[1]Anmerkungen:

Vgl. Otto Moll, Sprichwörterbibliographie (Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann, 1958); und Wolfgang Mieder, International Proverb Scholarship: An Annotated Bibliography, 3 vols. (New York: Garland Publishing, 1982, 1990, and 1993).

[2] Vgl. Richard Werner, Zur Geschichte der "Proverbes dramatiques" (Berlin: R. Gaertner, 1887); Clarence D. Brenner, Le développement du proverbe dramatique en France et sa vogue au XVIIIe siècle (Berkeley/California: University of California Press, 1937); und vor allem auch Walter Pape, "Der ästhetische Erzieher: Christian Felix Weiße oder die bürgerliche Utopie," in ders., Das literarische Kinderbuch (Berlin: Walter de Gruyter, 1981), S. 211-235 (Sprichwörterschauspiele).

[3] Vgl. hierzu Wolfgang Mieder, "Geschichte und Probleme der neuhochdeutschen Sprichwörterlexikographie," in Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.), Studien zur neuhochdeutschen Lexikographie (Hildesheim: Georg Olms, 1984), Bd. 5, S. 307-358; und ders. "Das Sprichwörterbuch," in Franz Josef Hausmann u.a. (Hrsg.), Wörterbücher. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie (Berlin: Walter de Gruyter, 1989), Bd. 1, S. 1033-1044.

[4] Die Sammlung wurde mit einem Vorwort und einer umfassenden Bibliographie neu herausgegeben von Wolfgang Mieder (Hildesheim: Georg Olms, 1990), S. 1*-32*.

[5] Vgl. Johann Christoph Gottsched, "Versuch einer Erklärung vieler eigentlichen deutschen Redensarten, aus den morgenländischen, griechischen und römischen Alterthümern," Beyträge zur kritischen Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit, 3 (1741), 79-118; ders., Vollständigere und Neuerläuterte Deutsche Sprachkunst, 5. Aufl. (Leipzig: Breitkopf, 1762; Nachdruck hrsg. von Monika Rössing-Hager. Hildesheim: Georg Olms, 1970), S. 538-558; und Wolfgang Mieder, "Die Einstellung der Grammatiker Schottelius und Gottsched zum Sprichwort," Sprachspiegel, 38 (1982), 70-75. Vgl. auch noch den ebenfalls positiv eingestellten Aufsatz von Johann Friedrich Mieg, "Ueber die Volksweisheit in Sprüchwörtern," in ders., Ueber das Studium der Sprache, besonders der Muttersprache (Frankfurt am Main: Esslinger, 1782), S. 162-203.

[6] Vgl. J. Alan Pfeffer, The Proverb in Goethe (New York: Columbia University Press, 1948); und James Beattie MacLean, Use of the Proverb in Schiller's Dramas (Diss. University of Washington, 1952). Weitere Literaturangaben in Wolfgang Mieder, Proverbs in Literature: An International Bibliography (Bern: Peter Lang, 1978).

[7] Vgl. Johann Gottfried Herder, Sämmtliche Werke, hrsg. von Bernhard Suphan (Berlin: Weidmann, 1889), Bd. 30, S. 266-274.

[8] Beide Sammlungen sind von Wolfgang Mieder mit detaillierten Einleitungen und Bibliographien als Nachdrucke herausgegeben worden; Francks Sammlung (Hildesheim: Georg Olms, 1987) und Lehmanns massive Sammlung (Bern: Peter Lang, 1986). Für Lessings Auszüge vgl. Gotthold Ephraim Lessing, Sämtliche Schriften, hrsg. von Karl Lachmann, 3. Aufl. (Leipzig: G. J. Göschen, 1900), Bd. 15, S. 462-483.

[9] Vgl. Lessing (wie Anm. 8) Bd. 15 (auf verstreuten Seiten).

[10] Vgl. Daniel Calvez, Le langage proverbial de Voltaire dans sa correspondance (1704-1769) (Bern: Peter Lang, 1988).

