FRANK DETJE
ÜBER DIE KUNST, METAPHERN ZU MISCHEN
Teil I: Allgemeine Informationen über
Pieter Bruegels Gemälde "Die holländischen
Sprichwörter", 1559
1. Das Gemälde "Die
holländischen Sprichwörter" (1559)
Dundes & Stibbe (1981,
S.7) bezeichnen das Werk als "ikonographisches Meisterwerk",
denn Bruegel hat "die Sprichwortweisheit seines Volkes zu
einer großen Enzyklopädie vereinigt" (Fraenger, 1923,
S.9), zu einem "Arsenal an Sprichwörtern" (Foote, 1979,
S.150). Auch Friedländer äußert sich
ähnlich (1914,
S.9f): "Die niederländischen Sprichwörter sind ein
Lieblingsthema Bruegels. In Gemälden, Kupferstichen und
Zeichnungen verfolgt man, wie die Phantasie des Meisters
sich mit der Spruchweisheit seines Volkes beschäftigt
[...] Unser Bild ist [...] eine
Enzyklopädie der Sprichwörter." In der Tat sind
auf diesem Gemälde über 100 Sprichwörter und
sprichwörtliche Redewendung dargestellt, deshalb nennt
Stechow (1969,
S.60) es auch "a true 'proverb country'".
In den Jahren 1559 und 1560 malte Pieter Bruegel der
Ältere drei in ihrer Art recht ähnliche Bilder:
"Der Streit zwischen Karneval und Fasten" (auch die
"Faschingstafel" genannt; z.B. bei Roh, 1960,
S.10), "Die holländischen Sprichwörter" und "Die
Kinderspiele". Es sind, abgesehen von zwei Landschaften
(1553 und 1557) auch seine ersten Gemälde. Nur von dem
Gemälde "Die holländischen Sprichwörter"
jedoch soll hier die Rede sein. Eine Auflistung der
dargestellten Kinderspiele bearbeitete Hills (1957),
auch bei Glück (1932)
findet sich eine Liste der dargestellten Spiele. Eine
vorbildliche Bildbeschreibung mit vielen Erläuterungen
zur Herkunft und Bedeutung des Dargestellten für den
"Streit des Karneval gegen die Fasten" (wie das Bild auch
genannt wird) findet man bei Schutt-Kehm (1983).

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Der Streit zwischen Karneval und
Fasten
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| Die holländischen
Sprichwörter |
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| Die Kinderspiele |
Das Bild "Die holländischen Sprichwörter" hat
Bruegel 1559 fertiggestellt. Einem Hinweis Gustav
Glücks folgend können wir annehmen, daß das
Bild Ende 1559 fertig wurde, denn es scheint, als habe
Bruegel das auf dem Gemälde angegebene Datum von 1560
auf 1559 korrigiert. Friedländer (1914,
S.9) hingegen stellt die Vermutung an, Bruegel könnte
versehentlich 1569 geschrieben haben und nur die dritte
Stelle in eine "5" geändert haben. "Ende 1559" gilt
für die damals in den Niederlanden vorherrschende
spanische Zeitrechnung und entspricht bei unserer heutigen
Zeitrechnung Ende Ostern 1560. Glück (1937,
S.42) meint außerdem, daß das Bild an einigen
Stellen übermalt sei, "offenbar der Prüderie eines
früheren Besitzers wegen".
Lange Zeit war dieses Gemälde Pieter Bruegels in
englischem Privatbesitz, so daß es nicht studiert
werden konnte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde es in
Amerika zum Kauf angeboten. Dieses Angebot wurde aber
abgelehnt, so daß es das Berliner Museum 1914 zu einem
hohen aber verdienten Preis erwerben konnte (Weinitz, 1915,
S.292). Glück (1937,
S.43) berichtet (Burchard folgend) auch: "Das Berliner
Sprichwörterbild ist einem Gemälde gleichzusetzen,
das im Nachlaß des Antwerpner Armenpflegers Peter
Stevens unter Nr. 15 verzeichnet ist. In seiner kostbaren
Sammlung, deren Katalog vom 13. August 1668
unveröffentlicht ist, besaß Stevens nicht weniger
als elf Gemälde 'de Breugel de vieil' [...] Am
10. Juni 1676 sah Constantin Huygens d. Jüng. das Bild
in Antwerpen bei dem Sohn des verstorbenen Sammlers".
Das Bild befindet sich heute im Besitz der
Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Preußischer
Kulturbesitz (früher Kaiser-Wilhelm Museum) in Berlin.
Die Größe des Bildes ist recht beachtlich. Es
mißt in der Höhe 117 cm und in der Breite 163 cm
(wir finden auch abweichende Größenangaben, z.B.
Gibson, 1989,
nennt 118 x 163). Das Gemälde ist in Öl auf
Eichenholz gemalt.
Zu sehen sind eine ganze Reihe Szenen, die einer
bildhaften Darstellung wörtlich genommener
sprichwörtlicher Redensarten und Sprichwörtern
entsprechen. Ein buntes Treiben von ca. 50 Personen verteilt
sich über das ganze Bild. Es ist gut ausgefüllt.
"In ungefähr hundert Einzelfiguren, Figurengruppen und
gegenständlichen Anspielungen und in verschiedenem
Beiwerk, das sprichwörtlich gedeutet werden kann, hat
er [Bruegel] den bildhaften Gehalt von
Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten
dargestellt. Das bunte Treiben spielt sich auf einer
reichbewegten Bühne ab, auf die der Betrachter von oben
hinabsieht. Der Schauplatz ist halb Kulisse und halb
Landschaft" (Jedlicka, 1938,
S.57). In einer Note besteht Archer Taylor (1965,
S.57) noch darauf, daß auf dem Gemälde
ausschließlich sprichwörtliche Redensarten, keine
Sprichwörter abgebildet seien. Auch Röhrich meint
"Die ältere Bezeichnung 'Sprichwörterbild' ist ja
nicht zutreffend; es handelt sich um ein Redensartenbild,
eine gemalte Enzyklopädie sprichwörtlicher
Redensarten" (Röhrich, 1978,
S.89). Dem muß man aber etwas widersprechen: Neben
sehr vielen sprichwörtlichen Redensarten sind nicht nur
Sprichwörter sondern z.B. auch Fabelmotive auf dem
Gemälde zu sehen.
Die erste Veröffentlichung des Gemäldes vom
Älteren Bruegel erfolgte durch Max J. Friedländer
(1914),
der es stilgeschichtlich einordnete, aber noch keine
Deutungen gab. Die Forscher, die sich mit der Deutung der
Darstellungen auf dem Gemälde befaßten, werden
mit ihren Interpretationen ausführlich im zweiten Teil
dieser Abhandlung zu Worte kommen.
2. Andere Sprichwortbilder von
Pieter Bruegel dem Älteren
Neben dem Gemälde "Die holländischen
Sprichwörter" schuf Pieter Bruegel eine Reihe anderer
Werke, die Sprichwörter und sprichwörtliche
Redewendungen zum Inhalt haben: "Große Fische fressen
die kleinen" (1557; dieses Motiv kehrt wieder in "Triumph
des Todes", ca. 1561 und den "holländischen
Sprichwörtern"), "Zwölf flämische
Sprichwörter", auch "Zwölf Sprichwortrundbilder"
genannt, (1558) [1], "Der
Kampf zwischen Karneval und Fasten" (1560; s. z.B.
