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Thursday, 29 July 2010


It is the first step that is difficult.

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ÜBER DIE KUNST, METAPHERN ZU MISCHEN: Einladung zu einer Diskussion über Pieter Bruegels Bild "Die holländischen Sprichwörter", 1559

Liste der Interpretationen in
"Das Bruegel Buch" (1936, 1941)


Einführende Bemerkungen

Die Einleitung zu diesem Buch ist in der Auflage von 1941 von Leo Bruhns geschrieben. Er schreibt dort, er folge der durch Jan Borms verbesserten und vermehrten Liste Wilhelm Fraengers. Auf diese Liste stützt sich ja bereits Gustav Glück (1936; "Bruegel's Gemälde"). Auch frühere Auflagen dieses Buches (1936; "Das Bruegel Buch"), noch ohne expliziten Herausgeber, folgen Glück (1932; "Bruegel's Gemälde"), der dort noch ausschließlich Fraengers Liste heranzieht.

Die Identifikationen der Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten werden hier nur in deutscher Sprache wiedergegeben. Es gibt einige wenige, die Sprichwörter erklärenden, Anmerkungen, die ich in kursiver Schrift gleich nach der entsprechenden Deutung wiedergebe.

Wir finden in den verschiedenen Auflagen jeweils 92 Nummern, wobei auch hier, wie schon bei Glück, die Nr. 60 ausgelassen ist. In der Ausgabe von 1941 werden aber 26 weitere Sprichwörter genannt, gekennzeichnet durch ein "a" oder "b" an den entsprechenden Nummern. Insgesamt nennt Bruhns also 117 Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten. (Die Ausgabe von 1936 enthält 92 Nummern, keine zusätzlichen Sprichwörter oder sprichwörtlichen Redensarten, es  fehlen zudem die Nummern: 11, 22, 25, 27, 28, 30, 53, 60, 65, 66, 77, 86, 91).


Literaturnachweis

Gustav Glück: Das Bruegel Buch. Wien: Anton Schroll & Co, 1936.
Leo Bruhns: Das Bruegel Buch. Wien: Anton Schroll & Co, 1941.

Frühere Auflagen: z.B. 1936; es existieren mindestens zwei verschiedene Auflagen aus diesem Jahr. Die eine enthält im groben die ursprüngliche Liste Fraengers, die andere bereits die durch Jan Borms hergestellte Überarbeitung dieser Liste (Auflage: 26. - 35. Tausend). Bis zum Jahr 1941 wird Gustav Glück als Herausgeber angegeben, aber ab der Auflage 51. - 75. Tausend jedoch Leo Bruhns, von dem auch die Einleitung stammt.

Der Liste ist eine farbige Abbildung des Gemäldes beigefügt, versehen mit einem transparenten Deckblatt, auf der die entsprechenden Nummern den Bildausschnitten zugewiesen werden. Man findet noch 38 andere Werke Bruegels in Farbe und 20 weitere Werke Bruegels einfarbig abgebildet.


1. Fladen wachsen auf dem Dach.

2. Unterm Besen getraut.

(1936: "Liebschaften unterm Dach, zwar schändlich, doch bequem.")

3. Da steckt der Besen raus.

Die Meister sind nicht daheim.

(1936: "Unterm Besen getraut.")

4. Er sieht durch die Finger.

(1936: "Wer nicht durch die Finger sieht, ist in der Welt nicht brauchbar.")

4a. Da hängt das Messer.

Alte Herausforderung.

(1936: nicht vorhanden.)

4b. Auf Holzschuhen stehen.

Vergebens warten.

(1936: nicht vorhanden.)

5. Sie haben einander an der Nase.

(1936: "Sie haben einander bei der Nase.")

6. Er guckt in die Karten.

(1936: "Der Narr bekommt die Karte.")

6a. Es hängt vom Fall der Karten ab.

(1936: nicht vorhanden.)

6b. Die Würfel sind gefallen.

(1936: nicht vorhanden.)

7. Er sch... auf die Welt.

8. Aug um Aug.

(Er fügt ein "?" hinzu.)