[11] Vgl. zum Beispiel Wilhelm Heinse, Sämmtliche Werke, hrsg. von Albert Leitzmann (Leipzig: Insel, 1924-1925), Bd. 8, Teil 1, S. 68-91; und Bd. 8, Teil 2, S. 173-175.

[12] Zitiert aus Karl Julius Weber, Demokritos, der lachende Philosoph (München: Winkler, 1966), S. 346-347.

[13] Vgl. Rudolf Jung, Studien zur Sprachauffassung Georg Christoph Lichtenbergs (Diss. Frankfurt am Main, 1968); Helmut Arntzen, "Aphorismus und Sprache. Lichtenberg und Karl Kraus," in ders., Literatur im Zeitalter der Information (Franfurt am Main: Athenäum, 1971), S. 323-338; und Thomas Althaus, "Aphorismus und Experiment: Lichtenbergs Versuche mit Worten," in Norbert Oellers (Hrsg.), Politische Aufgaben und soziale Funktion von Germanistik und Deutschunterricht (Tübingen: Niemeyer, 1988), S. 355-379.

[14] Alle Zitate stammen aus den beiden ersten Bänden von Georg Christoph Lichtenberg, Schriften und Briefe, hrsg. von Wolfgang Promies (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1968 und 1971). Die Zahl in Klammern mit einem Buchstaben kennzeichnet das jeweilige "Sudelbuch" und die Nummer des Texts. Außerdem wird noch die Seitenzahl der vorliegenden Ausgabe registriert.

[15] Vgl. auch den kürzeren Text "Das Schafs-Kleid des goldnen Vlieses". (L566, S. 928)

[16] Zu Lichtenbergs Einstellung gegenüber Metaphern vgl. auch Georg Seidler, Versuch über die Bemerkungen Lichtenbergs (Stuttgart: Kohlhammer, 1937), S. 86-91; Joseph Peter Stern, Lichtenberg: A Doctrine of Scattered Occasions (Bloomington/Indiana: Indiana University Press, 1959), S. 203-208; Helmut Arntzen, "Beobachtung, Metaphorik, Bildlichkeit bei Lichtenberg," Deutsche Vierteljahrsschrift für Geistesgeschichte und Literaturwissenschaft, 42 (1968), 359-372 - jetzt auch in Arntzen (wie Anm. 13), S. 65-78; und Gerhad Neumann, Ideenparadiese. Untersuchungen zur Aphoristik von Lichtenberg, Novalis, Friedrich Schlegel und Goethe (München: Wilhelm Fink, 1976), S. 238-245.

[17] Vgl. zu dieser Redensart Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten (Freiburg: Herder, 1973), Bd. 1, S. 434-438 (mit weiteren Literaturangaben).

[18] Zum Formproblem der Sudelbücher vgl. vor allem Kurt Besser, Die Problematik der aphoristischen Form bei Lichtenberg, Fr. Schlegel, Novalis, Nietzsche (Berlin: Junker und Dünnhaupt, 1935), bes. S. 66-102; Jost Andreas Müller, Formprinzipien des Aphoristischen. Eine Untersuchung der Aphorismen Georg Christoph Lichtenbergs (Zürich: Juris, 1967); Rudolf Wildbolz, "Über Lichtenbergs Kurzformen," in Maria Bindschedler und Paul Zinsli (Hrsg.), Geschichte, Deutung, Kritik. Literaturwissenschaftliche Beiträge, dargebracht zum 65. Geburtstag Werner Kohlschmidts (Bern: Francke, 1969), S. 109-133; und Piroska Kocsány, "Aphorismus, Reflexion und Fragment als Texttypen. Ein Versuch über Lichtenbergs Kurzformen," Arbeiten zur deutschen Philologie / Nemet Filologiai Tanulmanyok, 16 (1985), 85-94.

[19] Vgl. Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Internationale Titulaturen (Leipzig: Hermann Fries, 1863; Nachdruck mit einer Einleitung und Bibliographie hrsg. von Wolfgang Mieder. Hildesheim: Georg Olms, 1992), Bd. 1, S. 3-53. Vgl. auch Lichtenbergs längeren Prosatext über die Deutschen (D444, S. 297-298).