Schutt-Kehm, 1983),
"Der Blinde führt den Blinden" (1568; s. z.B. Jedlicka,
1950), "The Beekeepers" (1568), das das Sprichwort "Dije den
nest weet, dije weeten; dijen rooft, dije heeten" darstellt
(Wer das Nest kennt, kennt es; wer es raubt, besitzt es; He
who knows the nest knows it, he who robs it has it) bzw.
"The bird-nester", "The Bird Nest", "Bird's Nest", "Das
Vogelnest" oder "Das Sprichwort vom Vogelnest bzw.
Vogeldieb", "The Wedding of Mopsus and Nisa" (1570, siehe
Sullivan, 1991,
S.461ff).
3. Bildliche Darstellung von
Sprichwörtern und sprichwörtlichen
Redensarten
Es muß angenommen werden, daß Pieter Bruegel
zur Darstellung von Sprichwörtern und
sprichwörtlichen Redensarten bereits durch frühere
Werke anderer Meister inspiriert wurde, aber auch, daß
sein Gemälde wiederum anderen Malern als Vorlage
diente. So schufen u.a. folgende Künstler Bilder,
Stiche und Gemälde mit sprichwörtlichen
Darstellungen: Hieronymus Bosch (1450-1516), Albrecht
Dürer (1471-1528), Albrecht Altdorfer (1480-1538; z.B.
"Der Bettel sitzt der Hoffahrt auf der Schleppe", 1531),
Lucas von Leyden (1494-1533), Hans Sebalm Beham (1500-1550),
Franz Hogenberg (1540-1592; vor allem ein Werk aus dem Jahre
1558 soll Breugel direkt beeinflußt haben; s. Lebeer, 1939/40),
sein Sohn Pieter Brughel der
Jüngere (1564-1637/38), Sebastian Vrancx
(1573-1647; s. van Puyvelde, 1931),
Jacob Jordaens (1593-1678), Johannes von Doetinchem
(1600-1676; s. Lebeer, 1939/40;
de Meyer 1970, 1971),
David Teniers (1610-1690), der das Gemälde "Dutch
Proverbs" (1646/47) malte und definitiv von Bruegel
beeinflußt war (Manners, 1903),
Jan Christoffel Jegher (1618-1666; s. de Meyer, 1968),
Lodcwyk Josef Fruytuiers (1713-1782; s. Vervliet, 1893;
Lebeer, 1939/40),
Jean-Baptiste Greuze (1725-1805), Francisco de Goya
(1746-1828) und viele andere mehr. Allein zum Thema "The
World Upside Down" berichtet Kunzle (1978)
von 60 verschiedenen Werken aus 7 Ländern und 3
Jahrhunderten. Aber auch in der Gattung der Literatur findet
man Werke, die ausgiebig von den Sprichwörtern und
sprichwörtlichen Redensarten Gebrauch machen, z.B.
Erasmus von Rotterdam (1469-1536; vor allem seine "Adagia",
1500, zig Auflagen; auch Johannes Agricola brachte 1529 eine
Sprichwörtersammlung heraus, genauso wie Sebastian
Franck 1532 [2]), Sebastians
Brants "Narrenschiff", Thomas Murners
"Narrenbeschwörung", Francois Rabelais (1494-1553, vor
allem seine Novelle "Gargantua und Pantagruel", 1532/34,
[3]) oder Hans Jacob von
Grimmelshausen (1622, 1676; s. Kunzle, 1978).
Würtenberger (1957,
S.88) meint, daß die gesamte Darstellung auf Bruegels
Gemälde ihre Grundlage und ihren Ursprung im
Literarischen hat. "Wir weisen besonders auf die
spätmittelalterlichen deutschen Schriften hin, welche
sich zum Ziele setzen, über die Dingwelt im Hinblick
auf ihren Wert zum Menschen zu philosophieren. Solche mit
Holzschnitten illustrierten Werke erscheinen vor allem, auf
Vergil, Boccaccio und Petrarca zurückgreifend, in den
oberdeutschen Verlagsstädten Straßburg, Ulm und
Augsburg. [...] Zum Beweis, wie nahe sich Weidnitz
und Bruegel im Erfindungsgeist berühren können,
sei dieser Holzschnitt des 'Kampfes in der Natur' aus
Vergilius angeführt. In gleicher Weise gebiert die
Szenerie ihre eigenen Menschenhandlungen. Ähnlich wie
in Bruegels Sprichwortbild, wurde eine ländliche,
dörfliche, hier noch mehr zur Idylle geschönte
Allerweltsszenerie gewählt, deren Kern auch ein
Bauernhaus mit all seinem Drum und Dran bis zur fernen
Meerlandschaft ausmacht, vom ganzen Leben der Natur einen
gesättigten, ja fast übervollen Begriff zu geben"
(Würtenberger, 1957,
S.88). Es gibt auch Sprichwortwandteppiche vom Ende des 15.
Jahrhunderts (Siple, 1933),
Sprichwortbilderbogen (Brednich, 1975),
Miserikordien (z.B. das mittelalterliche Chorgestühl
der Kirche zu Kempen; siehe auch Kunzle, 1978)
und Skulpturen mit Sprichwortthematik, Sprichwortbilder als
Buchillustrationen und verschiedene Darstellungen einzelner
Sprichwörter (für einen thematischen und
bibliographischen Überblick s. Mieder, 1977).
Auch moderne Photographen wie Jacky Redgate sind von der
Darstellung von Sprichwörtern inspiriert (Colless, 1988).
4. Die verschiedenen Namen des
Bildes "Die holländischen Sprichwörter"
Das Gemälde "Die holländischen
Sprichwörter" wird manchmal auch nur kurz "Die
Sprichwörter" (z.B. Stridbeck, 1956,
S.172) oder "das große Sprichwörterbild" (Pastor, 1941, S.4)
genannt. Der Name "Die holländischen Sprichwörter"
kann auch als "Die niederländischen Sprichwörter"
(z.B. Stridbeck, 1956,
S.172), "Die Flämischen Sprichwörter"
(Delevoy, 1990)
oder in anderen Sprachen anders übersetzt sein. So
finden wir zum Beispiel im Französischen meist "Les
proverbes flamands" (Folie,
1980), also die flämischen Sprichwörter,
ähnlich im Holländischen "Vlaamsche Spreekwoorden"
(Cornette, 1930/31,
S.121) und im Italienischen "I proverbi fiamminghi"
(Bruegel, 1945),
und im Englischen gibt es neben "The Netherlandish Proverbs"
auch die Bezeichnung "The Netherlandic Proverbs"
(Mieder, 1982).
Es ist aber auch unter anderen Namen bekannt.
So wurde es betitelt mit "Die verkehrte Welt". Kusenberg
(1949,
S.13) nennt dies sogar den richtigen Namen und so nennt es
Stechow (1977,
S.56) z.B. noch im Untertitel. Doch Kunzle (1977, 1978)
macht deutlich, daß Bruegel nicht in der typischen
Form der "World-Upside-Down" oder "Verkehrte-Welt"
Darstellungen malte. Er illustrierte die Sprichwörter
und sprichwörtlichen Redensarten wörtlich, aber er
verdrehte sie nicht, wie z.B. "Die kleinen Fische fressen
die großen".
Wir finden auch den Namen "Der blaue Mantel"
(Gibson, 1977,
S.74), "The Blue Cloak" (Dundes & Stibbe, 1981,
S.7) bzw. "Die Blauwe Huyck" (Delevoy, 1990).