(1936: "Er hat es auch durch das Scherenaug lassen.")

9. Laß ein Ei im Nest.

10. Er p... gegen den Mond.

11. Er hat's dick hinter den Ohren.

(1936: ausgelassen.)

11a. Sein Dach hat ein Loch.

(1936: nicht vorhanden.)

11b. Ein altes Dach bedarf viel Ausbesserns.

(1936: nicht vorhanden.)

11c. Das Dach hat Latten.

Es gibt Lauscher.

(1936: nicht vorhanden.)

12. Dort hängt der Topf heraus.

(1936: "Wenn man im Dreck rührt, stinkt es." Nur durch den Topf angedeutet.)

13. Den Narren ohne Seife barbieren.

(1936: "Er ist in der rechten Baderstube, wo man ihn wohl säuberlich einseifen wird.")

13a. Es wächst aus dem Fenster heraus.

Es kann nicht geheim bleiben.

(1936: nicht vorhanden.)

14. Zwei Narren unter einer Kappe.

(1936: "Da stecken zwei Narren unter einer Kappe.")

15. Einen Pfeil nach dem anderen senden.

(1936: "Den einen Pfeil nach dem andern schießen.")

16. Die beste Grete, die man fand, war, die den Teufel aufs Kissen band.

(1936: "Sie weiß den Teufel auf ein  Kissen zu binden.")

17. Ein Pfeilerbeißer.

Ein Scheinheiliger.

(1936: "Ein Pfeilerbeiß." Ein scheinheiliger Kirchenbesucher, der jedwedem Gegenstand des Gotteshauses betrügerische Andacht widmet.)

18. Sie trägt Wasser in der einen, doch Feuer in der andern Hand.

19. Er brät den Hering um den Rochen.

(1936: "Sein Hering will hier nicht braten.")

20. Er hat mehr in sich, als ein leerer Hering.

(1936: "Jeder Hering muß an seinen eigenen Kiemen hängen.")

21. Er sitzt zwischen zwei Stühlen in der Asche.

21a. Was kann der Rauch dem Eisen machen?

(1936: nicht vorhanden.)

21b. Die Spindeln fallen in die Asche.

Die Sache ist fehlgeschlagen.

(1936: nicht vorhanden.)

22. Läßt man den Hund herein, so kriecht er in den Schrank.

(1936: ausgelassen.)

23. Hier zieht die Sau den Zapfen raus.

(1936: "Hier zieht die Sau den Zapfen aus.")

24. Er rennt mit dem Kopf gegen die Wand.

(1936: "Man kann mit dem Kopf keine Mauer brechen.")

25. Er ist in Harnisch gebracht.

(1936: ausgelassen.)

26. Er hängt der Katz die Schelle an.

27. Bis an die Zähnen bewaffnet.

(1936: ausgelassen.)

28. Ein Eisenfresser.

(1936: ausgelassen.)

29. Ungelegte Eier sind unsichere Küchlein.

(1936: "Der Hennentaster". Ein Mann, der sich um ungelegte Eier kümmert.)

30. Er nagt immerzu an einem Knochen.

(1936: ausgelassen.)

31. Da hängt die Scher heraus.

Sinnbild der Beutelschneiderei.

32. Er spricht aus zwei Mündern.

Doppelzüngigkeit.

33. Der eine schert das Schaf, der andere das Ferkel.

(1936: "Ich scher das Schaf und der andere das Ferkel.")

33a. Viel Geschrei und wenig Wolle.

(1936: nicht vorhanden.)

33b. Scher sie, aber schinde sie nicht.

(1936: nicht vorhanden.)

33c. Geduldig wie ein Lamm.

(1936: nicht vorhanden.)

34. Die eine rocknet, was die andere spinnt.

Üble Nachrede weitergetratscht.

35. Er trägt Licht mit Körben an den Tag.

(1936: "Er trägt das Licht mit Körben an den Tag.")

