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Thursday, 29 July 2010


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ÜBER DIE KUNST, METAPHERN ZU MISCHEN: Einladung zu einer Diskussion über Pieter Bruegels Bild "Die holländischen Sprichwörter", 1559

Die Tafel der Museumsleitung (ca. 60er Jahre)
Staatliche Museen zu Berlin Preussischer Kulturbesitz


Einführende Bemerkungen

Franz Weinitz schreibt (1915, S.294; vgl. auch Fraenger, 1923, S.140) in seinem Artikel über das Gemälde Die Niederländischen Sprichwörter: "Die Leitung der Galerie hat übrigens weiter das Ihrige getan um aufzuklären. Neben dem Gemälde hängt ein Täfelchen, das 42 Darstellungen erklärt oder doch zu erklären versucht. Etwa 30 harren indessen noch der Lösung." Dieses historische Dokument, das gleich nach der Anschaffung des Bildes erstellt worden war, ist leider nicht mehr erhalten.

Wie mir Dr. Rainald Grosshans in einem Schreiben (1996) erklärte, läßt sich keine Spur mehr von der erwähnten Tafel finden. Er überließ mir aber dankenswerter Weise eine "jüngere Tafel mit immerhin schon 75 Erläuterungen, die vermutlich aus den 60iger Jahren stammen dürfte". Mögliche Vorlagen werden nicht genannt. Die Deutungen, nur auf deutsch und mit sehr wenigen Erklärungen, werden im folgenden ebenfalls angegeben. Die wenigen Erklärungen zu den Interpretationen folgen in kursiver Schrift gleich nach der entsprechenden Deutung.

Ohne eigene Nummer versehen, werden zu den 75 numerierten Deutungen noch 7 weitere Sprichwörter genannt. Zusammen werden also 82 Deutungen gegeben. Sie sind hier zur eindeutigen Kennzeichnung mit einem hinzugefügten "(a)", "(b)" [und einmal "(c)"] versehen.


Literaturnachweis

Museumsleitung SMPK (ca. 60er Jahre): Erläuternde Tafel.

Rainald Grosshans (1996). Persönliche Mitteilung.

Franz Weinitz (1915): Die "Niederländischen Sprichwörter" des Pieter Bruegel des Älteren im Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 25, S.292-299.

Wilhelm Fraenger (1923): Der Bauern-Bruegel und das deutsche Sprichwort. Erlenbach-Zürich u.a.: Eugen Rentsch.

Die Tafel besteht aus einer mit den entsprechenden Nummern versehenen schwarz-weiß-Abbildung des Gemäldes.


1. Fladen (Kuchen) wachsen auf dem Dach.

2. Unterm Besen getraut.

Ohne Kirchensegen.

3. Wer nicht durch die Finger sieht, ist in der Welt nicht brauchbar.

4(a). Der Narr bekommt die Karte.

4(b). Er sch... auf die Welt.

5. Sie haben einander bei der Nase.

6. Er hat es auch durch das Scherenaug' fallen lassen.

7. Laß ein Ei im Nest.

8(a). Er hat Zahnweh hinter den Ohren.

8(b). Er p... gegen den Mond.

9. Hier werden Narren barbiert.

10. Zwei stecken unter einer Kappe.

11. Mit einem Pfeil nach dem andern schießen.

12. Sie kann selbst den Teufel aufs Kissen binden.

13. Er ist ein Pfeilerbeißer.

Heuchlerischer Kirchgänger.

14. Es ist nicht gut, in der einen Hand Feuer, in der andern Wasser zu tragen.

15. Sein Hering will nicht braten.

16. Jeder Hering muß an seinen eignen Kiemen hängen.

17. Sich zwischen zwei Stühle setzen.

18. Hier zieht die Sau den Zapfen aus.

19. Mit dem Kopf gegen die Wand rennen.

20(a). Der Katze die Schelle anbinden.

20(b). Bis zu den Zähnen bewaffnet sein.