Der holländische Titel "de blaue huycke" (der blaue
Mantel) wird von Kusenberg (1949,
S.13) als alter Spitzname genannt, der von dem Paar
herrühre, das den optischen "Herzpunkt des Bildes"
bilde. Eine Frau hängt ihrem Mann den blauen Mantel um,
und macht ihn so zum Hahnrei. Für Sullivan (1991,
S.444) ist "The Blue Cloak" der richtige Name des Bildes,
vielleicht gleichbedeutend mit "The Folly of the World". Sie
verweist dabei auf ein gleichnamiges Bild von Hogenberg, das
ungefährt zur selben Zeit entstand, und der Name "Die
niederländischen Sprichwörter" sei nur der
"moderne" Name [4].
5. Die Person "Pieter Bruegel
der Ältere"
Carel van Mander (1548-1606) war der erste Biograph
Bruegels. Seinen Ausführungen im "Schilderboek" von
1604 (abgedruckt z.B. in Friedländer, 1921,
S.25-28; Fraenger, 1923,
S.119-122; Roh, 1960,
S.21-25; Grimme, 1973,
S.103-105; auf französisch z.B. in Lebeer, 1969,
S.8-10; de Smet, 1980,
S.25-27; auf schwedisch z.B. in Romdahl, 1947,
S.7-10) entnehmen wir:
Bruegel
ist in einem gleichnamigen Dorf in der Nähe von Breda
geboren. Er lernte die Kunst bei Pieter Coecke van Aelst,
später in der Werkstatt des Hieronymus Koeck. Er reiste
nach Frankreich und Italien. Er wird ob seinen spukhaften
und drolligen Gestalten, die er gerne malte, auch "Pieter
der Drollige" genannt. Er siedelte sich in Antwerpen an, wo
er 1551 in die Gilde oder Malerzunft eintrat. Er arbeitete
viel für den Kaufmann Hans Franckert, mit dem er sich,
als Bauern verkleidet, gern und oft auf Bauernhochzeiten
einschmuggelte, um sich an dem bäuerischem Leben zu
erfreuen. Er hätte fast seine eigene Magd geheiratet.
Doch sie hatte es mit der Wahrheit nicht so recht. Bruegel
sagte ihr, er nähme jetzt ein Kerbholz, und er nahm
schon ein recht großes, in das er alle ihre Lügen
schnitzen wolle. Wenn es voll sei, sei es aus zwischen ihnen
beiden. Das war bald der Fall. Er heiratete dann die Tochter
seines früheren, inzwischen (genauer 1550,
so Gibson, 1977,
S.15) verstorbenen, Lehrers Pieter Coecke van Aelst
(genauer: Es war 1563 und sie hieß Mayken. Die
Hochzeit fand um die Osterzeit in Brüssel statt; laut
Stechow, 1977,
S15), als die Witwe Coecke nach Brüssel zog. Bruegels
Mutter drang ihren Sohn, ebenfalls nach Brüssel zu
ziehen, um dem anderen Mädchen, seiner Magd, aus den
Augen und dem Sinn zu kommen.
Spätere Forscher geben ein genaueres und
geändertes Bild von Bruegel und seinem Leben wider als
es noch van Mander tat. Es kann hier nur
überblicksartig nachgezeichnet werden.
Betont werden sollte, daß fast alle späteren
Forscher betonen, daß man über Bruegel und sein
Leben eigentlich "recht wenig" bzw. "nicht viel" weiß
(so z.B. Stechow, 1977,
S.10; Seidel & Marijnissen, 1969,
S.7). Das liegt vor allem daran, daß es kaum Zeugnisse
neben seinen Bildern gibt. "Kein Vertrag, kein Briefwechsel,
kaum zehn zeitgenössische Dokumente sind erhalten".
Auch von ihm selbst ist nichts zu erfahren. "Außer den
Anmerkungen auf seinen Skizzen zu den Farben der Kleider
seiner Gestalten kennen wir keinen von ihm verfaßten
Text" (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.7). nach Claessens & Rousseau (1969)
gibt es sogar nur sechs einwandfrei belegte Dokumente (die
sie einzeln und aufs Genaueste besprechen).
Versuchen wir, das Wichtigste zusammenzutragen.
5.1 Zum Geburtsdatum
Die Probleme fangen schon mit seinem Geburtsdatum an.
Auch wenn Claessens & Rousseau (1969)
den 31. Mai 1924 als Bruegels Geburtsdatum nennen, findet
man im allgemeinen, daß je später eine Abhandlung
über Bruegel ist, desto vorsichtiger wird sich
ausgedrückt. Finden wir noch in Weinitz (1915)
und Taylor (1965),
daß Bruegel im Jahre 1525 geboren sein soll, so
verschiebt sich das angenommene Geburtsdatum immer mehr zu
einer Zeitspanne: zwischen 1524 und 1530 (Gibson, 1977,
S.13), wahrscheinlich im Jahre 1527 oder 1528.
Mieder (1982)
aber gibt mit einem Fragezeichen versehen das Geburtsjahr
1520 an, Grauls (1937)
nennt das Jahr 1527 und Grimme (1973)
nennt um 1528 als Bruegels Geburtsjahr. Man kann aber auch
die Angabe 1522 finden (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.11).
Als er 1551 freier Meister wurde, mußte er
mindestens 21 Jahre alt gewesen sein, was für ein
Geburtsjahr vor 1530 spricht (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.11).
5.2 Zum Geburtsort
Als nächstes bleibt sehr unklar, wo Bruegel denn
geboren sein soll. Ein Dorf namens "Bruegel" bei Breda, wie
aus Mander (s.o.) zu entnehmen, gab es nicht. Oder besser:
Es gab zwei (eigentlich drei) Dörfer mit ähnlichen
Namen, aber alle nicht bei Breda. Das eine Dorf "Breugel"
bzw. "Breughel" liegt nördlich von Eindhoven
(Nordbrabant, Holland) und damit 50 km nördlich von
Breda. Die beiden Orte "Grote Brogel" ("Groot-Breughel") und
"Kleine Brogel" ("Kleen-Breughel") liegen in der Nähe
von Bree (Provinz Limburg, Belgien) 70 km südlich von
Breda. So nehmen nun die einen Forscher an, Bruegel sei in
der Provinz Nord Brabant im südlichen Holland
aufgewachsen (Dundes & Stibbe, 1981,
S.5), während andere seine Heimstadt immer näher
an Breda selbst heranbringen, bzw. sogar vermuten, er sei
gar nicht auf dem Dorf, sondern in der Stadt groß
geworden. Grimme hingegen schreibt, er sei in einem Dorf im
Kempenland geboren - also nicht in der Stadt, sondern "unter
den Bauern eines unbekannten Brabanter Dorfes" (1973,
S.9). In der Zeitschrift "Eigen Haard" (1897, Nr.12) ist das
vermeintliche Geburtshaus Bruegels in dem Ort bei Eindhoven
abgebildet. "Freilich eine Überlieferung von
[...] zweifelhafter Zuverlässigkeit"
(Friedländer, 1921,
S.31). Um die Verwirrung perfekt zu machen, muß noch
hinzugefügt werden, daß ein weiterer Ort "Bree"
früher in latinisierter Form auch "Breda" oder "Brida"
geschrieben wurde (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.10) oder genauer: "Nachforschungen von M. Bossus haben
nämlich ergeben, dass der Name der Stadt Brée
1078 'Breda' geschrieben wurde, 1079 'Bréda', 1335
'Briede' und im 15. Jahrhundert 'Brede', während sich
im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts die Schreibweise
'Breda' durchsetzte" (Claessens & Rousseau, 1969,
S.40).