36. Für den Teufel eine Kerze anzünden.

37. Beim Teufel zur Beichte gehen.

38. Ein Ohrenbläser.

Zuflüsterer.

(1936: "Der Ohrenbläser.")

39. Der Kranich hat den Fuchs zum Gast.

(1936: "Der Fuchs und der Kranich haben einander zu Gaste.")

39a. Was nutzt ein schöner Teller, wenn nichts drauf ist?

(1936: nicht vorhanden.)

39b. Ein Schaumlöffel.

(1936: nicht vorhanden.)

Schmarotzer.

39c. Es ist angekreidet.

[Es] wird nicht vergessen.

(1936: nicht vorhanden.)

40. Er schüttet den Brunnen zu, wenn das Kalb ertrunken ist.

(1936: "Wenn das Kalb ertrunken ist, wird der Brunnen zugeschüttet.")

41. Er läßt die Welt auf dem Daumen tanzen.

(1936: "Er läßt die Welt auf seinem Daumen tanzen.")

42. Es steckt ein Stock im Rad.

(1936: "Man wird einen Stock in sein Rad stecken.")

43. Ich muß mich krümmen, will ich durch die Welt kommen.

(1936: "Man muß sich krümmen, will man durch die Welt kommen.")

44. Er hängt Unserm Herrn einen flächsernen Bart an.

45. Er wirft Rosen vor die Säue.

(1936: "Rosen vor die Säue werfen.")

46. Sie hängt ihrem Mann den blauen Mantel um.

[Sie] macht ihn zum Hahnrei.

(1936: "Sie hat ihm einen blauen Mantel (blauhuycke) umgehangen.")

47. Das Schwein ist durch den Bauch gestochen.

Es ist unwiderruflich.

(1936: "Er weiß nicht, wie er das Schwein schlachten soll.")

48. Zwei Hunde an einem Beim kommen selten überein.

49. Er sitzt auf feurigen Kohlen.

(1936: "Er sitzt auf glühenden Kohlen.")

50. Der Spieß muß begossen werden.

(1936: "Sein Feuer ist ausgep...")

50a. Mit ihm ist kein Spieß zu drehen.

(1936: nicht vorhanden.)

51. Er fängt die Fische mit den Händen.

Er ist ein Schlaumeier.

(1936: "Er fängt einen Fisch mit dem andern.")

52. Er fällt durch den Korb.

(1936: "Durch den Korb fallen.")

53. Er hängt zwischen Himmel und Erde.

(1936: ausgelassen.)

54. Sie greift nach dem Hühnerei und läßt das Gänseei fahren. [1]

(1936: "Das Hühnerei greifen und das Gänseei fahren lassen.")

55. Der muß lange gähnen, der den Ofen übergähnen will.

(1936: "Er gähnt gegen den Ofen.")

56. Er kann von einem Brot zum andern nicht gelangen.

(1936: "Er weiß schwerlich von dem einen Brot zum andern zu gelangen.")

57. Er sucht das Beilchen.

Fauler Arbeiter.

57a. Das Beil mit dem Stiel.

Das Ganze.

(1936: nicht vorhanden.)

57b. Eine Hacke ohne Stiel.

Etwas Unbrauchbares.

(1936: nicht vorhanden.)

58. Wer seinen Brei verschüttet hat, kann nicht alles wieder aufraffen.

59. Sie halten sich die Waage.

Steigerspiel.

(1936: "Das letzte Paar bekommt die Brezel." Ein Spiel, zugleich als Wortspiel zwischen Krakeling = Brezel und Krakeeling = Zänkerei beabsichtigt.)

59a. Er hält sich an.

(1936: nicht vorhanden.)

60. [ausgelassen]

(1936: ausgelassen.)

61. Er sitzt sich selber im Licht.

(1936: "Er ist ein Ofenhocker." Der helle Schein bedeutet vielleicht: "Laßt euer Licht leuchten in der Finsternis".)

62. Er spielt auf dem Pranger.

63. Er fällt vom Ochsen auf den Esel.

(1936: "Er kommt vom Ochsen auf den Esel.")