[20] Die ganze Schrift zur Methyologie ist abgedruckt in Promies (wie Anm. 14), Bd. 3, Teil 1, S. 317-325 und Bd. 3, Teil 2, S. 144-148 (Anmerkungen). Vgl. auch Franz Mautner, Lichtenberg: Geschichte seines Geistes (Berlin: Walter de Gruyter, 1968), S. 82-83; Jung (wie Anm. 13), S. 24-26. Vgl. aber vor allem die ausgezeichnete sprach- und volkskundliche Studie von Hans-Friedrich Rosenfeld, "Georg Christoph Lichtenbergs Patriotischer Beytrag zur Methyologie der Deutschen und die niederdeutsche Methyologie der Gegenwart," Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 78 (1955), 83-130. Für weitere redensartliche Ausdrücke zur Trunkenheit vgl. Friedrich Woeste, "Niederdeutsche Ausdrücke für `trunken sein'," Die deutschen Mundarten, 5 (1858), 67-74; Hermann Schrader, Das Trinken in mehr als fünfhundert Gleichnissen und Redensarten. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung aus der Methyologie (Berlin: Lüstenöder, 1890); H. Schudt, "`Er ist betrunken'," Hessische Blätter für Volkskunde, 27 (1928), 76-89; und Röhrich (wie Anm. 17), Bd. 2, S. 1087-1090. Wie man sieht, hat sogar Lichtenbergs Begriff "Methyologie" Anklang gefunden. Was Lichtenberg wohl zu dieser Präokkupation deutscher Sprachforscher und Volkskundler mit der Methyologie zu sagen hätte?

[21] Vgl. Walter Arthur Berendsohn, Stil und Form der Aphorismen Lichtenbergs. Ein Baustein zur Geschichte des deutschen Aphorismus (Kiel: Walter G. Mühlau, 1912), S. 82-83, 92, und 101. Seidler (wie Anm. 16), S. 94 weist ganz kurz auf drei sprichwörtliche Aphorismen hin, und Besser (wie Anm. 18), S. 80-81 tut dasselbe für drei weitere Texte. Was sonst noch bisher zu Lichtenbergs auf Sprichwörtern beruhenden Aphorismen gesagt worden ist, das bezieht sich auf lapidare Hinweise zu vereinzelten Texten.

[22] Ebenda, S. 128-129. Vgl. auch Besser (wie Anm. 18), S. 12-14; Lutz Röhrich und Wolfgang Mieder, Sprichwort (Stuttgart: Metzler, 1977), S. 4-6 (mit weiteren Literaturangaben); und Harald Fricke, Aphorismus (Stuttgart: Metzler, 1984), S. 23-24. Weitere kurze Hinweise auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Aphorismus und Sprichwort befinden sich in Gerhard Neumann (Hrsg.), Der Aphorismus. Zur Geschichte, zu den Formen und Möglichkeiten einer literarischen Gattung (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1976).

[23] Vgl. Wildbolz (wie Anm. 18), S. 120-133.

[24] Wolfgang Mieders drei Bände Antisprichwörter (Wiesbaden: Verlag für deutsche Sprache, 1982; Wiesbaden: Gesellschaft für deutsche Sprache, 1985; Wiesbaden: Quelle & Meyer, 1989) enthalten 4500 Texte, wovon viele von deutschen Aphoristikern stammen. Vgl. auch Mieders folgende Einzelstudien: "`Ausnahmen können auch die Vorboten einer neuen Regel sein'. Zu den sprichwörtlichen Aphorismen von Marie von Ebner-Eschenbach," Sprachspiegel, 45 (1989), 66-73; "Karl und Kraus und der sprichwörtliche Aphorismus," in ders., Deutsche Sprichwörter in Literatur, Politik, Presse und Werbung (Hamburg: Helmut Buske, 1983), S. 113-131; "`Ein Aphoristiker dreht oft das Sprichwort im Munde herum'. Zu den Aphorismen von Gerhard Uhlenbruck," in ders., Sprichwort, Redensart, Zitat. Tradierte Formelsprache in der Moderne (Bern: Peter Lang, 1985), S. 53-63; "`Wahrheiten: Phantasmen aus Logig und Alltag'. Zu den sprichwörtlichen Aphorismen von Werner Mitsch," Muttersprache, 98 (1988), 121-132; "`Gedankensplitter, die ins Auge gehen'. Zu den sprichwörtlichen Aphorismen von Gabriel Laub," Wirkendes Wort, 41 (1991), 228-239; und "`Eigener Unruheherd ist Goldes wert'. Zu den sprichwörtlichen Aphorismen von André Brie," Sprachpflege und Sprachkultur, 40 (1991), 8-11. Vgl. auch noch Iwona Frackiewicz, "Sprichwörtliche Aphorismen von Stanislaw Jerzy Lec," Proverbium, 7 (1990), 77-88.