5.3 Zur Schreibweise seines
Namens
Es gibt sehr viele verschiedene Weisen Bruegels Namen zu
schreiben, so daß hier einige Verwirrung aufkommen
mag.
Fangen wir mit seinem Nachnamen an. Konsequent mit einem
"h", also "Brueghel" schreiben z.B. Mieder (1982),
Kusenberg (1949),
Leclerc (1954),
Delevoy (1990)
und Pastor (1937, 1941). Die
meisten schreiben seinen Namen ohne "h", also "Bruegel"
(z.B. Friedländer, 1914, 1921).
Es gibt aber nicht selten auch die Umkehrung von "u" und
"e", also Breugel (Sabbe, 1910;
Colless, 1988)
oder aber auch Breughel (Maeterlinck, 1903;
Taylor, 1965;
Mund, 1976).
Er selbst hat seine frühesten Werke mit "Brueghel"
signiert, änderte aber im Jahr 1559 seine Signatur
konsequent in "Bruegel" bzw. "BRVEGEL" um.
Was seinen Vornamen betrifft, so gibt es noch sehr viel
mehr Varianten. Im englischen, deutschen und
holländischen herrscht im allgemeinen die Schreibweise
"Pieter" vor (z.B. Friedländer, 1921).
Doch gibt es die französische Schreibweise "Pierre"
(z.B. Folie, 1980).
Wir finden aber auch im Deutschen und Englischen "Peter"
(z.B. Friedländer, 1914;
Siple, 1933;
Glück, 1936),
neben z.B. "Petro", "Pedro", "Pietro", "Peeter" usw.
Er selbst hat sich in die Malerzunft mit "Peeter
Brueghels, schilder" - das heißt "Peter (Sohn des)
Brueghel, Maler" - eingeschrieben. Ein wichtiges Dokument
von Guicciardini ("Descrittione di tutti i Paesi Bassi")
nennt ihn als "Pietro Brueghel di Breda" (Seidel &
Marijnissen, 1969,
S.10). Zwei Kupferstiche tragen die Aufschrift "Petrus
Breugel fec. Romae A. 1553" (Friedländer, 1921,
S.36), aber auch die Signatur "Brüeghel" ist bekannt
(1556, Friedländer, 1921,
S.48).
Innerhalb der Forschergruppe scheint man sich auf
folgende Vereinbarung festgelegt zu haben: "Pieter Bruegel",
wenn man den Älteren meint und "Pieter
Brueghel", falls vom Jüngeren die Rede ist
(Dundes & Stibbe, 1981,
S.10). An diese Konvention werde ich mich im folgenden auch
halten.
5.4 Seine Beinamen
Neben den Unstimmigkeiten über seinen eigentlichen
Namen gibt es auch Unstimmigkeiten bei seinem Beinamen. Da
er viele Bilder malte, die das (bunte) Treiben der unteren
Volksschichten zum Gegenstand haben, wird er oft der
"Bauernbruegel" genannt (z.B. Glück, 1937).
Sogar mehrere Publikationen führen diesen "Namen" im
Titel zur Charakterisierung mit (Weinitz, 1915;
Fraenger, 1923;
Hausenstein, 1920,
[5]). Neben diesem oft
verwendeten Beinamen finden wir aber ebenfalls "Pieter der
Drollige" (Mander, 1604) [6].
Auch seine beiden Söhne waren bedeutende Maler und
trugen Beinamen. Pieter der Jüngere (1564-1638) wird
auch der "Höllenbruegel" genannt und Jan (1568-1625)
der "Sammetbruegel" (Weinitz, 1915).
5.5 Seine Lehrer
An der von Mander aufgestellten Behauptung, Bruegel
hätte sein Handwerk bei "Pieter Koeck d'Alost alias
Pieter van Aals" gelernt, haben einige Forscher Zweifel,
denn die Stile der beiden Maler unterscheiden sich
vollkommen (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.11). "Wenn er wirklich, wie van Mander erzählt, bei
dem Maler Peter Koeck, der ein Schüler B. van Orleys
gewesen ist, gelernt hat (gegen diesen Bericht
läßt sich das Schweigen der Antwerpener
Gildenlisten ins Feld führen), so hat er glücklich
zu verlernen gewußt" (Friedländer, 1914,
S.12). Bruegel selbst war von der vorherrschenden
italienischen Kunst kaum beeinflußt. Es kommt hinzu,
daß durch keine Urkunde bestätigt wird, Bruegel
sei ein Schüler Pieter Koecks gewesen. Die Gildenlisten
sind erhalten, aber als Lehrknabe ist Bruegel in Antwerpen
nicht zu finden (Friedländer, 1921,
S.32). Grimme (1973,
S.106) aber schreibt, Bruegel sei nach dem Tode seines
Lehrmeisters Koecks in die Werkstatt des Peter Balten
eingetreten.
Es bleibt viel Raum für Vermutungen, denn Bruegel
kann überall gelernt haben. Es ist auch nicht
auszuschließen, daß Bruegel bei einem Nachfolger
Hieronymus Boschs in s'Hertogenbosch zur Lehre ging. Bei
Bosch selber, der ja 1516 starb, konnte er nicht gelernt
haben (Friedländer, 1921,
S.36).
Als ein Vorläufer und Anreger Bruegels kommt Jan van
Amstel, der Holländer (1528 Meister in Antwerpen,
verheiratet mit der Schwester der ersten Gattin Pieter
Koecks, gerühmt als Landschaftsmaler), in Betracht
(Friedländer, 1921,
S.36).
5.6 Die große
Reise
Vermutlich war Bruegel von Antwerpen geradewegs
südlich durch Burgund gewandert. Um 1552 hatte Bruegel
bereits Frankreich durchquert. Eine Zeichnung aus
Südfrankreich entstand 1552, wenn nicht schon 1551. Sie
ist zwar nicht mit einem Namen versehen, doch steht die
Urheberschaft durch Bruegel fest. Dargestellt ist die Stadt
Vienne, 20 km südlich von Lyon. Er überschritt
vermutlich die Alpen von der französischen Seite aus,
um Italien zu erreichen (Friedländer, 1921,
S.38f). Er war 1552 schon bis Reggio de Calabria gekommen.
Seine Reise durch Italien führte ihn nach Messina,
wahrscheinlich nach Palermo und sehr wahrscheinlich nach
Neapel. Zwei Zeichnungen mit italienischen Motiven
jedenfalls sind mit 1552 datiert. Sicher ist, daß er
1553 in Rom war (Stechow, 1977,
S.14f). Wahrscheinlich wanderte er über die Westalpen
und das Rheintal in seine Heimat zurück. Vielleicht kam
er über Genf (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.12). Schon 1553 war Bruegel anscheinend wieder in
Antwerpen (Friedländer, 1921,
S. 40). Grimme (1973,
S.106) aber nimmt 1554 als Rückreisejahr an.
"Freilich war es ihm nicht darum zu tun, die Monumente
des klassischen Altertums zu studieren und in der Malerei
der italienischen Renaissance nach neuen Stoffen und Formen
zu fahnden. Ähnlich und doch anders als Dürer
brachte er aber Neues nach Hause: den Gewinn wahrer
künstlerischer Freiheit und Beweglichkeit, dazu noch
die Größe der Auffassung der Natur [...]"