64. Es tut dem einen Bettler leid, daß der andere vor der Türe steht.

(1936: "Zwei arme Leute vor einer Tür.")

64a. Er kann durch ein Eichenbrett sehen, wenn ein Loch drin ist.

(1936: nicht vorhanden.)

65. Er reibt sich den H...n an der Tür.

(1936: ausgelassen.)

66. Er küßt den Ring.

Er bezeugt übertriebene Ehrfurcht.

(1936: ausgelassen.)

67. Er fischt hinter dem Netz.

68. Große Fische fressen die kleinen.

69. Ihn kränkt es, daß die Sonne ins Wasser scheint.

(1936: "Ihn neidet, daß die Sonne ins Wasser scheint.")

70. Er wirft sein Geld ins Wasser.

(1936: "Sein Geld ins Wasser werfen.")

71. Zwei sch...n durch ein Loch.

(1936: "Zwei sch...n durch ein Loch.")

71a. Es hängt wie ein Sch...haus über einem Graben.

(1936: nicht vorhanden.)

72. Er schlägt zwei Fliegen auf einen Schlag.

(1936: "Das sind zwei Fliegen auf einen Schlag.")

73. Sie guckt dem Storch nach.

(1936: "Glücklich, wem der Storch zufliegt." Unsichere Erklärung, da der Vogel hier fortfliegt.)

73a. An den Federn erkennt man den Vogel.

(1936: nicht vorhanden.)

74. Er hängt den Mantel nach dem Wind.

75. Er schüttet die Federn in den Wind.

76. Aus fremdem Leder schneidet man breite Riemen.

(1936: "Aus fremden Häuten schneidet man breite Riemen.")

77. Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht.

(1936: ausgelassen.)

78. Er faßt den Aal beim Schwanz.

(1936: "Den Aal beim Schwanz fassen.")

79. Es ist schwer, gegen den Strom zu schwimmen.

(1936: "Gegen den Strom schwimmen.")

80. Er hängt seine Kutte auf den Zaun.

(1936: "Er wirft seine Kutte über den Zaun.")

81. Er sieht die Bären tanzen.

Ihn hungert.

(1936: "Er führt den Bären.")

82. Er hat das Feuer am H...n.

(1936: "Wer Feuer frißt, sch... Funken.")

83. Die Schweine laufen ins Korn.

Es geht alles verkehrt.

(1936: "Gelüstet dich zu jagen, so treib die schwarzen Schweine aus dem Korn.")

84. Es ist ihm gleich, wessen Haus brennt, wenn er sich nur an den Kohlen wärmen kann.

(1936: "Wenn das Haus brennt, wärmt man sich an den Kohlen.")

84a. Eine rissige Mauer ist bald zerrüttet.

(1936: nicht vorhanden.)

85. Vor dem Wind ist gut segeln.

(1936: "Man muß segeln, solange der Wind weht.")

86. Er hat ein Auge im Segel.

[Er] paßt auf.

(1936: ausgelassen.)

87. Wer weiß, warum die Gänse barfuß gehen.

(1936: "Bin ich zum Gänsehüter nicht berufen, so laß ich Gänse Gänse sein.")

88. Roßäpfel sind keine Feigen.

88a. Er schleift den Klotz.

(1936: nicht vorhanden.)

89. Angst macht das alte Weib traben.

(1936: "Siehst du den Wolf, so such nicht mehr nach seinen Fußstapfen.")

90. Er besch... den Galgen.

(1936: "Das ist Butter an den Galgen geschmiert.")

91. Wo das Aas liegt, fliegen die Krähen.

(1936: ausgelassen.)

92. Ein Blinder führt den anderen.

(1936: "Wenn ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in den Graben.")

92a. Die Reise ist noch nicht zu End, Wenn man Kirch und Turm erkennt.

(1936: nicht vorhanden.)


Anmerkungen

[1]: Eigentlich "laufen", denn das Ei hat Beine.


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The banner illustration is a fragment of Pieter Bruegel's painting "The Netherlandish Proverbs", 1559