20(c). Er spricht auf das Messer.

21. Der Hennentaster.

Vorwitziger Mensch.

22. Hier hängt die Scher' heraus.

[Hier] wird man übervorteilt.

23. Er spricht aus zwei Mündern.

Doppelzüngig.

24. Viel Geschrei und wenig Wolle, sagte er, und schor ein Schwein.

25. Was die eine rockent, spinnt die andere.

26. Er trägt das Licht in Körben an den Tag.

27. Kerzen für den Teufel anzünden.

28. Beim Teufel zur Beichte gehen.

29. Der Ohrenbläser.

30. Der Fuchs ist beim Kranich zu Gast.

31. Den Brunnen zuschütten, nachdem das Kalb hineingefallen ist.

32. Er läßt die Welt auf dem Daumen tanzen.

33. Man wird einen Stock in sein Rad stecken.

34. Wer durch die Welt will, muß sich krümmen.

35. Er bindet selbst Gott einen flächsernen Bart um.

[Er] macht ihn zum Narren.

36. Rosen vor die Säue schütten.

37. Dem Mann den blauen Mantel umhängen.

Ihn hintergehen.

38. Wer das Fell des Schweines haben will, muß es töten können.

39. Zwei Hunde und ein Knochen.

40(a). Auf glühenden Kohlen sitzen.

40(b). Das Fleisch am Spieß muß begossen werden.

41. Mit Fischen fängt man Fische.

42. Durch den Korb fallen.

Durchgefallener Freier.

43. Das Hühnerei ergreifen und das Gänseei fahren lassen.

Unbesonnene Gewinnsucht.

44. Er gähnt mit dem Ofen um die Wette.

[Er] kämpft vergebens gegen einen Stärkeren.

45. Er weiß schwerlich von dem einen Brot zum anderen zu gelangen.

46. Er sucht das Beilchen.

47. Wer seinen Brei verschüttet, kann nicht alles wieder aufraffen.

48. Das letzte Paar bekommt die Brezel.

[Das] sogenannte Steigerspiel.

49. Er ist ein Ofenhocker.

50. Der Spielmann am Pranger.

51. Er kommt vom Ochsen auf den Esel.

52(a). Zwei arme Leute vor einer Tür.

52(b). Er wird den Ring wohl an der Tür lassen.

Als verarmt davongehen.

53. Er fällt mit der Türe ins Haus.

54. Große Fische fressen die kleinen.

55. Er kann nicht leiden, daß die Sonne ins Wasser scheint.

56. Sein Geld ins Wasser werfen.

57. Zwei sch... durch ein Loch.

[Sie] sind ganz unzertrennlich.

58. Das sind zwei Fliegen auf einen Schlag.

59. Er hängt den Mantel nach dem Wind.

60. Er schüttet die Federn in den Wind.

Unsinniger Verschwender.

61. Aus andrer Leute Haut Riemen schneiden.

62. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis der Henkel bricht.

63. Den Aal beim Schwanz fassen.

64. Gegen den Strom schwimmen.

65. Die Kutte an den Zaun hängen.

66. Er führt den Bären.

Lustig sein.

67. Wer Feuer frißt, sch... Funken.

Jähzorniger.

68. Gelüstet dich zu jagen, so treib' die schwarzen Schweine aus dem Korn.

69. Er wärmt sich an dem Brand, den er selber angezündet hat.

70. Man muß segeln, solange der Wind weht.

71. Ein Auge im Segel halten.

Auf der Hut sein.

72. Bin ich zum Gänsehüten nicht berufen, so lass' ich Gänse Gänse sein.

73. Roßäpfel sind keine Feigen.

74(a). Das ist Butter an den Galgen geschmiert.

74(b). Die Krähen müssen auf Aas lauern.

75. Da führt ein Blinder den andern.


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The banner illustration is a fragment of Pieter Bruegel's painting "The Netherlandish Proverbs", 1559