(Glück, 1937,
S.9).
5.7 Weitere
Lebensdaten
Zwischen September 1550 und Oktober 1551 arbeitete
Bruegel am Altar der Handschuhmacherzunft von Mecheln.
1550: Nach dem Tod Pieter Coeck van Aelst (1502-1550) tritt
Bruegel in die Werkstatt des Peter Balten ein. Bei Lackner
(1968,
S.1) aber steht, er trat in die Offizin des 'Kupferstechers
und Rhetorikers' Hieronysmus Cock-Wellens ein, der selbst
1546-1548 in Rom gewesen war und jetzt (1552) auch seinen
jungen Schützling in die italienische Hauptstadt
schickte (s.o.).
1551: Breugel tritt als Freimeister in die Antwerpener
Malergilde, die St.-Lukas-Gilde, ein. Die Gildenliste (oder
Liggeren) weist aus: "A° 1551. In 't jaer Ons Heeren
doen men schreef XVe ende een vijftich doen
waeren Dekens ende Rhegeerders van H. Lucasgulde, Gommaer
van Eerenbroeck (ende) Kerstiaen van den Queeckborne, ende
hier na volghen haer vrymeesters die zy ontfangen hebben in
't jaer voorscreven: [...] Peeter Brueghels,
schilder [...]" (Claessens & Rousseau, 1969,
S.26).
1553: In Rom arbeitet Bruegel mit dem Miniaturisten Giulio
Clovio zusammen.
Bis 1556 arbeitet er in Antwerpen. Sein graphisches Werk
überwiegt.
Es gibt Vermutungen, daß er sich 1562 nach Amsterdam
begibt, aber auch daß er in diesem Jahr nach
Brüssel übersiedelt.
1563 heiratet er Maria Cock (oder Coecke, die er Maryken
oder Mayken nannte; Lackner, 1968,
S.1) in Brüssel in der Notre-Dame-de-la-Chapelle. Das
Heiratsregister weist aus: "Peeter Brugell / solmt / Maryken
Cocks" (Claessens & Rousseau, 1969,
S.26). Sie haben sich auch in Brüssel niedergelassen
und wohnten in der rue Haute à Bruxelles (Marlier, 1969,
S.4).
1564 oder Anfang 1565 kommt sein Sohn Pieter der
Jüngere zur Welt
1568 kommt sein Sohn Jan zur Welt
Es soll auch eine Tochter mit dem Namen Marie geben, deren
Geburtsdatum aber nicht bekannt ist (Marlier, 1969,
S.4)
"Bruegel lebte nicht auf dem Lande, sondern in Antwerpen
und Brüssel, nahe dem Mittelpunkt jenes Treiben, das
sich für das politische Leben ausgab"
(Friedländer, 1921,
S.15).
Kurz vor seinem Tod erhielt Bruegel aus Brüssel den
Auftrag, das Ausschachten des Kanals zwischen Antwerpen und
Brüssel in Bildern festzuhalten. Doch wegen seines
Todes unterblieben sie (Roh, 1960,
S.23).
5.8 Sein Tod
Als letztes biographisches Datum muß man noch
hinzufügen, daß Bruegel am 9. September 1569
starb (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.13 und Grimme, 1973,
S.110 nennen allerdings den 5. September 1569; Marlier, 1969, S.4
gibt sogar den 13. Dezember 1569 als Todestag an) und in der
Kirche Notre-Dame de la Chapelle zu Brüssel beigesetzt
wurde, derselben Kirche, in der er und Meyken keine 6 Jahre
zuvor geheiratet haben (Gibson, 1977,
S.18). Als Todesursache wird ein Magengeschwür
angegeben (Lackner, 1968,
S.5). Seine Frau war zu diesem Zeitpunkt etwa 25 Jahre alt.
Sie starb neun Jahre später und wurde neben ihrem Mann
begraben. "Er hinterließ seiner Frau in seinem
Testament ein Bild mit einer Elster auf dem Galgen. Mit der
Elster meinte er die Klatschbasen, die er dem Galgen weihte.
Ferner hatte er ein Bild gemalt, darauf die Weisheit
durchbricht. Nach seiner Aussage war es das Beste, was er
geschaffen hatte" (Carel von Mander, 1604, nach Grimme, 1973,
S.105).
Auf Bruegels Grabstein ist folgende Inschrift zu lesen
(Friedländer, 1921,
S. 52):
Petro
Breugelio
exactissimae industriae
artis venustissimae
pictori
quem ipsa rerum parens natura laudet
peritissimi artifices suspiciunt
aemuli frustra imitantur.
itemq Mariae Coucke ejus conjugi
Johannes Breugelius parentibus optimis
pio affectu posuit.
Obiit ille anno MDLXIX
haec MDLXXVIII
David Teniers jun. ex haeredibus
renovavit a° MDCLXXVI
6. Die Zeit, in der Pieter
Bruegel lebte
Das Leben Pieter Bruegels fiel in eine unruhige Epoche,
die durch Macht- und Glaubenskämpfe gekennzeichnet war.
Einen kurzen Überblick über die Verwirrungen in
dieser Zeit geben z.B. Friedländer (1921)
oder Seidel & Marijnissen (1969).
Seidel & Marijnissen (1969,
S.14) bezeichnen die Epoche des 16. Jahrhunderts als
faszinierend: "Es war ein furchterregendes und zugleich
begeisterndes Zeitalter [...] Es war eine
Blütezeit großer Geister [...] Die Erde
wurde endlich erforscht [...] Es war die Epoche des
Humanismus und der mörderischen Religionskriege, sie
war von Gelehrsamkeit erleuchtet und von Intoleranz und
Haß verfinstert." Vieles, was der Künstler den
Betrachtern seiner Bilder mitteilen wollte, mußte er
verschlüsseln (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.7).
Friedländer (1921,
S.13), entnehmen wir: Zwischen 1550 und 1570, die Zeit, "in
die des Meisters Wirksamkeit fällt", ist gekennzeichnet
von den Vorbereitungen zu einer "Loslösung eines
germanischen, demokratischen und protestantischen
Gemeinwesens von der spanischen, feudalen und katholischen
Weltmacht".
"Harte Bedrohungen, grausame Folterungen und Exekutionen
gaben dem bürgerlichen Dasein dramatische Spannung, und
tragisches Verhängnis verlieh der Alltäglichkeit
den Glanz des Heroischen [...] Was dieses Volk nicht
umzubringen vermochte, machte es stärker. Als Habsburg
mit Schwert und Feuer gegen die Freiheiten der Städte
und die Sitten des Landes vorging, regte sich der
Unabhängigkeitssinn; als die römische Kirche mit
Folter und Tod gegen den Glauben anrückte, erhob sich
der protestierende Geist" (Friedländer, 1921,
S.15).
Seit 1553 regte sich der Widerstand gegen die
Fremdherrschaft, brach aber unter der Regierung Karls V.
noch nicht offen aus.
1556 Karl V. legt die Herrschaft nieder zugunsten
Philipps.
1559 Der spanisch gesinnte Fürst Philipp II.
verläßt die Niederlande für immer. Die
Staatsgewalt wird repräsentiert durch Margarethe (oder
Margareta) von Parma, aber ausgeübt durch Granvela
(oder Granvella) und später durch Alba. Der Kampf gegen
die Unterdrückung durch spanische Truppen beginnt. Die
Kräfte des Landes prägen sich in dem
niederländischen Adel aus, der mit der Regierung in
Konflikt gerät.