[25] Zitiert aus Gerhard Fieguth (Hrsg.), Deutsche Aphorismen (Stuttgart: Philipp Reclam, 1978), S. 72 (Nr. 5). Diese Anthologie enthält auf den S. 3-19 eine Auswahl von 156 Lichtenberg-Aphorismen.

[26] Kocsány (wie Anm. 18), S. 86.

[27] Vgl. zu diesem Text auch Kocsány (wie Anm. 18), S. 86. Die Autorin spricht diesem Text wegen seiner "generalisierenden Aussage" einen gewissen Sprichwortcharakter zu.

[28] Vgl. hierzu das deutsche Sprichwort "Wer sich zur Scheibe stellt, wird vom Schuß gefällt" in Karl Friedrich Wilhelm Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 5 Bde. (Leipzig: F.A. Brockhaus, 1867-1880; Nachdruck Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1964); hier Bd. 4 (1876), Sp. 117, Scheibe Nr. 4.

[29] Vgl. dazu Jochen Möckelmann und Sönke Zander, Form und Funktion der Werbeslogans (Göppingen: Alfred Kümmerle, 1972); und Wolfgang Mieder, Das Sprichwort in unserer Zeit (Frauenfeld: Huber, 1975).

[30] Wander (wie Anm. 28), Bd. 4 (1876), Sp. 1765, Wahrsagen Nr. 2. Kocsány (wie Anm. 18), S. 91 nimmt an, daß es sich bei dem ersten Teil "Vom Wahrsagen läßt sich's wohl leben in der Welt" um einen "Gemeinplatz" (d.h. Sprichwort) handelt. Lichtenberg habe dann durch den Zusatz "aber nicht vom Wahrheitssagen" einen prägnanten Aphorismus daraus gemacht, dessen "Wirkung in der Gegenüberstellung von Wahrsagen und Wahrheitssagen [basiert], von denen man `normalerweise' annehmen möchte, daß sie einander ähnlich sind, von denen aber der Aphorismus beweisen kann, daß sie doch nicht ähnlich sind". Das ist zwar eine zustimmbare Interpretation, nur ist auch der erste Teil des Aphorismus eben nicht als gängiges Sprichwort belegt.

[31] Zu Wanders Arbeitsweise vgl. Annelies Herzog, Karl Friedrich Wilhelm Wander als Sammmler und Bearbeiter des deutschen Sprichwortschatzes (Diss. Universität Dresden, 1957) und Dietmar Peil, "Karl Friedrich Wilhelm Wander und sein Deutsches Sprichwörter-Lexikon," Proverbium, 8 (1991), 129-145.

[32] Zu dem Begriff "Pseudosprichwort" vgl. Hilda Hulme, "On the Detail of Proverb Idiom, King Lear, II,iv,65-88," English Studies, 51 (1970), 529-537.

[33] Vgl. die Aphorismen "Er besaß viel Philosophie, oder common sense, der so aussah" (B205, S. 104), und "Leute von schwachem Common sense sind die die alles wahrscheinlich finden was ihnen ein Mann, auf den sie einmal ein Vertrauen gesetzt haben, vorsagt" (E369, S. 426). Zum "gesunden Menschenverstand" bei Lichtenberg vgl. Neumann (wie Anm. 16), S. 110-114.

[34] Vgl. dazu vor allem Mautner (wie Anm. 20), S. 226-227.

