen, daß es sehr schwer auszumachen
sei, wohin der Finger genau zeige, der aus dem Loch aus dem
Vorbau herausschaut.
Zu
Nr. 55 "Er kann nicht leiden, daß die Sonne ins Wasser
scheint": Fraenger (1923)
macht darauf aufmerksam, daß es in der Nähe von
seinem Sprichwort 69 ("Ihn neidet, daß die Sonne ins
Wasser scheint") noch einen ungeklärten auf dem Wasser
schwimmenden Hut gibt, weiß es aber nicht zu deuten.
Auch Seidel & Marijnissen (1969)
fragen zu ihrem Sprichwort 67 ("Er kann nicht leiden,
daß die Sonne ins Wasser scheint"): Was bedeutet der
auf dem Wasser schwimmende Hut? Es wurde versucht zu
erklären, daß der Neidische so schnell ins Wasser
rannte, daß er sogar seinen Hut verlor (Kass &
Lukácsy, 1985).