1560 Philipp II. erläßt den Edikt zum Abzug
der spanischen Truppen aus den Niederlanden.
ca. 1562 Bruegel siedelt nach Brüssel über.
1564 Kardinal Granvela wird abberufen. Die politischen
Ereignisse spitzen sich zu.
1566 Kardinal Granvela wird Mitregent der Statthalterin
Margareta von Parma. Philipp II. ersetzt im Kampf gegen die
Ketzer das Schafott durch den Galgen. Die Bilderstürmer
plündern die Kirchen.
1567 Große politische Erschütterungen: Wilhelm
von Oranien verläßt das Land, Herzog Alba zieht
mit 60.000 Soldaten in die Niederlande, der 'Rat zur
Bekämpfung der Unruhen' verurteilt 8.000 Aufrührer
zum Tode, Graf Egmont unf Graf Hoorn werden verhaftet.
1568 Egmont wird hingerichtet. Mehr durch dieses
tragische Ende denn durch Gesinnung oder Taten wird er der
Nachwelt als Volksheld überliefert. Seine Hinrichtung
kann als das Signal zum offenen Kampfe betrachtet
werden.
1569 Offener Aufstand der Niederlande gegen Spanien.
Peter Bruegel der Ältere stirbt in diesem Jahr.
(Wiedergabe nach Friedländer, 1921,
S.13, Grimme, 1973,
S.106ff)
"Wir wissen durchaus nichts von Pieter Bruegels Stellung
in den Zeitkämpfen. Weder sein Verhältnis zu der
spanischen Fremdherrschaft noch zu dem evangelischen
Bekenntnis wird uns deutlich" (Friedländer, 1921,
S.14).
7. Sein Werk
Ganz unbestritten ist Pieter Bruegel der Ältere
einer der bedeutensten Maler. In geradezu
schwärmerischen Tönen beurteilen Seidel &
Marijnissen (1969,
S.6): "Pieter Bruegel d.Ä. gehört zu den
größten Meistern der Malerei des Abendlandes, ja,
der Malerei der Welt". Auch Glück äußert
sich ähnlich: "Wir wissen heute, dass Peter Bruegel der
Ältere, auch Bauern-Bruegel genannt, zu den
größten und genialsten Künstlern
gehört, die je gelebt haben" (Glück, 1937,
S.7).
"Bruegel schuf ohne Ehrgeiz, ohne Ruhmsucht, ohne
Eitelkeit. Nirgends langt er strebend mit seiner Absicht
über die Grenzen seiner Natur hinaus. Seine
Selbstsicherheit ruhte auf dem Grunde einer unbestechlichen
Wahrheitsliebe" (Friedländer, 1921,
S.174).
Die meisten seiner Bilder hat Pieter Bruegel in den
letzten 10 Lebensjahren gemalt, so auch dieses Gemälde.
Er hat vor allem Landschaftsbilder und Darstellungen des
Treibens der unteren Volksschichten festgehalten. Die
ältesten inschriftlich datierten Zeugnisse des
Bruegelschen Schaffens stammen aus dem Jahre 1552. Es
handelt sich um zwei landschaftliche Aufnahmen, die wohl
nicht in den Niederlanden entstanden sind (Friedländer, 1921,
S.37).
Friedländer (1914,
S.12) charakterisiert Bruegels Schaffen
folgendermaßen: "Bruegel ist der erste
niederländische Genremaler, obwohl die Generation vor
ihm schon Genrebilder geschaffen hat. Er ist deshalb der
erste, weil sein Verhältnis zum Leben das des
Genremalers ist, weil er - vom Standpunkte des Schulmeisters
- zum Standpunkt des Humoristen vorgedrungen ist."
Seidel & Marijnissen (1969,
S.6) hingegen schreiben: "So gesehen ist Bruegel zweifellos
surrealistisch, um so mehr, als es ihm zuweilen gelingt, die
Realität zugleich ins Erhabene und ins Grausige zu
steigern."
Sabbe (1910)
unterscheidet vier Schaffensperioden. Zwei davon sind stark
von der Folklore beeinflußt. Die erste Periode
zeichnet sich durch seine Landschaftsbilder aus, die zweite,
eine folkloristische, durch Darstellungen von
Sprichwörtern und Gebräuchen. In der dritten
Periode "voelt hij zich meer aangetrokken tot verheven
onderworpen", während er sich in der vierten Periode
den realistischen Darstellungen zuwendet, aber wiederum
folkloristisches Material wählt.
Colless (1988,
S.18) meint hierzu: "We can be reasonably sure that for
Breugel the proverb represented an encyclopaedic but pithy,
graphic and thus eminently memorable form of popular, if not
rustic, wisdom: a wisdom humorously and endlessly
counselling against human folly."
Sein Freund Abraham Ortelius schrieb in einem Nachruf:
"Vieles malte Bruegel, was man eigentlich nicht malen kann"
(nach Lackner, 1968,
S.5).
8. Sein (vermeintliches)
Menschenbild
Kusenberg (1949,
S.13f) meint, Bruegel malte dieses Bild "aus Menschenliebe,
nicht aus Menschenhaß, denn so streng und so
farbenfroh kann nur Liebe sein. [...] Das
räumlich-zeitliche Nebeneinander und Durcheinander des
Bildes verwirrt, doch diese Verwirrung ist Absicht - es soll
ja ein tolles Treiben zustande kommen [...] Es ist
ein Weltbild, wie alle Werke Brueghels, kein freundliches,
sondern ein grimmig-humoriges, mit grobianischem Einschlag",
wobei Kusenberg neben einigen nackten Hintern und den
Notdurftverrichtern auch auf die insgesamt 16
Schweinerüssel anspielt, die auf dem Bild zu sehen
sind. Aber Kusenberg betont auch die Darstellung der
Verkehrtheit der Welt, "nicht als Werk Gottes, sondern als
menschliches Pfuschwerk"; diese "'wirkliche' Welt" habe man
erst entdecken müssen (1949,
S.13).
Jedlicka (1950,
S.23) schreibt in seiner Abhandlung über das
Gemälde "Das Gleichnis von den Blinden", daß es
scheine, als verkörperten die Blinden für Bruegel
"die Menschheit überhaupt". Es soll "die Anschauung
wieder[geben], die Bruegel von der ganzen Menschheit
und von ihrem Schicksal hat. Sie ist, wie jede große
Weltanschauung, tragisch." Er geht mit seiner Interpretation
recht weit: "Bruegels Gleichnis von den Blinden ist ein
künstlerisches Testament" (vgl. auch Grimme, 1973,
S.41).
Grimme (1973,
S.39) zählt Bruegel gar zu den "Moralisten", die
"klärend, tröstend, warnend den Menschen einen
gemalten Narrenspiegel vorhalten." Auch Seidel &
Marijnissen sehen in diesem Gemälde Bruegel als einen
Moralisten, "als rufe er den Betrachtern zu: 'So schlimm
treibt ihr es!'" (Seidel & Marijnissen, 1969,
S.38).
Friedländer (1921,
S.15) hingegen sieht Bruegel näher am Volke: "mit
seinem Herzen war er bei dem niederdeutschen Stamme
[...] Er hat dieses Volk verstanden und geliebt, hat
Bedürfnisse, Zuneigungen und Abneigungen mit ihm
geteilt."