[35] Völlig richtig stellt Neumann (wie Anm. 16), S. 92 im Zusammenhang mit diesem Aphorismus folgendes fest: "Es gehört zu den wesentlichen Charakteristika von Lichtenbergs `Aphoristik', daß sie gerade den bündigen Lakonismen des Sprichworts, dem abstrakten Merksatz wie der metaphorischen Vereinfachung mißtraute". Hier sei auch noch auf die ebenfalls ambivalenten schöngeistigen Auseinandersetzungen mit einigen Lichtenberg-Aphorismen von Kurt Bracharz hingewiesen, die dieser in seinem lesenswerten Buch Ein Abend-Essen zu Fuß: Notizen zu Lichtenberg (Zürich: Diogenes, 1987) zusammengestellt hat. Bezüglich dieses Textes bietet der Autor folgenden Kurzprosatext (S. 225): "`Nester ausgeflogner Wahrheiten': Titel für eine Anthologie jener Lichtenberg-Aphorismen, die ihren Sinn mittlerweile verloren haben oder nie einen hatten: es sind mehr, als ich mir vor der Arbeit am vorliegenden Buch gedacht hätte. Man könnte sogar einen Band wie den vorliegenden gegen Lichtenberg zusammenstellen, der auf einen Unbedarften den Eindruck machen würde, man hätte den Mann umfangreich und redlich zitiert und zerrisse ihn zu Recht. Die üblichen Anthologien verfälschen zwangsläufig sein Bild, nicht nur, indem sie seinen Antisemitismus weglassen".

[36] Zu dieser Sprichwortantithetik vgl. H.G. Keene, "Conflicts of Experience," Living Aage, 185 (May 24, 1890), 483-486; Willy Kramp, "Sind Sprichwörter wahr?" Die Furche, 23 (1937), 135-140; Oskar Cöster, "Maulschellen für den `Volksmund' - Epigramme zur Dialektik des Sprichworts," in Bodo Lecke (Hrsg.), Projekt Deutschunterricht 12. Kommunikationsanalyse II - Sprachkritik (Stuttgart: Metzler, 1977), S. 131-147 und S. 168*-175* (Texte); und Kwesi Yankah, "Do Proverbs Contradict?" Folklore Forum, 17 (1984), 2-19.

[37] Vgl. auch noch folgenden Aphorismus in bezug auf Physiognomie und Sprichwort: "Es wäre der Mühe wert in den Wörterbüchern aufzusuchen, was für physiognomische Regeln in die Sprache übergetragen worden sind, hauptsächlich der Griechen. Wir haben Spitzkopf, Dickkopf. (In Sprüchwörtern fände sich ebenfalls manches vielleicht.) [...]" (F222, S. 494). Lichtenberg hat keine Sammlung physiognomischer Sprichwörter hinterlassen, doch folgt zwei Texte später folgender Aphorismus, der eines der bekanntesten stereotypischen Sprichwörter gegen rothaarige Menschen enthält: "Die Leute bemerken wohl, wo es etwas zu bemerken gibt. Amtmanns-Bauch. Rote Haare wachsen auf keinem guten Grunde. Gotteswort vom Lande" (F224, S. 494). Vgl. aber Hans von Hentig, "Physiognomik im Sprichwort," Archiv für Kriminologie, 80 (1927), 136-144; Wayland D. Hand, "A Dictionary of Words and Idioms Associated with Judas Iscariot," University of California Publications in Modern Philology, 24, Nr. 3 (1942), 289-356; Elfriede Grabner, "`Rotes Haar und roter Bart ...': Redensart, Volksmedizin und Volksmeinung um die Rothaarigen," Schweizer Volkskunde, 53 (1963), 10-20; Hans Niedermeier, "Die Rothaarigen in volkskundlicher Sicht," Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, ohne Bandangabe (1963), 76-106; Gerda Grober-Glück, Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen, 2 Bde. (Marburg: N.G. Elwert, 1974); und Manfred Bambeck, "`Malin comme un singe': Oder Physiognomik und Sprache," Archiv für Kulturgeschichte, 61 (1979), 292-316.