Für Glück (1937,
S.43) ist dieses Gemälde "als ein Gesamtbild der
Verkehrtheit der Welt zu deuten, veranschaulicht durch viele
Narrheiten menschlichen Tuns." Auch Gibson (1977)
sieht in diesem Gemälde das "Theater dieser Welt", in
der das menschliche Leben als ein "absurdes Spektakel
erscheint.
Kunzle (1977)
hingegen meint, dieses Gemälde zeige, wie das
bäuerliche Leben wirklich war, allerdings gesehen aus
einer aristokratischen Sicht: "This is the way peasants
really are". Er übersieht dabei aber, daß auf
diesem Gemälde Menschen unterschiedlicher Herkunft und
Berufe gleichermaßen abgebildet sind (Mori, 1995,
S.43).
Die Meinungen gehen also weit auseinander, wie Stridbeck
(1956,
S.171) zusammenfassend festhält: "Während manche
Forscher sich an den humoristisch-ironischen Zug in Bruegels
Menschenschilderung halten, haben andere den pessimistischen
und bittersatirischen Einschlag als das Wesentliche
hervorgehoben. Deutlich kommt dieser Gegensatz zum Ausdruck,
wenn man beispielsweise Fraengers Ableitung der Moral des
'Sprichwörterbildes' aus einer allgemein
pessimistischen Tendenz der zeitgenössischen
Menschenauffassung, einer Reaktion gegen Torheit und
hemmungslose Selbstüberhebung (den 'zügellosen
Eigenwahn'), vergleicht mit Tolnays Meinung, die
Sprichwörter und andere motivisch nahe Darstellungen
repräsentieren eine humoristisch-satirische Vorstellung
vom Menschen". So wird Tolnay wie folgt zitiert: "Die Bilder
[...] sind Scherzgemälde, in denen der
Künstler sich von der quälenden Sinnlosigkeit
menschlicher Handlungen durch eine humorvolle Schau befreit"
(Stridbeck, 1956,
S.171).
Stridbeck faßt zusammen (1956,
S.172): "Das wirkliche Wesen der Welt- und
Menschenauffassung, illustriert durch 'Die
Sprichwörter', bleibt in vielem weiterhin
problematisch." Roh versucht den Kompromiß: "Carel van
Mander erblickte hier 1604 nur baren Humor, während
Gustav Glück im 20. Jahrhundert sich dagegen auflehnte
und grimmigen Pessimismus aus dem Gemälde herauslas.
Wahrscheinlich haben beide recht, denn der ausgesprochen
'schwarze Humor', welcher hier waltet, pflegt jene
Gegensätze zu vereinen" (Roh, 1960,
S.6).
Mori (1995,
S.41) macht drei verschiedene Haupttendenzen in der
Interpretation Bruegels aus. Erstens die Humanistische
Interpretation, die in Bruegels Schaffen vor allem
menschliche Dummheit und menschliches Unvermögen
charakterisiert sehen möchte; hier nennt sie z.B. de
Tolnay, Stridbeck und Grossmann. Zweitens eine soziologische
Tendenz, die eine Allusion der spanischen Unterdrücken
in Bruegels Werk sehen möchte. Hier nennt sie z.B.
Auner und Claessens. Drittens gibt es eine Tendenz, die
Bruegel zeitgenössisch betrachtet und vor allem
eine Verbindungen Bruegels zu ähnlichen Werken anderer
Kunstgattungen herstellt. Diese Tendenz sei z.B. durch
Marijnissen und Gibson repräsentiert. Natürlich
gibt es auch Kombinationen, diese Einordnung nimmt sie vor,
indem sie die Hauptaspekte der Forscher betrachtet. Mori
selbst wendet sich hauptsächlich gegen eine Auffassung,
die Bruegels Werken einen übertriebenen Einfluß
auf das politische Geschehen unterstellt.
9. Syntaktische Analyse seines
Gemäldes [7]
"Vorerst sehen wir keine Abschnitte, keine Interpunktion,
können die Sprichwörter nicht lesen. Wir
genießen, ohne zu begreifen, dies Gewimmel
menschlicher und tierischer Lebensäußerungen,
werden erregt durch die Fülle der Gesten, die
ausdrucksvoll, wenn auch nicht verständlich sind, und
glauben ein Abbild des Lebens zu sehen von einem
Standpunkte, von dem aus alles menschliche Tun wie sinnloses
Narrentreiben erscheint" (Friedländer, 1914,
S.10). "So isoliert und frei-rhythmisch sich die Menschen
aneinanderreihen, so verschroben und verschachtelt sind die
Bühne und die Architektur der komplizierten Dorfanlage"
(Würtenberger, 1957,
S.87).
"Die
äußere Fülle des Geschehens verwirrt den
Betrachter zuerst. Sie zwingt ihn immer wieder, von der
einen Szenen zur anderen zu wandern. Und eigentlich behebt
sich diese Verwirrung auch später - wenn er meint, das
Bild zu kennen, sich in ihm zurechtzufinden oder richtiger:
es lesen zu können - nicht ganz. Wer in diesem Bild
einen Halt sucht, nach einem Mittelpunkt, von dem aus es
sich selbstverständlich und lückenlos
erschließt, der sucht lange vergeblich. Eine solche
Gliederung ist zwar auch vorhanden [...] Es ist als
ob sich in ihr zwei verschiedene Möglichkeiten der
Gliederung durchdringen, von denen die eine für den
früheren, die andere für den späteren Bruegel
charakteristisch ist" (Jedlicka, 1938,
S.59).
"Nur ein Illustrator, ein Zeichner, der gewöhnt war,
das erklärende Wort in der Nähe zu haben, konnte
an die Aufgabe unseres Bildes gehen. Nur ein Zeichner, dem
die Gedanken leicht beieinander wohnen, die Dinge sich nicht
hart im Raume stoßen wie dem Maler, konnte wagen,
diese Fülle von Gestalten auf so enge Fläche zu
zwängen. Und andererseits nur ein Maler, der die
Illustration zu überwinden strebte, konnte die
Einheitlichkeit des Raumes - auf Kosten der inhaltlichen
Klarheit - erzwingen" (Friedländer, 1914,
S.11).
"Er legte den Horizont so hoch wie möglich und
entwarf eine Lokalität als Bühne mit
landschaftlichem Ausblick auf Feld, Wald und See, mit
allerhand Baulichkeiten, von deren Fenster- und
Türöffnungen er keine unbenutzt ließ. Die
ebenso geistreiche wie naive Bemühung hat zum mindesten
dem Meister Gelegenheit zu verschwenderischem
Ausschütten seiner Gaben verschafft" (Friedländer, 1914,
S.12).
"Andererseits spürt man, wenn auch nur in einer
keimhaften Form, doch das Bestreben, den Inhalt, die Figuren
um die verschiedenen Achsen und Diagonalen anzuordnen: womit
der Ansatz zu einer bildmäßigen Hierarchie
gegeben wird" (Jedlicka, 1938,
S.60).
"Diagonalen über Diagonalen locken den Blick in die
Tiefe, überkreuzen sich zugleich aber so oft, daß
ihr schräges Gitterwerk das Auge wieder auf die
Malfläche zurückzwingt, auf diesen ungeheuerlichen
Rebus, den man wie einer, der von Stein zu Stein einen Bach
überspringt, nur stückweise, nur figurenweise
ablesen kann" (Kusenberg, 1949,
S.13).
"Auch eine senkrechte Mittelachse, die die Gliederung zu
sichern vermag, ist angedeutet. Sie wird durch das schlanke,
blaue Säulchen bestimmt, welches das Kapellendach
stützt und durch den Turm darüber, der die
Brücke nach links abschließt. Das muß auf
einer künstlerischen Absicht beruhen. Den Beweis
dafür sehen wir in dem folgenden: haargenau im Kapitell
diese Säulchens treffen die beiden Bilddiagonalen und
also die waagerechten und senkrechten Bildachsen zusammen"
(Jedlicka, 1938,
S.62).
"Er [Bruegel] gehört auch ohne Zweifel zu
den niederländischen Malerspezialisten. Aber hier wird
seine Einreihung problematisch. Wohl spezialisierte er sich
auch, er ist aber kein Spezialist im üblichen Sinn.
dafür besitzt er ein wesentlich weiteres und tiefer
verankertes, eben spezifiziertes und damit universaleres
Weltbild. Bruegel ist mehr als nur der Maler seiner Zeit"
(Würtenberger, 1957,
S.8).
Für eine Reinterpretation von Bruegels Schaffen aus
humanistischer Sicht siehe Sullivan (1991).
Mit Kusenberg (1949,
S.14) wollen wir schließen und uns dem zweiten Teil,
den Ausdeutungen des Bildes zuwenden: "Wie reich ist dieses
Bild, wie strömend das Füllhorn des
Künstlers."
Anmerkungen
[1]
Die Bildunterschriften nach Fraenger (1923,
S.138-139):
1. Ontijdiel tuysschen, droncken drincken / Mackt arm,
misacht den naem, doet stinken.
(Zur Unzeit spielen und sich trunken trinken / Macht
arm, schändet den Namen und tut stinken.)
2. Een Placebo ben ick ende alsoo gesint / Dat ick de
huijck alom hanck nae den wint.
(Ich bin ein Wie´sbeliebt und so gesinnt, Daß ich
den Mantel immer hänge nach dem Wind.)
3. In d´een hant draghe vier, in danter waeter / Met
clappaers en clappeijen houd ick den snaeter.
(In der einen Hand trag ich Feuer und in der andern Wasser,
Ich halte meinen Mund mit Schnattern und Gequasser.)
4. Int slampampen en mocht mij niemant verraschen / Al
quijt, sit ick tusschen twee stoelen in dasschen.
(Schlampampend kann mich niemand überraschen, Allweil
sitz ich zwischen zwei Stühlen in der Aschen.)
5. Wat baet het sien en derclijck loncken / Ick stop den
put als kalf is verdronken.
(Was nützt sein Besitz einem solchen Halunken? Ich
schütt den Brunnen zu, nachdem das Kalb ertrunken.)
6. Die lust heet te doen verlore wercken / Die stroyt de
rosen voor de vercken.
(Wer Lust hat zu verlorenem Gewerkel, Der streut die Rosen
vor die Ferkel.) 
7. Tharnasch maeckt mij een stooten haen / Ick hange de
kat de belle aen.
(Der Harnisch macht mich zum streitbaren Hahn, Ich
hänge der Katze die Schelle an.)
8. Mijns naesten welderen mijn herte pijnt / Ick en mach
niet lijden dat de sonne int waeter schijnt.
(Des Nachbarn Wohlergehen mir Kummer macht, Mich
kränkt, daß die Sonne ins Wasser lacht.)
9. Crijgel ben ick en van sinnen stuer / Dus loop ick met
den hoofde tegen den muer.
(Streitsüchtig bin ich und von Zorn entbrannt, Drum
lauf ich mit dem Kopf gegen die Wand.)
10. Mij compt het mager, aen andere het vet / Ick vischle
alttyt achter het net.
(Ich kriege das Magre, der andre das Fett, Ich fische
allzeit hinter dem Netz.)
11. Ick stoppe mij onder een blav huycke / Meer worde ick
bekent, hoe ick meer duycke.
(Ich stecke mich unter die blaue Hucke, Noch
gößer mein Verruf, je mehr ich mich
verducke.)
12. Wat ick vervolghe, en geraecke daer niet aen / Ich
pisse altyt tegen de maen.
(Was ich verfolge, das erreiche ich nicht, Bin ich doch
stets aufs Mondlöschen erpicht.)
[2] Neben den zumeist gemeinten
inhaltlichen Ähnlichkeiten der Werke der genannten
Künstler weist Sullivan (1991)
auch auf eine Ähnlichkeit in der Organisation hin:
"Bruegel's painting [...] has a loose but orderly
arrangement that is similar to the organization of many of
the proverb books" (Sullivan, 1991,
S.444).
[3] Weinstock (1966,
S.142f) entnehmen wir: "Im fünften und letzten Buch der Faicts et dicts heroïques du bon Pantagruel schildert Rabelais das Inselreich der Entelechie oder
Quinte Essence mit seinem Zufahrtshafen Mateotechnie. Dort
verrichten im XXI. Kapitel die Beamten der Königin
allerlei sprichwörtlich Absurdes, Groteskes und
Paradoxes. Sie verwirklichen das scheinbar Unmögliche:
Sie scheren Esel und finden den Schurertrag an Wolle sehr
lohnend; sie melken Böcke in ein Kornsieb und entdecken
den wirtschaftlichen Gewinn ihrer Methode; sie jagen Winde
mit Netzen, fangen Krebse von zehnfacher Größe;
sie machen aus Nichts ungeheuerlich Großes und lassen
das Riesenhafte wieder in ein Nichts zerrinnen; sie
schneiden Feuer mit einem Messer, schöpfen Wasser in
einem Sieb, u.a.m., - kurz, sie parodieren sinnwidrige
Arbeitsgänge in Verspottung und zum Mißbehagen
Heinrich II. und seines Hofstaates."
[4] Für die Interpretation
als "Verkehrte Welt" beruft sie sich auf Grossmann, Dundes
& Stibbe und Kunzle. Sie fügt aber hinzu: "The
title presently preferred for the painting is Netherlandish Proverbs, although there is no
documentary evidence that it was identified in this way in
the sixteenth century, and if Hogenberg's print has any
relation to Bruegel's painting it throws doubt on the
viability of the modern title. Hogenberg wrote on his print,
"The Blue Cloak [Die Blau Huicke]", adding the
explanatory subtitle, "it would better named the follies of
the world", and "Blue cloak" proverb collections became a
veritable subgenre later in the century" (Sullivan, 1991,
S.445). Für den Nachweis einer Verbindung Hogenberg -
Bruegel siehe Sullivan (1991,
S.447).
[5] Lackner (1968,
S.2) aber schreibt: "Der 'Bauernbruegel!'? Nein, man sollte
ihn nicht so nennen! [...] Heute allerdings wird
diese einschränkende Bezeichnung seltener und Bruegels
Universalgenie ist allgemein anerkannt."
[6] "The rediscovery of Bruegel
was made by historians with an ideological investment in
Bruegel as a lover and defender of the folk (the conception
of 'droll Peter' was quickly dropped and the comic
components in his art were minimized)" (Sullivan, 1991,
S.432).
[7] Ausführungen zu Farben
und Maltechnik bei diesem Gemälde z.B. bei Jedlicka
(1938,
S.64ff). Ausführungen zu Farbe bei Bruegel insgesamt
z.B. bei Mössner (1975).
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