[38] Jung (wie Anm. 13), S. 28.

[39] Vgl. Wander (wie Anm. 28), Bd. 1 (1867), Sp. 1676, Gewitter Nr. 21; und Bd. 5 (1880), Sp. 1066, Blitzen Nr. 4. Zu Wettersprichwörtern überhaupt vgl. die beiden voluminösen Sammlungen von Werner Heyd, Bauernweistümer, Wetterregeln und Lostagssprüche, 2 Bde. (Memmingen: Maximilian Dietrich, 1971 und 1973); und Albert Hauser, Bauernregeln (Zürich: Artemis, 1973). Betreffs der naturwissenschaftlichen Aphorismen Lichtenbergs vgl. Paul Hahn, "Der Forscher G.C. Lichtenberg und seine Aphorismenbücher," Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, 112 (1939), 39-55; und Ralph W. Buechler, Science and Wit. The Essays of Georg Christoph Lichtenberg (New York: Peter Lang, 1990), bes. S. 197-206.

[40] Zu Lichtenbergs autobiographischen Aphorismen ganz allgemein vgl. Herbert Schöffler, Lichtenberg, Studien zu seinem Wesen und Geist, hrsg. von Götz von Selle (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1956); Wolfgang Promies, Georg Christoph Lichtenberg in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Reinbek: Rowohlt, 1964); und Kerstin Stüssel, "Lichtenbergs autobiographische Bemerkungen," German Life and Letters, 42 (1989), 342-361.

[41] Wander (wie Anm. 28), Bd. 3 (1873), Sp. 806, Mutter Nr. 50, erklärt dieses Sprichwort folgendermaßen: "Zu Gunstern derer, denen man ihre rechtmässige Geburt in Zweifel zieht. Im allgemeinen gilt jedes Kind für ehelich, das in der Ehe geboren wird. Da der Beweis für das Gegentheil sehr schwer zu führen ist, so begnügen sich, wie das Sprichwort sagen will, die Gesetze mit dem äussern Geständniss der Aeltern, wenn die Mutter sagt, dass sie das Kind geboren habe und der Vater es für das seinige erkennt".

[42] Hier sei nochmals eine moderne aphoristische Reaktion von Kurt Bracharz (wie Anm. 35), S. 167 auf einen Text Lichtenbergs zitiert: "In vier Worten steckt heute meist eine bekannte Grobheit. In den sechs Zeichen der Formel E=m.c2 steckt eine Menge Information, aber das ist ja etwas ganz anderes als Weisheit".

[43] Wander (wie Anm. 28), Bd. 3 (1873), Sp. 238, Louisdor [Nr. 1] zitiert das fast identische Sprichwort "Ein Louisdor in der Tasche ist besser als zehn auf dem Bücherbret [sic]". Da Wander keinen historischen Beleg anführt, wäre das Sprichwort in Lichtenbergs Sudelbuch von 1773-1775 die bisher frühste schriftliche Fixierung des Sprichworts.

[44] Bei Wander (wie Anm. 28), Bd. 4 (1876), Sp. 1662, Vogel Nr. 375 ist das Sprichwort in der Variante "Schöne Vögel singen selten schön" verzeichnet. Auf diesen sprichwörtlichen Aphorismus macht auch Manfred Knauff in seiner Studie Lichtenbergs Sudelbücher. Versuch einer Typologie der Aphorismen (Dreieich: Edition Rau, 1977, S. 23 aufmerksam. Er meint, das Sprichwort verhelfe Lichtenberg dazu, die Kritik an einem Zeitgenossen mit "rhetorischer Relevanz und Prägnanz" ins Allgemeine zu wenden.

[45] Vgl. dazu in der Reihenfolge der zitierten Begriffe Oskar Jancke, "Lichtenbergs Aphoristik," Neue Rundschau," 51 (1940), 66 (der ganze Aufsatz S. 65-69); Peter Rippmann, Werk und Fragment. Georg Christoph Lichtenberg als Schriftsteller (Bern: Francke, 1953), S. 98; Paul Requadt, Lichtenberg (Stuugart: W. Kohlhammer, 1964), S. 148; und Gertrud Fischer, Lichtenbergische Denkfiguren. Aspekte des Experimentellen (Heidelberg: Carl Winter, 1982), S. 126.

[46] Viele Varianten der Sprichworformel "X ist der Y Mutter" sind verzeichnet in Wayland D. Hand, "A Classical Proverb-Pattern in Germany," Journal of English and Germanic Philology, 36 (1937), 224-233.

[47] Vgl. dazu John Messenger, "The Role of Proverbs in a Nigerian Judicial System," Southwestern Journal of Anthropology, 15 (1959), 64-73; and Kwesi Yankah, "Proverb Rhetoric and the Judicial Process," in ders., The Proverb in the Context of Akan Rhetoric. A Theory of Proverb Praxis (Bern: Peter Lang, 1989), S. 214-245. Vgl. aber auch die aus dem 18. Jahrhundert stammende deutsche Rechtsstudie von Johann Friedrich Eisenhart, Kurze Abhandlung von dem Beweise durch Sprüchwörter (Erfurt: Johann Heinrich Nonne, 1750).

[48] Vgl. dazu Wolgang Mieders detaillierte Studien "`Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang': Zur Herkunft, Überlieferung und Verwendung eines angeblichen Luther-Spruches," Muttersprache, 94 (Sonderheft, 1983-1984), 68-103; und "`Wine, Women and Song': Zur angloamerikanischen Überlieferung eines angeblichen Lutherspruches," Germanisch-Romanische Monatsschrift, 65, Neue Folge 34 (1984), 385-403.

[49] Zum Sagwort oder Wellerismus vgl. Archer Taylor, The Proverb (Cambridge/Massachusetts: Harvard University Press, 1931; Nachdruck mit einer Einleitung und Bibliographie hrsg. von Wolfgang Mieder. Bern: Peter Lang, 1985), S. 200-220; Winfried Hofmann, Das rheinische Sagwort. Ein Beitrag zur Sprichwörterkunde (Siegburg: F. Schmitt, 1959); und Röhrich und Mieder (wie Anm. 22), S. 11-14. Eine ausgezeichnete Sammlung von Sagwörtern ist die von Edmund Hoefer, Wie das Volk spricht. Sprichwörtliche Redensarten (Stuttgart: Kröner, 1855, 10. Aufl. 1898), deren Titel leider fälschlich von sprichwörtlichen Redensarten spricht.

[50] Vgl. Friedrich Seiler, Das deutsche Sagwort (Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1924) (=Bd. 8 von Seilers Die Entwicklung der deutschen Kultur im Spiegel des deutschen Lehnworts), S. 40: "`Wie geht's?' sagte der Blinde zum Lahmen; `wie Sie sehen', antwortete der".

[51] Andere Aphoristiker erfinden gelegentlich auch solche Sagwörter, und der Schweizer Schriftsteller Markus Ronner hat besonders viele Texte in seiner Aphorismensammlung Moment Mal! (Bern: Benteli, 1977) aufgenommen. Vgl. dazu "`Spaß muß sein', sagte der Spaßmacher, aber ... Zu den Sagwörtern von Markus M. Ronner," Sprachspiegel, 42 (1986), 162-170.

[52] Zitiert aus Promies (wie Anm. 14), Bd. 4, S. 822. Vgl. auch Müller (wie Anm. 18), S. 66.

[53] Gerhard Uhlenbruck, ...einFACH gesimpelt. Aphorismen mit vier Foto-Collagen von Roland Wentzler (Aachen: Josef Stippak, 1979), S. 107. Zu Uhlenbrucks Aphoristik vgl. Wolfgang Mieder (wie Anm. 24).

[54] Zur Geschichte von diesem biblischen Sprichwort (Matth. 12,34) und seinen vielen Parodien vgl. Wolfgang Mieder, "Martin Luther und die Geschichte des Sprichwortes `Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über'," Sprachspiegel, 39 (1983), 66-74; und Timothy C. Nelson. "`Ex abundantia cordis os loquitur': Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte eines umstrittenen Sprichworts," Proverbium, 3 (1986), 101-123.

[55] Reinhard Trachsler, Lichtenbergs Aphorismen. Ursprünge und Größe wirklicher Freiheit (Zürich: Artemis, 1956), S. 117. Zu den Sprachspielen an sich vgl. auch Joseph Peter Stern, "Lichtenbergs Sprachspiele," in Wolfgang Promies (Hrsg.), Aufklärung über Lichtenberg (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1974), S. 60-75.

[56] Fischer (wie Anm. 45), S. 128.

[57] Vgl. Wander (wie Anm. 28), Bd. 1 (1867), Sp. 313, Berg Nr. 22. Vgl. Franz Harder, "`Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus'," Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 35-36 (1925-1926), 278-280.

[58] Wander (wie Anm. 28), Bd. 2 (1870), Sp. 517, Henne Nr. 174; und Bd. 3 (1873), Sp. 315, Mädchen Nr. 131. Zu diesen über ganz Europa verbreiteten Sprichwörtern vgl. Heinrich Lewy, "Zum Verbot des Pfeifens," Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 41 (1931), 58-59; und Alan Dundes, "The Crowing Hen and the Easter Bunny: Male Chauvinism in American Folklore," in Linda Dégh, Henry Glassie and Felix Oinas (Hrsg.), Folklore Today. A Festschrift for Richard M. Dorson (Bloomington/Indiana: Indiana University Press, 1976), S. 123-138 (mit weiterer Literatur).

[59] Requadt (wie Anm. 45), S. 132.

[60] Zu diesem Sprichwort vgl. Campbell Dodgson, "Two Illustrations of a German Proverb," Burlington Magazine, 26 (1914), 144-146. Der Aufsatz weist auf zwei Illustrationen des Sprichwortes von Hans Sebald Beham und Albrecht Altdorfer aus dem 16. Jahrhundert hin.

[61] Zitiert aus Josef Reding, Ach und Krach Texte (Balwe: Engelbert, 1976), S. 20. Dieses Gedicht und viele andere sind abgedruckt in Wolfgang Mieder (Hrsg.), "Kommt Zeit - kommt Rat!?" Moderne Sprichwortgedichte von Erich Fried bis Ulla Hahn (Frankfurt am Main: Rita G. Fischer, 1990), S. 94 (Redings Gedicht).

[62] Vgl. Bartlett Jere Whiting, "The Devil and Hell in Current English Literary Idiom," Harvard Studies and Notes in Philology and Literature, 20 (1938), 201-247.

[63] Vgl. Morris Palmer Tilley, A Dictionary of the Proverbs in England in the Sixteenth and Seventeenth Centuries (Ann Arbor/Michigan: University of Michigan Press, 1950), S. 174 (D622); and F.P. Wilson, The Oxford Dictionary of English Proverbs (Oxford: Clarendon Press, 1970), S. 205.

[64] Georg Christoph Lichtenberg, Über Physiognomik; wider die Physiognomen. Zu Beförderung der Menschenliebe und Menschenkenntnis (Göttingen 1778), zitiert aus Promies (wie Anm. 14), Bd. 3, Teil 1, S. 279. Auf S. 278 steht noch folgende bedeutungsvolle Aussage über das Verhältnis von Physiognomik und Sprichwort: "Die Nase kommt in hundert Sprüchwörtern und Redensarten vor, aber immer pathognomisch, als Zeichen vorübergehender Handlung, und niemals physiognomisch, oder als Zeichen stehenden Charakters oder Anlage. Es fehlt ihm über der Nase, sagt man im gemeinen Leben von einem, der nicht viel Verstand hat; nach der neuen Physiognomik müßte man sagen, es fehlt ihm an der Nase. Es gibt allerdings Sprüchwörter, die der Physiognomik das Wort reden, aber was läßt sich nicht mit Sprüchwörtern erweisen". Zu dem Problem der physiognomischen Sprichwörter und des Beweises durch Sprichwörter vgl. die in den Anmerkungen 37 und 47 zitierten Literaturangaben

 

Wolfgang Mieder
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